Conny und Hedi, das Saalfelder Besuchshunde-Team

Saalfeld.  Conny Händler und ihr Hund dürfen Senioren und Kinder besuchen, um Verspannungen zu lösen. Der Bedarf ist riesig, doch es geht nicht voran.

Conny Händler aus Saalfeld hat gemeinsam mit ihrer Hündin "Hedi" eine Ausbildung absolviert. Sie sind jetzt zusammen ein "Besuchshundeteam" - etwa für Senioren oder Kinder.

Conny Händler aus Saalfeld hat gemeinsam mit ihrer Hündin "Hedi" eine Ausbildung absolviert. Sie sind jetzt zusammen ein "Besuchshundeteam" - etwa für Senioren oder Kinder.

Foto: Guido Berg / OTZ

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Ein Tier, sagt Conny Händler, „gibt einem, was einem kein Mensch geben kann“. Die Anwesenheit eines Tieres löst und befreit, denn „Tiere haben den siebenten Sinn“. Diese Erfahrung hat die 54-jährige Saalfelderin selbst gemacht, insbesondere mit Hunden. 2013 kam „Hedi“ in ihr Leben, ein Yorkshire Chihuahua, schmusesüchtig, neugierig, mit großen Knopfaugen.

In Erfurt absolvierten sie eine Ausbildung zum „Besuchshundeteam“

Ihr tat die Anwesenheit des Hundes gut und dieses Erlebnis will sie nun auch anderen Menschen zuteil werden lassen. In Erfurt absolvierten sie und ihr kleiner Hund eine Ausbildung zum „Besuchshundeteam“. Insbesondere Kinder und Senioren könnten sehr vom Umgang mit dem lustigen, quirligen Hund profitieren, versichert sie.

Conny Händler weiß, wovon sie spricht. Sie selbst wurde sehr perfektionistisch erzogen. Nie gab es Lob, dem sich nicht auch ein „Aber...“ anschloss. „Man strebt dann selber nach diesem Perfektionismus“, sagt sie, aber man erreiche ihn nie, „es ist nie ganz perfekt“. Es ist „ein Bemühen im Hamsterrad“.

Als gelernte Bürokauffrau arbeitete Conny Händler in einem Autohaus. Die Anforderung waren hoch, es gab Testanrufe, ob der Telefonservice für die Kunden auch so ist, wie er sein soll - perfekt. „Man hatte permanent Druck“, erinnert sich Conny Händler.

2011 war es dann soweit, „es ging nicht weiter“. Conny Händler konnte nicht mehr. Sie begann eine Therapie und hatte dabei auch Kontakt mit einem Hund, größer als „Hedi“, wohl ein Golden Retriever, erinnert sie sich. „Ich habe gemerkt, dass mich der Hund mehr und mehr stabilisiert.“ Sie begann, sich über das Thema Tiere und Therapien zu informieren, sie las, sie googelte, sie sah eine DVD und sie kam auf die Idee, dass sie das, was sie Gutes im Umgang mit Hunden erfuhr, auch anderen Menschen zugänglich machen könnte.

So kam sie zu „Hedi“: „Es war Liebe auf den ersten Blick“

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, berichtet Conny Händler von der ersten Begegnung mit der kleinen „Hedi“. Das war bei einem Hobby-Züchter; sie sagt zu ihrem Mann: „Unterschreib mal bitte den Vertrag.“ Schon als Kind hatte sie sich einen Hund gewünscht, nie hatte es gepasst. Nun sagte sie sich: „Wann, wenn nicht jetzt?“

„Hedi“ und sie gingen zur Hundeschule, auch zum Hundesport. Und sie absolvierten in Erfurt im Ausbildungszentrum „Servicehunde Mitteldeutschland“ einen Lehrgang zum „Besuchshundeteam“. Das unterscheidet sich etwas von der Ausbildung zum Therapiebegleithund, bei der der Hundehalter einen medizinischen Beruf nachweisen muss. Das kann Conny Händler nicht, aber sie absolvierte auch alle medizinischen Stunden, denn „ein solcher Hintergrund kann nicht schaden“.

Im Praktikum erlebte die Saalfelderin, wie selbst demente Menschen „mit Null Mimik im Gesicht“ plötzlich auftauen, den Hund streicheln wollen, ihn auf den Schoß nehmen wollen und plötzlich bereit sind, ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Conny Händler hat auch Spiele entwickelt, es werden Leckerli versteckt, die „Hedi“ finden muss. Oder es wird ein Leckerbissen durch ein Rohr fallen gelassen und der Hund schnappt es sich dann. „Das finden die Leute sehr amüsant, es gibt viele Möglichkeiten“.

„Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Conny Händler

Auch für Kinder gibt es Einsatzideen. Kinder mit Leseschwächen können dem Hund vorlesen, denn dieser lacht sie garantiert nicht aus. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Conny Händler. Allerdings bedauert sie, dass es noch an Aufträgen mangelt, obwohl der Bedarf angesichts der zahlreichen Senioren- und Kindereinrichtungen in Saalfeld und Umgebung riesig sein müsste. Oft werde gesagt, es gebe dafür kein Geld, obwohl ihr als Frührentnerin eine 450-Euro-Stelle genügen würde und ihr Einzelhonorar überschaubar ist. In anderen Städten funktioniere das sehr gut für Besuchshunde-Teams.

Oft sind es auch Laien, die ihr als Profi die Einsatzmöglichkeiten rauben. Da bringen Pfleger, Schwestern oder Pädagogen mal ihren eigenen Hund mit, als gäbe es nicht zahlreiche Normen zu beachten. So darf „Hedi“ kein Rohfleisch essen und muss alle Vierteljahre zum Tierarzt inklusive Kotuntersuchung auf Würmer. „Man sollte sicher sein, dass man einem kranken Menschen einen gesunden Hund ins Bett legt“ - etwa, wenn es gilt, bei stark dementen Menschen Muskelverspannungen zu lösen. Auch gehört ein Hygieneplan zu jedem Hundebesuch: Was darf der Hund, was darf er nicht? Nicht zuletzt wurde „Hedi“ einem Stresstest unterzogen und so seine Tauglichkeit ermittelt. Schließlich können Kinder oder demente Personen sehr unterschiedlich reagieren. Daraus folgt: „Ich kann es nicht umsonst machen“, sagt Conny Händler - und streichelt ihren „Hedi“ und verliert nicht die Hoffnung.

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