Am Theater Rudolstadt: Ein Abend über die Krise

Rudolstadt.  Das Stück „Ellenbogen, Ellenbogen“ am Rudolstädter Theater ist mitnichten eine Benimmregel, aber in 27 Szenen eine Denk-Aufforderung an uns selbst.

„Dreht euch nicht um, denn das Virus geht um! Fasst euch niemals ins Gesicht, Händewaschen ist jetzt Pflicht!“, singen die „Kinder“.

„Dreht euch nicht um, denn das Virus geht um! Fasst euch niemals ins Gesicht, Händewaschen ist jetzt Pflicht!“, singen die „Kinder“.

Foto: Norbert Kleinteich

„Ellenbogen Ellenbogen“, so der Titel des neuen Stücks am Rudolstädter Theater, das am Samstag und Sonntag jeweils etwa 70 Besucher ins Stadthaus lockte. Das gesellschaftskritische Stück mit dem Hintergrund der Corona-Pandemie schrieb Intendant Steffen Mensching mit Chefdramaturg Michael Kliefert. Neben zwei Vorstellungen im Eisenacher Landestheater war es nun die sechste und siebente Aufführung, der noch vier in diesem Jahr folgen.

Sicher war es kein einfaches Vorhaben, sich diesem aktuellen Thema zu stellen, das am Ende sehr viel mehr war, als eine Darstellung der Lage, in der Vorschriften zu Hygienebestimmungen sowie die Angst vor Ansteckung die Menschen belasten. In 27 kurzweiligen und facettenreichen Szenen banden die Autoren viele Probleme des Alltags aus kindlicher Sicht ein.

„Es war nicht so einfach, weil man da etwas sucht, was im Theater funktioniert und nicht nur in der Zeitung oder in den Nachrichten“, sagte Michael Kliefert gegenüber unserer Redaktion. So wuchs die Kinder-Idee. Kinder seien anders, aufgebrachter, neugieriger und aufgeschlossener, wären aber auch extremer in ihren Hoffnungen und Sorgen als Erwachsene. Landrat Marko Wolfram, der am Samstag die Vorstellung besuchte, war gespannt, wie man mit dem aktuellen und schwierigen Thema umgeht.

Unterhaltsam und nachdenklich zugleich

Außerdem zeigte er sich überrascht darüber, mit welcher Breite, Tiefe und Vielfältigkeit es im Theater umgesetzt worden ist. Da könne man den Regisseuren und natürlich dem ganzen Ensemble nur gratulieren. „Das I-Tüpfelchen war noch, dass der Intendant selbst als Ersatz eingestiegen ist und so mitgeholfen hat“, ergänzte Wolfram, denn Schauspieler Philipp Haase hatte sich den Fuß verstaucht.

Der gelungene Abend habe ihm gefallen und an vielen Stellen nachdenklich gemacht, was es doch für die Leute und das Leben insgesamt bedeute, mit Corona umzugehen. Man könne nur hoffen, dass bald wieder Licht am Ende des Tunnels erscheine und man von der Plage wegkomme.

Dass es kein hochklassiges Stück sein würde, war Zuschauer Jan Freyer aus Rudolstadt klar. Aber es sei ein gelungener Versuch, die aktuelle Situation aus Sicht des Kindes darzustellen, worauf man sich einlassen müsse. „Die kurzweiligen Szenen kamen Schlag auf Schlag“, sagte er und fand die Geschichte keinesfalls langweilig. Ein Kind zu spielen, müsse man natürlich können, ergänzte er, und das hätten die Schauspieler cool gemacht.

Auch Intendant Mensching in der Rolle des kleinsten Kindes habe wunderbar hineingepasst. „Es war definitiv nichts zum Lachen, auch wenn es manchmal witzig erschien und man schmunzeln konnte. Der Protest war auch da, aber trotzdem human“, fand Freyer.

Dass das Stück „Ellenbogen Ellenbogen“ den Nerv des Publikums erreichte, zeigte der lange Applaus, auch wenn infolge der Hygienebestimmungen nur ein Teil der Plätze belegt werden durfte.