Corona in Saalfeld-Rudolstadt: „Wir haben es noch im Griff!“

Saalfeld.  Ein Besuch im Gesundheitsamt in den Zeiten großer Corona-Herausforderungen. Dort herrscht Zuversicht: „Wir haben gegen Corona Pfeile im Köcher.“

Margitta Kriegel ist Sachbearbeiterin für Infektionsschutz und arbeitet im Gesundheitsamt des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt derzeit an der Kontakt-Nachverfolgung von Corona-Fällen.

Margitta Kriegel ist Sachbearbeiterin für Infektionsschutz und arbeitet im Gesundheitsamt des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt derzeit an der Kontakt-Nachverfolgung von Corona-Fällen.

Foto: Guido Berg

Mit dem Ansteigen der Corona-Fallzahlen steigen auch die Herausforderungen an das Gesundheitsamt des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt. Wie dessen Mitarbeiterinnen Stephanie Döhler, Margitta Kriegel und Mitarbeiter Rolf-Henryk Viehstädt bei einem Vor-Ort-Termin am Freitag gegenüber dieser Redaktion versicherten, gelinge derzeit nicht nur die Nachverfolgung der Kontakte von Corona-positiv getesteten Personen, sondern auch die schnelle Testung dieser Kontaktpersonen im Testzelt an den Thüringen-Kliniken. „Wir haben es noch im Griff!“, versicherte Margitta Kriegel, Sachbearbeiterin für Infektionsschutz.

Getestet wurden 50 Kinder des Saalfelder Kindergartens

Dabei waren gerade am Donnerstag und Freitag dieser Woche Höchstleistungen zu erbringen. Nach einem Corona-Auftreten im Nachgang einer Hochzeit in Rudolstadt und der Schließung eines Kindergartens in Saalfeld mussten allein am Donnerstag 116 Kontaktpersonen zum Corona-Test, darunter die 50 Kinder des Saalfelder Kindergartens. Auch am Freitag-Vormittag mussten etwa 50 Personen zum Test.

Aufgabe der fünf Inspektoren des Gesundheitsamtes und der drei vom Robert-Koch-Institut (RKI) aus Berlin entsendeten „Containment-Scouts“ („Eindämmungs-Aufklärer“) ist es, positiv getestete Personen anzurufen. Ziel ist es, deren Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Danach werden diese Kontaktpersonen ebenfalls angerufen. Zu klären sei, ob es diesen Kontakt wirklich gegeben hat. Wann ein Kontakt ein wirklicher Kontakt ist, wird nach Richtlinien des RKI eingeschätzt. Ein 15-minütiger gemeinsamer Aufenthalt in einem Raum, informiert Stephanie Döhler, Leiterin Jugend, Soziales und Gesundheit, führt zu einem Kontakt.

Ein schriftlicher Bescheid folgt unmittelbar

Kontaktpersonen erhalten umgehend einen Termin zum Test im Testzelt am Krankenhaus. Dorthin fahren dürfen sie nur mit dem eigenen Auto, nicht mit dem öffentlichen Bus. Für Corona-positiv getestete Personen spricht das Gesundheitsamt ein Quarantäne-Aufforderung aus. Diese gilt für 14 Tage nach dem letzten Kontakt mit der infizierten Person. Ein schriftlicher Bescheid folgt unmittelbar. Es bestehe dann die Pflicht zur häuslichen Isolation aufgrund der Gefahr für Leib und Leben anderer Personen.

Eine Quarantäne-Aufforderung bedeutet, so Stephanie Döhler und Rolf-Henryk Viehstädt, dass die Personen das Haus oder die Wohnung nicht verlassen dürfen - auch nicht zum Einkaufen. Sie müssen dann von Freunden oder Bekannten kontaktfrei mit Lebensmitteln versorgt werden oder durch ehrenamtliche Helfer. Regelmäßig informiert sich das Gesundheitsamt bei infizierten Personen, ob es ihnen gut geht - und erfährt somit zumindest über Festnetz, ob die infizierte Person auch zu Hause ist. Bedacht sei hierbei auch: „Wir haben im ländlichen Raum auch schon aufmerksame Nachbarn gehabt“, sagt Stephanie Döhler.

Mit einem Quarantäne-Bescheid kann ein Arbeitgeber beim Landesverwaltungsamt den Verdienstausfall geltend machen, insofern ein Home-Office nicht möglich ist. Für „systemrelevante“ Berufe insbesondere in der Kranken- und Altenpflege kann eine Ausnahmeregelung von der Quarantäne erteilt werden, damit das Gesundheitssystem aufrecht erhalten werden kann. Voraussetzung ist die Arbeit in Schutzkleidung.

„Wir stehen vor sechs Monaten umfangreicher Arbeit“

Was in diesem Winter vor ihnen liegt, wissen Stephanie Döhler, Margitta Kriegel und Rolf-Henryk Viehstädt nicht genau. Letzterer drückt es so aus: „Wir haben Respekt vor der Aufgabe, wir stehen vor sechs Monaten umfangreicher Arbeit“. Immerhin: „Wir haben gegen Corona gute Pfeile im Köcher“, sagt Viehstädt und meint die AHA-Regeln: Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen.

Was sie im Gesundheitsamt von Saalfeld-Rudolstadt noch nicht haben, sind jene von der Landesregierung zugesagten 50.000 Euro, mit denen dringend benötigte Dienst-Laptops für Zuhause angeschafft werden sollen. „Das grämt uns schon ein bisschen“, bekennt Viehstädt, kommunizieren doch die Labore und die Gesundheitsämter über eine spezielle Software miteinander, bei der bei jeder positiv getesteten Person ein roter Punkt aufleuchtet und ein Signalton erschallt. Daher werden die Laptops dringend gebraucht. Dazu Stephanie Döhler: „Na, vielleicht kommt das Geld ja noch bis Weihnachten ...“