Debatte nach schwerem Unfall am Freibad-Sprungturm Saalfeld

Saalfeld.  Elfjähriger nach Kollision mit 17-Jährigem schwer verletzt nach Leipzig geflogen. Kritische Stimmen. Stadt: Sicherheitsvorkehrungen eingehalten.

Im Saalfelder Freibad lockt ein Sprungturm viele Wagemutige an.

Im Saalfelder Freibad lockt ein Sprungturm viele Wagemutige an.

Foto: Guido Berg

Am Tag danach wirkte das Saalfelder Freibad, als wäre nichts geschehen. Hunderte Badegäste suchten am Mittwoch bei hochsommerlichen Temperaturen nach Abkühlung. Auch vom Sprungturm wurde gesprungen, wenn auch nur vom Drei-Meter-Brett. Am Vortag, Dienstag, dem 11. August, war die Badidylle am frühen Vormittag durch einen schweren Unfall jäh unterbrochen worden.

Der Notruf erreichte die Saalfelder Polizei um 14.30 Uhr

Der Notruf ging gegen 14.30 Uhr bei der Polizei ein: Ein elfjähriger Junge wurde bei einem tragischen Unfall am Sprungturm schwer verletzt. Ein 17-Jähriger sowie zwei weitere Personen waren vom Zehn-Meter-Turm gesprungen, schilderte ein Zeuge der Polizei. Kurz zuvor war der Elfjährige vom Ein-Meter-Brett gesprungen - „und schwamm nicht, wie vorgesehen in Richtung Beckenrand“, heißt es im Polizeibericht: „In diesem Moment kam es zur Kollision mit dem im Becken schwimmenden Elfjährigen sowie dem vom Zehn-Meter-Turm springenden 17-Jährigen.“

Angehörige und das Badpersonal kümmerten sich unverzüglich um den Verletzten, zogen ihn aus dem Sprungbecken und leiteten Erste-Hilfe-Maßnahmen ein, heißt es im Polizeibericht. Ein Augenzeuge schilderte dieser Redaktion, dass sich „eine Menschenmasse von 100 Schaulustigen um den armen Jungen und seinem weinenden Vater tummelten“.

Wie Stefanie Kurrat, Pressesprecherin der Landespolizeiinspektion (LPI) Saalfeld, am Mittwoch auf Anfrage mitteilte, wurde der schwer verletzte Junge zunächst mit dem Rettungswagen in die Thüringen Kliniken gebracht und von dort mit dem Hubschrauber auf die Kinderintensivstation des Herzzentrums Leipzig verlegt. Nach Auskunft der behandelnden Ärzte ist sein Zustand stabil, erklärte die Polizeisprecherin.

Nach dem Unfall „springen die Kids weiter fröhlich ins Wasser“

In den sozialen Medien hat der Freibadunfall vielfältige Diskussionen ausgelöst. So schreibt ein Augenzeuge bei Facebook: „Ein kleiner Tipp an das Personal. Wenn da ein kleiner Junge vor dem Beckenrand schwer verletzt herumliegt, sollte man eventuell mal darüber nachdenken, dass man den Sprungturm in jener Zeit sperrt.“ Es habe sich ein makabres Bild geboten: „Der Junge wird unter höllischen Schmerzen versorgt, wäre beinahe gestorben im Sprungbecken und währenddessen springen die Kids fröhlich ins Wasser.“

Ein Augenzeuge erklärte gegenüber dieser Redaktion, es habe nur ein Bademeister am Sprungturm gestanden „und die Leute hochgelassen“. Der Augenzeuge weiter: „Ich predige schon des Öfteren, dass es sinnvoller wäre, wenn ein Bademeister mit oben auf dem Turm steht und das Go zum Springen erteilt. Somit hätte man diesen Unfall verhindern können.“

Ein Facebook-Eintrag bereits vor fünf Jahren deutet indes an, dass Fehlverhalten von Badegästen in Saalfeld offenbar streng geahndet werden. Ein Badegast des Saalfelder Freibades jedenfalls notierte: „Ich habe Saisonverbot bekommen, weil ich vom 10er gesprungen bin obwohl der Bademeister gesagt hat, dass ich hinten runter soll.“

Stadt: Kein derartiger Unfall in den vergangenen 90 Jahren

In einem weiteren Facebook-Eintrag bezieht sich ein Eintrag auf einen schweren Unfall am Saalfelder Sprungturm vor zehn Jahren. Auch hier wird ein zweiter Bademeister vorgeschlagen, der oben auf dem Turm den Absprung reguliert. Das Freibad hätte demnach „schon schalten müssen, als vor zehn Jahren der junge Kerl vom 10er auf die Beckenkante geknallt ist und die Beine gebrochen waren.“

Die LPI Saalfeld recherchiert derzeit auf Anfrage dieser Redaktion nach Unfällen im Saalfelder Freibad in den zurückliegenden Jahren. Die Ergebnisse stehen noch aus. Nach Auskunft der Stadt Saalfeld habe es in der Vergangenheit kleinere Unfälle gegeben. Die Stadt weiter: „In diesem Ausmaß sind in den vergangenen 90 Jahren jedoch keine entsprechenden Schadenereignisse verzeichnet.“ Das Freibad wurde 1949 eröffnet.

Wie Polizeisprecherin Kurrat weiterhin erklärte, ermittle die Polizei „in alle Richtungen“, das bedeute, es werde ermittelt, ob ein Fehlverhalten des 17-Jährigen vorliege, ob sich das Freibad bzw. die Bademeister an die Regeln gehalten hätten oder auch, ob denjenigen, die die Regeln gemacht haben, ein Vorwurf zu machen sei.

„Ein Restrisiko ist immer vorhanden.“

Die Stadt Saalfeld und die Bäder GmbH „bedauern diesen Unfall sehr“, teilte der Büroleiter des Saalfelder Bürgermeisters, Christopher Mielke, auf Anfrage mit. Alle Sicherheitsvorkehrungen seien aus Sicht der Betreiberin eingehalten worden. Zum Zeitpunkt des Unfalles seien zwei Bademeister am Beckenrand anwesend gewesen und hätten in der Folge Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet. „Allerdings lassen sich Unfälle selbst unter Einhaltung aller dieser Vorkehrungen nicht zu 100 Prozent ausschließen. Ein Restrisiko ist immer vorhanden. Wir wünschen dem verletzten Kind beste Genesung“, teilte Mielke mit.

Zum Reglement am Zehn-Meter-Brett des Sprungturms erläuterte Mielke: „Es müssen alle anderen Plattformen (fünf und 2,5 Meter) gesperrt sein. Auf der Zehn-Meter-Plattform dürfen sich zur gleichen Zeit nur fünf Personen befinden und ein Bademeister muss am Beckenrand Aufsicht führen.“ Das Reglement müsse nicht verändert werden. Es habe bereits in der Vergangenheit bauliche und organisatorische Maßnahmen zur Risikominimierung gegeben. Der Sprungturm sei weiterhin geöffnet und die Zehn-Meter-Plattform könne genutzt werden. Mielke: „Es gibt keine Sicherheitsbedenken.“