Die Saalfelder Fotografin Adelheid Garschke stellt anlässlich ihres 80. Geburtstages in der Johanneskirche aus

Saalfeld  Die Sonne und die Johanneskirche sind die großen Konstanten in ihrem Leben. Jeden Morgen sieht Adelheid Garschke die Sonne hinter den Doppeltürmen aufgehen. Im Mai eines jeden Jahres erscheint die große Lichtspenderin sogar zwischen den beiden Kirchtürmen; Adelheid Garschke kann die Uhr nach ihr stellen.

Die Ausstellung „Quellen des Lichts“ von Adelheid Garschke in der Johanneskirche Saalfeld eröffnet am Freitag, dem 12. Juli, um 17 Uhr.

Die Ausstellung „Quellen des Lichts“ von Adelheid Garschke in der Johanneskirche Saalfeld eröffnet am Freitag, dem 12. Juli, um 17 Uhr.

Foto: Guido Berg

Dieses allmorgendlich wiederkehrende Bild von Johanneskirche und Sonne ist das häufigste Motiv der Ausstellung mit Fotografien Adelheid Garschkes, die ab Freitag in der Johanneskirche zu sehen sind. Der Titel der Ausstellung: „Quellen des Lichts – Glaube, Liebe Hoffnung“. Anlass ist der 80. Geburtstag der Fotografin in diesem Jahr.

„Hinsehen!“ – Das wäre auch ein guter Titel gewesen, denn das ist die große Fähigkeit Adelheid Garschkes. Kein Bild ist am Computer entstanden, jedes von ihnen kommt so aus ihrer Nikon, wie es entstanden ist. Das ist hocherstaunlich, aber tatsächlich sind die teils enormen Verfremdungseffekte im Wesentlichen gar keine. Denn auch das von Adelheid Garschke Abgebildete ist Realität, nur eben zu einem bestimmten Zeitpunkt und oft nur für einen ganz kurzen Moment. Ihn zu sehen und zu bannen ist das große Talent der Saalfelderin. Da ist der Morgen auf dem Friedhof, gemeinsam mit dem Künstler Stefan Jüttner. Dieser steht am Grab des Malers Heinz Boesemann. Nebelschleier wabern, die Konturen sind unscharf, etwas Surreales, Geheimnisvolles liegt in der Luft. „Ich habe an dem Bild nichts gemacht“, versichert Adelheid Garschke während des Gesprächs unter den 300 Blumen der „Himmelswiese“, der Deckenbemalung der Johanneskirche. Das Friedhofsfoto entstand nicht durch Photoshop - sehr erstaunlich!

Genau hingesehen hat auch Hannah Arend, Adelheid Garschkes Lieblingsphilosophin. Die Fotografin sieht ihre Fotos entstanden im Sinne Hannah Arends. Diese sei „die Wissenschaftlerin, die sich am wenigsten an die Regeln gehalten hat“. Als Berichterstatterin im Prozess gegen den Nazi-Täter Adolf Eichmann entdeckte sie dank ihrer geistigen Freiheit die „Banalität des Bösen“, die Tatsache, „was Eichmann doch für ein dummer Kerl war“, wie Adelheid Garschke erzählt. Das genaue Hinschauen, theoretisch auch untermauert in Hannah Arendts „Denken ohne Geländer“, übte Adelheid Garschke bei der Ausübung ihres Berufs. Als Zahntechnikerin war es ihre Aufgabe, „die Natur nachzuahmen“. Etwa, indem sie die Färbung genau trifft. Der Patient konnte mit zu weißen Zähnen „nicht mehr er selbst sein“.

Künstlerin will Adelheid Garschke nicht genannt werden, lieber Fotografin. Sie muss fotografieren, sagt sie. Doch die Ergebnisse dessen und sich selbst als Fotografin stellt sie häufig in Frage. Ihr Zweifel, ihre Frage, ob sie sich selbst überschätzt mit ihrer Ausstellung, beantwortet sie so: „Das geteilte Brot ist das Wertvollste.“

Eine Fotografie zeigt einen schneebedeckten Baum auf der Nordsee-Insel Pellworm. In ihm sieht Adelheid Garschke ein Gleichnis für ihre eigene Aktivität, ihren eigenen Antrieb: „Was sich bewegt wird selbst lebendig.“ Sie freut sich, diesen sturmgebeutelten Baum bald wieder zu sehen: „Unter Garantie trägt er Früchte, wenn wir wieder hinfahren.“ Wir, dass ist Adelheid Garschke und ihr Mann Lothar. „Ohne meinen Mann würde es diese Ausstellung nicht geben“, sagt Adelheid Garschke. Er ist sicher die dritte Konstante in ihrem Leben. Neben dem himmlischen Licht, der Sonne und der Johanneskirche, in der sie konfirmiert wurde.

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