Bad Blankenburger drumt in seinem Element

Roberto Burian
| Lesedauer: 3 Minuten
Rolf Oestrizer an seinem Schlagzeug aus dem Jahre 1966. Seit 60 Jahren macht der Bad Blankenburger nun schon Musik.

Rolf Oestrizer an seinem Schlagzeug aus dem Jahre 1966. Seit 60 Jahren macht der Bad Blankenburger nun schon Musik.

Foto: Roberto Burian

Bad Blankenburg.  Rolf Oestrizer macht seit 60 Jahren nun schon Musik – am Musikinstrument des Jahres 2022: dem Schlagzeug.

Es gibt das Spiel des Jahres, die Blume des Jahres, den Vogel des Jahres und vieles mehr. Unter anderem gibt es auch ein Instrument des Jahres und das ist 2022 das Schlagzeug oder Drumset, wie es auf Englisch heißt. Rolf Oestrizer aus Bad Blankenburg ist Schlagzeuger aus Leidenschaft und für ihn ist sein Instrument nicht nur dieses Jahr von großer Bedeutung: „Das Schlagzeug ist das Instrument meines Lebens“, sagt er im Gespräch mit der OTZ.

Stricknadeln gegen Trommelstöcke eingetauscht

„Als ich 11 war, war es mein Traum, Schlagzeuger zu werden. Ich wollte kein Gitarrist oder irgendetwas anderes sein. Ich wollte Schlagzeuger sein.“ Ein Leben ohne Musik? Für Rolf Oestrizer, den alle Rolli nennen, eine absolute Horrorvorstellung. Seit über 60 Jahren macht er nun schon Musik. Klar, mit seinen 73 Jahren tritt er zwar nun ein wenig kürzer, aber ganz ohne geht es nicht. Der Rhythmus fragt nicht nach dem Alter. Der Fröbelstädter, der als Kind mit zwei Stricknadeln zu den Klängen der Schallplatten seines Vaters trommelte, war elf Jahre alt, als er im Jugendclub West in Rudolstadt die Stricknadeln gegen Trommelstöcke eintauschte. Genau dort fing auch seine Musikerlaufbahn an, die er neben seinen Berufen als Betriebsschlosser, Heimleiter und Hausmeister ausübte.

Im zarten Alter von 15 Jahren spielte er in seiner ersten Band, den „Dream-Boys“, und von 1964 bis 65 bei den „Mercurys“ in seiner Geburtsstadt. Auch während seines Dienstes bei der Bereitschaftspolizei von 1967 bis ‘70 „drumte“ der junge Rolli in deren Big-Band.

Zu seinen schönsten Schlagzeugmomenten gehört das Live-Spielen auf der Bühne. Von 1970 bis 1986 war das in der Band „Melodia“. „Es ist ein wahnsinniger Genuss, wenn zwischen Band und Publikum ein Austausch entsteht“, schwärmt der Schlagzeuger. Dabei sind es keinesfalls nur die lauten Töne, die begeistern. Auch am Schlagzeug kann man Feingefühl in Klang umsetzen.

Was er an seinem Hobby liebt? Es ist die Freude, die eigene Begeisterung weiterzugeben: „Wenn man den Spaß am Musikmachen, das Funkeln in den Augen der anderen sieht, wird mir das Herz warm“, sagt er. Trommeln sei für ihn die beste Medizin für Leib und Seele.

„Bei Melodia stand vorwiegend Rockmusik auf der Titelliste“, erinnert sich Rolf Oestrizer. „Von ‘79 bis ‘81 waren wir aber auch die Haus- und Hofkapelle vom Bad Blankenburger Carnevalclub“, blickt er schmunzelnd zurück. Seitdem habe er in zahlreichen Formationen getrommelt. Musikalisch hat sich der Vollblutmusiker vor allem autodidaktisch entwickelt.

Am 1. Juli zur Hofmusik auf dem Mühlenhof der Nestlermühle in Schwarza erinnerten sich die Beatveteranen aus der Region zu seinem 60-jährigen Bühnenjubiläum an frühere Zeiten. Und Rolli war dabei ganz in seinem Element. Alles an seinem Körper war in Bewegung: Die Trommelstöcke in seinen Händen fegten über die Toms und Becken, mit seinen Füßen betätigte er die Bassdrums.

Ein spontanes Ständchen der Ehemaligen zeigte: Musizieren verlernt man nicht. Die Senioren von heute sind auch die Rock’n’Roller der 60er Jahre, die ehemals Langhaarigen der Beat-Generation. Dieser Abend war ein besonderer.