Kolumne

Die Natur hilft sich selbst

Thomas Spanier über Bauern, Bäcker und die Rückkehr der Insekten – eine Kolumne zum Wochenende.

Thomas Spanier, Redaktion Saalfeld-Rudolstadt.

Thomas Spanier, Redaktion Saalfeld-Rudolstadt.

Foto: Peter Michaelis

„Vom Korn zum Brot“ heißt ein Lehrpfad des landwirtschaftlichen Handwerks, auf dem nachvollzogen werden kann, wie aus Getreide eine Pollerkruste oder ein französisches Baguette wird. Drei Agrarbetriebe aus Kamsdorf, Catharinau und Ludwigshof sind daran beteiligt, die Nestler-Mühle in Schwarza und die Bäckerei-Kette Scherf mit Hauptsitz in Könitz.

Vom Querschnitt eines Weizenkorns über Mehl, Schrot, Grieß und Kleie bis zum fertigen Dinkel-Honig-Brot gibt es – gefördert vom Thüringer Bauernverband – einen Schnellkurs in Sachen Lebensmittel. Für Kindergartenkinder, Schüler und alle Erwachsenen, die vergessen haben, dass für unser Essen nicht die Regalbestücker im Supermarkt sorgen, sondern Bauer, Müller, Bäcker, Fischer, Fleischer und sonstige verbreitete Nachnamen, die jeden Tag Arbeit damit haben.

Das darf man sich durchaus regelmäßig bewusst machen, vor allem in Zeiten, da der tägliche Medienkonsum die Zeit des persönlichen Gesprächs um ein Mehrfaches übersteigt, alles Politische grandios überhöht wird und Echokammern im Internet die Spaltung der Gesellschaft immer weiter befeuern.

Es gibt ein paar natürliche Grundlagen, die sind hoffentlich noch unstrittig. So wie die Erkenntnis, dass wir zwar die Erde brauchen, die Erde aber gut ohne uns existieren könnte – wahrscheinlich würde es ihr sogar ein ganzes Stück besser gehen.

Wie die Natur sich selbst hilft, wenn wir sie nur lassen, können Menschen wie Heiko Dudda, der mit ihr und von ihr lebt, am besten beurteilen. Der Chef der Agrargenossenschaft Catharinau, den ich in dieser Woche für ein Firmenporträt besuchte, hat beispielsweise beobachtet, wie im CO 2 -gedämpften Coronafrühjahr und im kerosinarmen Sommer die Insekten zurückkehrten, die wir auf unseren Autofrontscheiben schon gar nicht mehr vermisst hatten.

Und mit ihnen Vögel, von denen wir gar nicht wussten, dass es sie noch gibt. Drei Viertel dessen, was wir an pflanzlicher Nahrung essen, wird durch Insekten bestäubt.

Das Artensterben, das aufzuhalten viele Wissenschaftler für die größte Herausforderung des Jahrhunderts halten, ist kein Naturgesetz. Wir können alle etwas dafür tun, damit uns die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten bleiben. Nur irgendwann müssen wir damit anfangen.

Schönes Wochenende!