Mann vergewaltigt Ehefrau: Urteil vorm Rudolstädter Schöffengericht

Rudolstadt  Ein Mann hat in Rudolstadt im vergangenen Jahr seine Ehefrau vergewaltigt. Nun wurde er vor dem Schöffengericht verurteilt.

Der Angeklagte Uwe U.* (links) mit seinem Verteidiger.

Der Angeklagte Uwe U.* (links) mit seinem Verteidiger.

Foto: Henry Trefz

Doch an diesem Morgen sitzt ein Angeklagter aus einem kleinen Ort im Süden des Landkreises in durchaus reifem Alter auf der Bank und im Publikum eine Frau, die sich schnell als seine Gattin, mithin das Tatopfer herausstellt. Die beiden machen nicht den Eindruck, als sei seit dem Tattag, dem 22. Dezember 2018, ein hohes Bedürfnis nach Abgrenzung aller Art vorhanden.

Das juristische Grundprinzip, dass jemand, der als Zeuge in Betracht kommt, die Verhandlung so lange verlassen muss, bis er an der Reihe ist, kommt hier nicht zum Tragen, denn die Ehefrau hat im Vorfeld erklärt, von ihrem, ihr als Verwandte zustehenden Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch zu machen. Keine guten Aussichten für die Beweisaufnahme.

Denn das, was Staatsanwältin Müller aus der Anklageschrift verliest, ist durchaus ernst. In den frühen Morgenstunden soll er seine Frau zum Sex aufgefordert haben, was diese allerdings ablehnte. Er habe sie sodann ruppig an den Oberarmen festgehalten – Hämatome belegen dies – und sie vergewaltigt.

Eifersucht als Grund für die Tat

Der Angeklagte Uwe U.* (60) räumt den Vorfall ein und erklärt, ihn sehr zu bereuen. Auch dies stößt nicht auf erkennbaren Widerspruch seiner Frau.

Er sei von der Nachtschicht gekommen und etwas überreizt gewesen. Außerdem habe seine Eifersucht, mit der er offenbar schon öfter zu kämpfen hatte, wieder durchgekommen und er habe sich hinreißen lassen. Seine Frau Ulrike* habe daraufhin die Wohnung mit der Ankündigung verlassen, zur Polizei gehen zu wollen.

Die Polizei sei bald darauf erschienen und habe eine zehntägige Wohnungsverweisung aussprechen wollen, doch da regten sich wiederum bei Ulrike die positiven Gefühle für ihren Mann und schon nach wenigen Stunden erlaubte sie ihm die Rückkehr. Seitdem herrscht offenbar überwiegend eheliche Eintracht, über die Sache könnte als einmaliger Fehltritt Gras wachsen, doch so einfach ist es eben gerade nicht.

Die angezeigte Vergewaltigung, an deren Tatbestand es auch bei näherer Betrachtung keine Abstriche gibt, ist ein Offizialdelikt. Immerhin: Für die beim rauen Zupacken erlittenen Blutergüsse gibt es kein juristisches Nachspiel, denn sie sind nicht angezeigt worden. Ulrike trägt ihm offenbar nichts nach, verweigert die Aussage, steht ihm im Gerichtssaal sogar moralisch zu Seite.

Verurteilung zu Mindeststrafe

Daher rechnen es ihm Staatsanwältin Müller, sein Verteidiger ohnehin, aber auch das Gericht außerordentlich hoch an, dass er die Tat einräumt und glaubwürdige Reue zeigt. Richter Andreas Spahn wird in der Urteilsbegründung später ausführen, dass es sehr selten, vorkomme, dass ein Vergewaltiger so geständig sei.

Das Strafgesetzbuch sich für eine Vergewaltigung im Regelfall eine Bestrafung nicht unter zwei Jahren vor, wovon nur unter sehr eng definierten Bedingungen abgewichen werden kann. Alle Seiten im Gerichtssaal sind sich einig, dass diese hier vorliegen und plädieren auf die Mindeststrafe von einem Jahr Haft, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Im – nach beidseitigem Verzicht auf Rechtsmittel bereits rechtskräftigen – Urteil folgte das Gericht auch der Anregung der Anklage, eine Geldbuße von 500 Euro aufzuerlegen. Er hätte sie auch, wie angeregt, dem Frauenhaus Rudolstadt zugesprochen, doch deren Bankverbindung habe ihn, so Andreas Spahn, nicht in der Überzeugung bestärkt, dass das Geld wirklich in der Region bleibe. So kam die Johanniter-Unfallhilfe zum Zuge.

*Namen geändert

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