Ein Weltmusik-Exot ganz familiär

Roberto Burian
Das Lüül Duo im Kunstkreis.

Das Lüül Duo im Kunstkreis.

Foto: Roberto Burian

Bad Blankenburg  Das Lüül Duo begeistert in Bad Blankenburg auf Fremdenzimmer-Tour

Er hat vor zwei Jahren schon einmal die Besucher im Saal des Bad Blankenburger Kunstkreises begeistert. Lutz Graf-Ulbrich, Künstlername Lüül, ist ein Urgestein der deutschen Musikszene, ein Geschichtenerzähler. Begleitet von der wunderbaren Kerstin Kaernbach an so exotischen Instrumenten wie Singender Säge und Theremin, entfalteten Lüüls Songs am Samstagabend wieder einen skurrilen Charme.

Letzteres ist das einzige Musikinstrument, das berührungslos gespielt wird und dabei durch ein elektromagnetisches Feld direkt Töne erzeugt. Mit rauer, melancholischer und dennoch ins Leben verliebter Stimme sang der Berliner herrlich zynische Texte über das Leben, Wankelmut und Party People. Auf seinem aktuellen Album „Fremdenzimmer“ transportieren die akustischen Kompositionen gesellschaftskritische und politische, aber auch sehr emotionale Texte. Lüüls Lieder sind verdichtete Alltagspoesie eines lakonisch-humorvollen Rebellen und szenischen Beobachters, der mit wenigen prägnanten Worten passgenau ins Schwarze trifft. Melancholie, Tiefsinn und Heiterkeit – bei ihm hat alles einen Platz. Souverän und gelassen gelingt dem Lüül Duo der Spagat zwischen Tiefgang und Humor, Alltags-Wahnsinn und bewegenden Momenten. Überhaupt lebt das Konzert von seiner Abwechslung. Stilistisch ist es zwar querbeet, dennoch zumeist dem Folk verbunden. Als Weltmusik-Exot versprüht er immer wieder eine Prise trockenen Humors, immer wieder erweist er sich als schräger Poet voller Power und Trauer. So ging wie im Fluge ein unterhaltsamer Konzertabend vorüber, der noch zwei Stunden so hätte weitergehen dürfen. Drei Zugaben gaben die beiden noch, dann setzten sie sich wieder zu ihren Fans.