Neueröffnung

Brasilianisch glatt: Neues Enthaarungsangebot in Saalfeld

Saalfeld.  Tayrine Groß hat in Saalfeld das Kosmetikstudio „Beach Wax“ eröffnet. Dort bietet sie Haarentfernung nach brasilianischer Art mit Wachs an.

Tayrine Groß in ihrem Behandlungsraum mit zwei Wachspatronen, Holzspateln und Erhitzern – viel braucht die 28-Jährige nicht für ihre Dienstleistung.

Tayrine Groß in ihrem Behandlungsraum mit zwei Wachspatronen, Holzspateln und Erhitzern – viel braucht die 28-Jährige nicht für ihre Dienstleistung.

Foto: Foto: Robin Kraska

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Wer glatt sein will, muss leiden – oder? Tayrine Groß jedenfalls will den Schmerz so klein wie möglich halten. „Ganz ohne geht es nicht“, gibt die 28-Jährige zu. „Aber ich versuche, meine Kunden während der Behandlung abzulenken. Sie sollen sich gar nicht erst aufs Ziepen konzentrieren“. Tayrine Groß stammt aus Rio de Janeiro und lebt seit knapp acht Jahren mit ihrem deutschen Mann und den zwei Kindern im Landkreis. Mit dem neuen Jahr hat die Wahl-Saalfelderin ihr Enthaarungsstudio „Beach Wax“ in einem kleinen Ladenlokal in der Oberen Straße eröffnet.

Wo bis vor einigen Wochen noch Antiquitäten über den Ladentisch gingen, geht es heute ungeliebten Härchen an den Kragen. Bereits seit Juni vergangenen Jahres war sie als Untermieterin eines anderen Geschäfts in der Saalstraße selbstständig, wo nur ein kleiner Zettel auf die exotische Dienstleistung hinwies. „Die Lage hier ist natürlich viel besser, die Leute laufen vorbei, sind neugierig“, schwärmt sie.

An den Stränden Brasiliens erfunden

Brazilian Waxing, das „brasilianische Wachsen“ – ein relativ junger Trend, entstand in den neunziger Jahren an den Stränden Brasiliens, von wo es über die USA nach Europa kam, öffentlichkeitswirksam unterstützt von Prominenten und Hollywoodstars.

Spezielle Warmwachse werden erhitzt und mit Holzspateln direkt auf die zu enthaarende Stelle aufgetragen – und abgezogen. Anders als bei einer herkömmlichen Wachsbehandlung werden aber keine Stoff- oder Vliesstreifen verwendet, sondern das Wachs direkt auf die Haut gegeben.

Alternativ bietet Groß auch eine vollbiologische Zuckerpaste an. „Manche empfinden sie als etwas hautfreundlicher, als den Wachs“, sagt sie. Die Substanzen bezieht sie direkt aus ihrer Heimat.

Die junge Frau schwört selbst auf die brasilianische Methode und lässt sich regelmäßig in einem Erlanger Studio wachsen. „Die brachten mir auch viel über das Handwerk bei“, sagt Groß, die bereits in Brasilien hobbymäßig wachste und im April 2019 ihr Zertifikat als ausgebildete Depiladora erhielt. So nennen die Brasilianer die „Wachserin“ auf Portugiesisch.

Viele Anbieter gebe es nicht, Groß kennt keinen weiteren in der Umgebung. Brazilian Waxing, lehrt das Internetlexikon Wikipedia, ist eher in den Großstädten anzutreffen. Vom eigenmächtigen Ausprobieren rät Groß ausdrücklich ab, „das kann gefährlich werden und mache ich auch an mir selbst nicht“.

