Der Altvaterturm: Ein Denkmal mit Zukunft

Lehesten  Zum Altvaterturmfest auf dem Wetzstein gibt der Betreiberverein des Denkmals einen Ausblick auf die Zukunft

Es gehe nicht um Rache und Revanchismus, sondern um Verständigung und Gedenken, sagt Willi Rimpl am Sonntag. Der 78-Jährige ist Mitglied im Altvaterturmverein und führt Besucher durch die Ausstellungen zu Flucht und Vertreibung, speziell der Sudetendeutschen, sowie der Regionalgeschichte mit jahrzehntelanger Grenzlage. „Unser Credo lautet Verständigung! Wir wollen sachlich und geschichtlich verbürgt an das Schicksal der nach dem zweiten Weltkrieg Heimatvertriebenen erinnern. Ein Thema, das politisch noch nicht aufgearbeitet ist“, sagt er. Der Verein mit Sitz im mittelhessischen Ehringshausen betreibt den 2004 eingeweihten Aussichtsturm auf dem Wetzsteingipfel nahe Lehesten und lud am Wochenende im 15. Jahr des Turmbestehens zum 16. Altvaterturmfest ein. „Es wird immer schwieriger, etwas zu organisieren, weil uns die Generation, die es selbst miterlebt hat, natürlich nach und nach verlässt“, sagt Rimpl. Die Besucherzahl schätzt er an beiden Tagen auf rund 200, darunter viele Senioren, Zeitzeugen und einige der 240 Vereinsmitglieder, aber auch junge Menschen. Zum Auftakt am Samstag zog die Ausstellung vierer Saalfelder Gymnasiastinnen über Architekt Hanns Hopp vom Saalfelder Klinikum auf den Altvaterturm um. Hier soll sie für mindestens vier Wochen zu besichtigen sein.

Ebenfalls neu im Haus und gleichfalls einen Monat zu sehen ist die Wanderausstellung „Die Sudetendeutschen“ von Gerda Ott, Vorstandsmitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Baden-Württemberg. Großformatige Karten und Schautafeln verdeutlichen historische deutsche Siedlungs- und Sprachgebiete in Böhmen, Mähren und Schlesien, Fluchtbewegungen und Hintergründe der Vertreibung. Bernhard Weese ist seit zehn Jahren Vorsitzender des Altvaterturmsvereins, sein heute 90-jähriger Vater musste seine Heimat in den Sudeten nach dem Krieg verlassen und ließ sich im Hessischen nieder, daher der Vereinssitz. „Wir befinden uns hier an einem lebendigen Begegnungsort für Ost und West und alle Generationen, der für viele Themen offen ist“, sagt Weese. Letztes Jahr habe die Grundschule Lehesten einen Projekttag zu Elisabeth von Thüringen in der Elisabethkapelle im Turmfuß veranstaltet. „Warum auch nicht? Wir honorieren das Schicksal der Vertriebenen und gedenken ihrer. Gleichzeitig ist es ein Ausflugsziel, wo man Spaß hat und gelacht wird“, sagt der 54-Jährige. Ein naheliegendes Problem des Vereins sei freilich der natürliche Mitgliederschwund. „Über die Hälfte ist älter als 80 Jahre, jedes Jahr verlieren wir ungefähr zehn Prozent“, sagt Weese. Sein Wunsch ist, mehr junge Leute für die Sache zu gewinnen, gerne auch noch mehr lokale Akteure. Künftig werde sich deswegen auch das Altvaterturmfest verändern müssen, vielleicht etwas kleiner werden oder nur noch am Sonntag stattfinden.

Was jedoch keine Visionen ausschließt: „Uns schwebt eine Überdachung der Freiluftbühne vor“, gibt Weese einen Ausblick. „Sie müsste transparent sein, damit man den Turm noch sieht. Wir sind in der Planungsphase.“

Geplant war auch ein zweites Gebäude mit Übernachtungsmöglichkeiten. Diese Idee läge aber auf Eis. Bernhard Weeses grundlegendes Ziel ist jedoch klar: „Ich will, dass sich der Turm eines Tages selbst trägt, damit mein Nachfolger etwas übernimmt, an dem er Freude hat.“

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