Da muss guter Wille walten

Saalfeld-Beulwitz  Im Saalfelder Stadtteil Ehemalige Kaserne Beulwitz soll ein Begegnungszentrum entstehen. Doch noch klemmt die Säge.

Evelyn Bärmann und Anna Lisa während eines Theaterauftritts beim Sommerfest in der ehemaligen Kaserne Beulwitz, dem jüngsten Stadtteil in Saalfeld mit etwa 1000 Einwohnern.

Evelyn Bärmann und Anna Lisa während eines Theaterauftritts beim Sommerfest in der ehemaligen Kaserne Beulwitz, dem jüngsten Stadtteil in Saalfeld mit etwa 1000 Einwohnern.

Foto: Guido Berg

Es wäre sportlich. Doch Saalfelds Jugendamtsleiterin Hanka Giller hofft, im Jahr 2021 Baustart für ein Werkhaus im Saalfelder Stadtteil Ehemalige Kaserne Beulwitz feiern zu können. Klar sei eines: Bis Ende 2023 müsse dieses Projekt der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA) fertiggestellt sein, erklärte Hanka Giller am Rande des gutbesuchten IBA-Sommerfestes am Freitag gegenüber der OTZ.

Gebraucht werde eine solche Begegnungsstätte dringend, so die Amtsleiterin weiter. Die derzeit für die Stadtteilarbeit genutzten Räume seien für den 1000-Einwohner-Stadtteil viel zu klein. Zudem fehle ein großer Raum für größere Veranstaltungen in der kalten Jahreszeit. „Die Infrastruktur ist nicht ausreichend“, ergänzte Hanka Giller. Der Stadtteil an der Beulwitzer Straße sei der jüngste in der Kreisstadt: 56 Prozent der dort lebenden Saalfelder seien jünger als 30 Jahre alt. „Der Stadtteil hat ein großes Potenzial“, erklärte die Amtsleiterin.

Indes sind bis zum Baustart für das geplante modulare Werkhaus, das auch mit tätiger Mithilfe der Anwohner errichtet werden soll, noch einige Hürden zu überwinden. Wie die OTZ in Gesprächen mit Hanka Giller und dem Saalfelder Stadtplanungsamtschef Matthias Föhse erfuhr, liegt auf dem Areal der ehemaligen Kaserne eine Fördermittelbindung. Zur Herrichtung eines Gewerbegebietes waren mit öffentlichen Fördermitteln Kasernenbauten abgerissen worden. Den Äußerungen zufolge widerspricht das aus Sicht des Fördermittelgebers dem Bau des Werkhauses. „Wir sind mit den Ministerien im Gespräch“, erklärte Amtsleiterin Giller diplomatisch.

Projektleiter Bertram von der Schiffers, IBA Thüringen GmbH, erklärte dazu auf OTZ-Anfrage: „Ich hoffe, dass das Problem politisch geknackt wird.“ Schiffers: „Es muss guter Wille walten – von allen Seiten.“ Dass dies gelinge, sei er zuversichtlich: „Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden.“

Beim Sommerfest selbst war von diesen Hintergrundproblemen nichts zu spüren: Bei bestem Wetter sahen die Stadtteil-Bewohner Schauspiel- und Zirkus-Vorstellungen sowie eine Modeschau – unter anderem mit der Vize-Bürgermeisterin Bettina Fiedler (CDU) und der Stadträtin Lisa-Marie Püchler (SPD) als Models. Erarbeitet wurde die Modenschau von der Saalfelder Designerin Judith Skodlerak und dem neu gegründeten Somalischen Verein. So waren bei der gezeigten Kleidung die afrikanischen Einflüsse unverkennbar. Streetworker Christian Uthe erklärte, die Vorbereitung der Modenschau habe eine wunderbare Verbindung von künstlerischer Arbeit und sozialem Kontakt dargestellt.

Lisa-Marie Püchler, mit 18 Jahren jüngste Stadträtin in Saalfeld, erklärte, es sei sehr schade, dass der Stadtteil noch von vielen abwertend betrachtet wird: „Es sind liebenswerte Menschen, die hier wohnen.“ Die häufig geäußerten Vorurteile seien unberechtigt.

Die IBA

  • Die Internationale Bauausstellung (IBA) entwickelt Ideen für die Nutzung leerstehender Gebäude in Dörfern und kleinen Städten.
  • Sie zeige, welches Potenzial im ländlichen Raum stecke, sagt Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke).
  • 2019 ist IBA-Zwischenpräsentationsjahr.
  • Sieben Jahre nach dem Start in Thüringen sind fünf Bauprojekte umgesetzt. Dazu gehören eine als Kunstkapelle wiederbelebte kleine Kirche in Krobitz (Saale-Orla-Kreis) und eine Herbergskirche in Neustadt am Rennsteig.

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