Corona im Kreis Saalfeld-Rudolstadt: Von null auf fünf Tote in acht Tagen

Saalfeld/Rudolstadt.  Für das dynamische Infektionsgeschehen im Landkreis gibt es keine einfachen Antworten. Eine Suche nach den Gründen.

An den Thüringen-Kliniken in Saalfeld wird an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, wo bei Coronaverdachtsfällen der Abstrich erfolgt. Dazu wurde im Innenhof ein Container des THW aufgestellt, der zumeist vormittags durch Teams des Gesundheitsamtes und am Nachmittag durch die Kassenärztliche Vereinigung genutzt wird.

An den Thüringen-Kliniken in Saalfeld wird an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, wo bei Coronaverdachtsfällen der Abstrich erfolgt. Dazu wurde im Innenhof ein Container des THW aufgestellt, der zumeist vormittags durch Teams des Gesundheitsamtes und am Nachmittag durch die Kassenärztliche Vereinigung genutzt wird.

Foto: Thomas Spanier

Lange Zeit schien es so, als käme der Kreis Saalfeld-Rudolstadt mit einem blauen Auge durch die Krise. Während in umliegenden Landkreisen die Zahl der Corona-Toten schon im Frühjahr zweistellig war, stand für Saalfeld-Rudolstadt bis vor zehn Tagen eine null. Danach stiegen erst die Infektionen, dann starben auch bei uns innerhalb von acht Tagen fünf Männer im Alter zwischen 56 und 86 Jahren im Zusammenhang mit dem Virus. Bei der Suche nach Gründen gibt es keine einfachen Antworten. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog .

„Im Frühjahr hatten wir Tirol und Fasching. Jetzt sind es Hochzeiten und Geburtstagsfeiern, Schulen, auch ein Pflegedienst“, sagt Stephanie Döhler, Fachbereichsleiterin Jugend, Soziales und Gesundheit im Landratsamt. Auch Besuche bei Verwandten sowie Ansteckungen am Arbeitsplatz oder im Wohnheim sind nachgewiesen. „Es ist schwer, das Infektionsgeschehen an einer Ursache festzumachen“, sagt Landrat Marko Wolfram (SPD). Das mache es auch so schwer beherrschbar. Beim überwiegenden Anteil sei der Ort der Ansteckung unklar.

Fehlende Akzeptanz ist ein zusätzliches Problem für die Behörden

Ein zusätzliches Problem sei die fehlende Akzeptanz bei einem kleinen Teil der Bevölkerung. „Es war ein großes Pfand im Frühjahr, dass die Leute sich so vernünftig verhalten haben“, sagt der Probstzellaer. Daran, dass man bei Nichteinhaltung von Abstand, Hygiene und Mund-Nasen-Schutz nicht nur die eigene Gesundheit aufs Spiel setze, sondern auch die anderer Menschen, habe sich nichts geändert. Trotzdem müsse man zunehmend mit Bußgeldern arbeiten. Mehr als 200 Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnung sind inzwischen im Landkreis eingeleitet worden.

Häufigste Verstöße sind die Nichteinhaltung des Mindestabstands, Verstöße gegen Kontaktverbote und Quarantäne-Anordnungen, fehlende Infektionsschutzkonzepte und das Nichterfassen von Kontaktdaten. Nach Vorfällen wie erst am Sonntag beim Reichsbürger-Querdenker-Treffen in Wöhlsdorf drohen den Verantwortlichen „saftige Strafen“, so Wolfram.

Die gestiegenen Infektionszahlen – am Montag waren es über 100 aktive Fälle im Landkreis – schlagen sich auch in den Krankenhäusern nieder. 27 Covid-19-Patienten wurden in den drei Pandemiestationen der Thüringen-Kliniken in Saalfeld und Rudolstadt Anfang der Woche stationär betreut. „Das sind eindeutig positiv getestete Personen, keine Verdachtsfälle“, macht Stephanie Döhler deutlich, die auch wenig Verständnis für Diskussionen hat, ob Leute nun an oder mit Corona verstorben seien: „Ohne das Virus würden sie alle noch leben“.

Gesundheitsamt wird mit Personal aus der Verwaltung verstärkt

Angesichts der Entwicklung der Zahlen wurde das Gesundheitsamt nach und nach personell verstärkt. Neben drei Containment Scouts, zumeist Studenten, die am Telefon Infektionsketten nachspüren sollen, wurden inzwischen sechs Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Verwaltung zeitweilig ins Gesundheitsamt versetzt. Noch habe man nicht auf die Bundeswehr oder andere externe Hilfe, wie sie beispielsweise die AOK angeboten hat, zurückgreifen müssen, sagt die Fachbereichsleiterin. Es werde aber zunehmend schwieriger, die Kontakte nachzuvollziehen.

Wer positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde, wird gebeten, die Personen zu benennen, mit denen er an den zwei zurückliegenden Tagen länger Kontakt hatte. Dabei gehe es nicht um das kurze Hallo-Sagen mit dem Gartennachbar, „15 Minuten von Gesicht zu Gesicht“ sei ein gängiger Maßstab für Kontakte, so Stephanie Döhler. Getestet werde derzeit nur noch, wer Symptome der Lungenkrankheit zeige. Lediglich bei auftretenden Fällen in Kinder- und Pflegeheimen erfolgt der Abstrich flächendeckend in der Einrichtung.

Prognosen, wie es mit den Zahlen weitergeht, will momentan niemand abgeben, auch weil die Labore kaum noch hinterher kommen. Stand Mittwoch gab es für getestete Personen aus dem Kreisgebiet noch 200 offene Befunde.

Aktive Coronafälle nach Städten, Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften (Stand Montagabend):

Rudolstadt: 27

Saalfeld: 24

Bad Blankenburg: 11

VG Schiefergebirge: 11

Uhlstädt-Kirchhasel: 9

VG Schwarzatal: 9

Königsee: 7

Unterwellenborn: 6

Leutenberg: 2