FFC Saalfeld

Derby-Entscheidung am grünen Tisch

Saalfeld.  Das Landespokal-Achtelfinale zwischen den Saalfeld Titans und dem 1. FFC Saalfeld, das die Gastgeber 5:3 gewannen, hat ein Nachspiel.

05.10.2019 in Saalfeld: Jubel der Titans-Spieler nach dem zwischenzeitlichen 4:3-Führungstreffer. Sportlich zog der Landesklassist in die nächste Pokalrunde ein, doch jetzt wird der 5:3-Sieg nach einem Urteil des TFV in eine Niederlage umgewandelt.

05.10.2019 in Saalfeld: Jubel der Titans-Spieler nach dem zwischenzeitlichen 4:3-Führungstreffer. Sportlich zog der Landesklassist in die nächste Pokalrunde ein, doch jetzt wird der 5:3-Sieg nach einem Urteil des TFV in eine Niederlage umgewandelt.

Foto: Peter Scholz

Wenn es ein Derby zwischen den Frauen der Saalfeld Titans und dem 1. FFC Saalfeld gibt, dann aber richtig und mit Überlänge: Denn erst jetzt steht offiziell fest, wer in das Landespokal-Viertelfinale einzieht.

Nach dem überraschenden 5:3 (0:2)-Erfolg des Landesklasse-Teams legte der unterlegene Verbandsligist von der anderen Saaleseite Einspruch gegen das Ergebnis ein. Begründung: Bei den Titans habe mit Franziska Hille unberechtigt eine Spielerin mitgewirkt. Die hatte wenige Tage vor der Pokalpartie im Punktspiel gegen Gera die Rote Karte bekommen und war gesperrt.

Dass der Thüringer Fußball-Verband (TFV) dem Einspruch stattgab und entschied, dass das Spiel letztlich nun mit 2:0 für den 1. FFC gewertet werde, ist nicht ungewöhnlich. Letztlich bezog sich das Urteil vom 20. Oktober auf den Paragraf 22 der Thüringer Spielordnung, in dem es heißt: „Spieler, die nach Feldverweis auf Dauer (Rote Karte) einer Sperre unterliegen, sind in dieser Zeit für Pflichtspiele aller Mannschaften ihres Vereins bzw. Gast- oder Zweitverein gesperrt.“

Titans verließen sich auf Staffelleiter

Doch die Saalfeld Titans, die gegen das Urteil keine Berufung einlegen werden, verließen sich im Vorfeld der Pokalpartie auf die Aussage des Staffelleiters, dass die Spielerin nur für den Punktspielbetrieb gesperrt werde. Doch dessen Aussage sei lediglich „informeller Natur“, wie der TFV betont. Und damit nicht bindend.

Und weiter heißt es: „Diese tatsächlich dem Verein Saalfeld Titans erteilten Auskünfte (stehen) nicht im Einklang mit der geltenden Rechtslage, denn in der Spielordnung des TFV ist unter Paragraf 7 Ziffer 1 eindeutig definiert, dass es sich bei Punktspielen und Pokalspielen um Pflichtspiele innerhalb des organisierten Spielbetriebes des Thüringer Fußball-Verbandes handelt.“

Bei den Saalfelder Titans ist man verständlicherweise verstimmt, ja erbost: „Gut, dass diese Klarstellung seitens des TFV erfolgte. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist damit sportrechtlich nicht gewollt. Wir nehmen dies gerne zur Kenntnis und somit Abstand von Treu und Glauben“, resümiert Titans-Präsident Christopher Mielke.

Der Verein hatte im Vorfeld überprüft, ob die Spielerin in den elektronischen Spielberichtsbogen eingetragen werden konnte: „Das war problemlos möglich“, so Mielke. Und deshalb ging man auch davon aus, dass zum einen Auskunft des Staffelleiters bindend, zum anderen eben auch die Spielerin für das Pokalspiel nicht gesperrt ist.

„Es gibt keine Vertrauensbasis“

Alles wäre nur halb so wild, wenn es da nicht diese Vergangenheit im Saalfelder Frauenfußball gäbe: Denn 2014 verließen gleich ein Dutzend Spieler im Streit den FFC, schlossen sich den Titans an und gründeten eine eigene Fußballabteilung.

Im Frühjahr gab es nun Gespräche, die doch wieder Hoffnung auf eine gemeinsame Saalfelder Fußball-Zukunft machten, die aber dann zunächst auf Eis gelegt wurden. „Mit der neuerlichen Entscheidung des FFC, gegen die Titans fernab des Spielfeldes vorzugehen, sehen wir den Abbruch der hoffnungsvollen Gespräche zwischen FFC und Titans für eine gemeinsamen Lösung zukunftssicherer spielfähiger Mannschaften bestätigt. Es gibt keine Vertrauensbasis, die kurz- oder mittelfristig ein Zusammenkommen befördern würde. Aus heutiger Sicht wird eine gemeinsame Zeit im Saalfelder Frauenfußball damit niemals kommen“, betont Mielke.

„Wir haben uns die Entscheidung, ob wir gegen die Wertung Einspruch einlegen, sehr schwer gemacht“, sagt Wolfgang Itting, Stellvertretender Vorsitzender beim 1. FFC. Man habe „drei Nächte darüber geschlafen, da uns der Saalfelder Frauenfußball sehr am Herzen liegt“.

Letztlich habe sich der Vorstand, mit späterer Rückendeckung des Verbandsligateams, für den Einspruch ausgesprochen: „Denn die Spielordnung gelte nun einmal für alle Mannschaften.“ Eine gemeinsame Zukunft des Saalfelder Frauenfußballes will Itting dennoch nicht ausschließen: Kurz- und mittelfristig vielleicht nicht, aber vielleicht langfristig.

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