Bodo Ramelow über das Thüringer Meeer: "Ein ungeschliffener Rohdiamant"

Bodo Ramelow, Fraktionschef der Linken im Thüringer Landtag, erholte sich zwei Wochen am Thüringer Meer. Der gebürtige Niedersache sieht großes Potenzial für den Tourismus aber auch viel Missgunst.

Foto: zgt

Saalthal. Bodo Ramelow ist nicht nur Mitglied im Verein Thüringer Meer, er ist auch ­bekennender Fan der Stausee­region. Er kommt her, so oft es geht. "Zig Male", wie der Fraktionschef der Linken im Thüringer Landtag sagt. In dieser Woche ging sein zweiwöchiger Urlaub in der Alterbucht des Hohenwartestausees zu Ende. Mit Frau und Hund "Attila" war er in einem privaten Bungalow untergebracht. In den Erfurter Politbetrieb kehrt er gut erholt zurück - und mit gemischten Gefühlen.

"Der Stausee ist zweifellos eine der schönsten Gegenden Thüringens", sagt der 57-Jährige. Er sei in Niedersachsen aufgewachsen, habe dort in einem Fluss schwimmen gelernt. "Ich bin eine Wasserratte, wie mein Jack Russel Terrier", so Ramelow. Er mag die Landschaft, die Natur, die "traumhaften ­Wanderwege", die ihm Detlef Stöcker einst zeigte.

Eine Woche lang hatten die Urlauber ein Paddelboot gemietet, haben "Stausee in Flammen" erlebt, eine Tour mit dem Wikingerboot und einen Ausflug der der Stauseeschifffahrt Hohenwarte zur Portenschmiede. "Das Thüringer Meer ist ein ungeschliffener Rohdiamant", so das Fazit des Landespolitikers, der aber auch die andere Seite der Medaille erlebte.

"Es gibt zu wenig Kooperation und zu viel Missgunst unter den Akteuren", sagt Bodo Ramelow. Das beginne bei der Oberlandbahn, gehe über zwei Landkreise, die sich nicht grün sind bis zur Belästigung der gewerblichen Schifffahrt durch die Bürokratie. "Aber im Alter hat man das Gefühl, dass der Kleinkrieg mit den Nutzern der Uferhäuschen nur die Spitze des Eisberges sind. Der Krach mit dem Segelverein tut sein Übriges am Ufer und so geht es leider weiter", schreibt er in einem Online-Kommentar zum Streit um die neue Liegewiesengebühr im Saalthal. Es fehle ein transparentes Gesamtkonzept, das die Gemeinde Unterwellenborn ­erstellen müsste.

An der Lahn, wohin er nach der Schule zog, habe auch viele Jahre der Neid geherrscht. "Erst als man das überwunden hatte, haben sich die Gästezahlen verdoppelt", so der frühere Landesvorsitzende der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen. Inzwischen hätten sich dort "alle Anrainer zusammengeschlossen und vermarkten quasi von der Quelle bis zur Mündung die Flusslandschaft gemeinsam. Wandern, Paddeln, Radfahren und auch eine gut funktionierende Eisenbahn halten das Gebiet gut im Markt. Über mehrere Landkreisgrenzen hinweg und sogar zwei Bundesländer mussten sie lernen zu kooperieren." Am Bodensee funktioniere das Ganze sogar über drei Staatsgrenzen hinweg.

"Trotzdem glaube ich an die Region", sagt Ramelow mit Blick auf das Thüringer Meer. Wenn es gelinge, alle Akteure in ein Boot zu holen, könnte die Saale-Kaskade "in der Premiumklasse" mitspielen, "nicht als Verlängerung des Thüringer Waldes, sondern neben dem Thüringer Wald." Leider wollten dies weder Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) noch die Thüringer Tourismus-Gesellschaft (TTG).

Einen ganz privaten Wunsch hat Ramelow auch: einen Hundestrand - für Attila und Co.

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