Diskretion und Professionalität wichtig

Als Vorteil nennt die Depiladora eine größere Gründlichkeit und Nachhaltigkeit, da im Gegensatz zur Rasur die Haare mitsamt der Wurzel entfernt werden. Natürlich sei die Wahl der Methode Geschmackssache. „Als ich selbst einmal bei einer klassischen Enthaarung war, hatte ich danach überall blaue Flecken“, berichtet sie. Aber: „Hautschonender als die Rasur ist es auf alle Fälle!“

Bleibt die Sache mit dem Schmerz. Auch hier gilt: Das Empfinden ist individuell. „Beim ersten Mal tut es noch mehr weh, aber mit steigender Zahl der Behandlungen wird es immer besser, weil die Haare nach und nach weicher nachwachsen“, weiß Tayrine Groß. Bis zur dauerhaften Haarfreiheit brauche es aber schon einige Jahre.

Die Inhaberin bietet in ihrem neuen Studio praktisch alle Körperstellen an – und erweitert damit das ursprüngliche Brazilian Waxing, das eigentlich nur den Intimbereich umfasst. Eine Marktlücke, „denn die Intimzone bieten viele andere Salons eben nicht an“.

Willkommen sind Männer und Frauen. „Der größere Teil meiner Kunden ist zwar weiblich, es gibt aber auch immer mehr Interesse bei den Herren“, sagt sie. Gerade für Männer sei die Situation mit ihrer notwendigen Entblößung oft ungewohnt. Groß: „Wir Frauen kennen es ja meist schon vom Frauenarzt. Und das ist viel unangenehmer!“

Auf Männer mit Hintergedanken gefasst gewesen

Diskretion und Professionalität seien da umso wichtiger. „Es kann durchaus auch zu Erektionen kommen“, nimmt Groß kein Blatt vor den Mund. „Eine völlig normale körperliche Reaktion, die nicht schlimm ist!“ Sollte sie das Gefühl bekommen, dass ein Kunde weitergehende Gedanken entwickelt oder dies gar äußern sollte, würde sie in hinausbitten. „Das kam bisher aber noch nicht vor“.

Anders als bei manchen Terminvereinbarungen am Telefon. „Da fragten mich schon Männer, ob die Behandlung mit ‘Happy End’ ist.“ Sie sei allerdings darauf gefasst gewesen, auch aufgrund ihrer brasilianischen Herkunft.

Relevanter als eventuelle Zudringlichkeiten sei aber, den Männern die Angst zu nehmen. „Sie sind empfindlicher und gerade zu Beginn auch ängstlicher als wir Frauen“, hat Tayrine Groß beobachtet und muss lachen: „Man könnte manchmal denken, sie bekommen ein Kind.“ Nach einigen Behandlungen setze aber auch beim Mann die Gewöhnung ein. „Beim ersten Mal schreien sie noch, später schlafen sie sogar ein.“

Von Vorteil im Umgang mit den Körpern anderer Menschen ist Groß ihre Berufserfahrung: Sie arbeitete nach ihrer Ankunft in Deutschland lange als Pflegehelferin im Altenheim und in der Psychiatrie. „Ich habe es gerne gemacht, möchte aber nicht unbedingt wieder zurück. Es ist ein wahnsinnig anstrengender und dafür zu schlecht bezahlter Job“. Umso mehr hofft sie nun auf viele Kunden. „Ich muss nicht reich werden, möchte aber davon leben können“.

Hauptsaison ist freilich die Sommerzeit

Unabhängig vom Geschlecht kämen die meisten ihrer Waxing-Jünger aber ohnehin ein zweites Mal und würden später zu zufriedenen Stammkunden. Hauptsaison ist freilich die Sommerzeit und Badesaison. Kommen darf, wer mindestens 18 ist, darunter mit Erlaubnis der Eltern.

Tayrine Groß möchte ihren Kunden monatlich eine besondere Aktion bieten – aktuell ist es ein kleines Gewinnspiel – und auch bei den Einkaufsnächten mitmachen. Im Februar steht jedoch erst einmal ein Flug in die Heimat auf dem Plan. „Ich liebe Saalfeld. Aber seitdem ich in Deutschland bin, war ich nur einmal zu Hause – und schon ewig nicht mehr beim Karneval in Rio!“

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