Das passiert im Gericht, wenn der Angeklagte nicht erscheint

Rudolstadt  Die Wochen bis zum nächsten Verhandlungstermin in Rudolstadt muss der unentschuldigt Fehlende nun in Untersuchungshaft verbringen.

Auch beim Eintritt des Richters gab im Amtsgericht Rudolstadt gestern morgen noch einen entscheidenden leeren Platz: den des Angeklagten

Auch beim Eintritt des Richters gab im Amtsgericht Rudolstadt gestern morgen noch einen entscheidenden leeren Platz: den des Angeklagten

Foto: Henry Trefz

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„Es sieht schlecht aus!“ Mit dieser Formulierung hat die Gerichtsprotokollantin auf ein Problem aufmerksam gemacht: Sie sorgt sonst dafür, dass das Gericht einen Hinweis bekommt, wenn alle Verhandlungsparteien im Saal eingetroffen sind, auch Jahre nach der Einrichtung des Ausweichquartiers kommt es öfter zu kleineren Verzögerungen.

Doch die Anklagebank ist an diesem Morgen nur halb besetzt: Zwar hat der Verteidiger Platz genommen, doch auch er kann angesichts des leeren Platzes neben ihm nur versuchen, seinen Mandanten telefonisch zu erreichen. Erfolglos, wie er später mitteilt. Irgendwann nutzt alle Kavaliersdiskretion nichts mehr, sondern muss das Gericht etwas entscheiden und das geht nur im Gerichtssaal. Und es geht nur, wenn das Gericht arbeitsfähig ist. Dazu müssen die Schöffen vereidigt sein, was sie nach dem Beginn der neuen Wahlperiode längst noch nicht alle sind. Stefanie Wagner und Martin Modes, letzterer in der Öffentlichkeit auch als einer der Pressesprecher im Landratsamt bekannt, kommen also nicht umhin, ihre Verhandlung mit einer Nullnummer zu beginnen.

Doch nach ihrer Vereidigung können sie die Maßnahmen beschließen, die Richter Andreas Spahn jetzt verkündet. Er hat Ermessensspielraum. So kann das Gericht anordnen, dass der Angeklagte zum nächsten Termin von der Polizei vorgeführt wird. Dazu holen Beamte denjenigen entweder am Morgen vor der Verhandlung ab oder, um plötzlicher Aushäusigkeit vorzubeugen, auch schon einmal am Abend vorher und behalten denjenigen in einer Gewahrsamszelle. Doch in Fällen wie diesem – es geht um einen Raubüberfall auf einen selbst vielfach vorbestraften Rudolstädter, bei dem Laptops und Festplatten sowie Bargeld erbeutet wurden – kann der Richter auch einen Haftbefehl verhängen. Da Armin A. alles andere als eine weiße Weste hat, dürfte ihn daher nicht überraschen, dass er demnächst verhaftet wird und die mutmaßlich mehreren Wochen bis zu einem neuen Verhandlungstermin hinter Gittern verbringt.

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