Erntedank feiern an den Rudolstädter Bauernhäusern

Rudolstadt  Feiern vor historischen Mauern: Das Erntedankfest lockt zahlreiche Besucher an die Thüringer Bauernhäuser in Rudolstadt.

Gemütlich Beisammensein, der Musik lauschen und das Ambiente genießen – so ließ sich der Sonntagnachmittag an den Bauernhäusern verbringen.

Gemütlich Beisammensein, der Musik lauschen und das Ambiente genießen – so ließ sich der Sonntagnachmittag an den Bauernhäusern verbringen.

Foto: Enzian

Wie mag es einst zugegangen sein zur Herbstzeit in den bäuerlichen Familien? Wie groß war die Sorge, ob die Ernte reicht, um über den Winter zu kommen, um Mensch und Vieh satt zu kriegen? Wer die Bauernhäuser im Heinepark betritt, bekommt ein Gefühl für längst vergangene Zeiten.

Das Museum veranschaulicht anhand von originalen Möbeln und Gebrauchsgegenständen das bäuerliche Leben in der Region. Die Ausstattung der Häuser stammt aus der Zeit vom 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Vieles hat sich seit dem verändert. Geblieben aber ist der Brauch, sich für die Gaben der Natur zu bedanken – beim Erntedankfest.

Dazu waren am Sonntagnachmittag zahlreiche Gäste aus Rudolstadt und darüber hinaus an die Bauernhäuser gekommen. Hier waren Stände aufgebaut, welche die bunte Vielfalt des Herbstes präsentierten, angefangen vom traditionellen Bauernkuchen über im Holzofen frisch gebackene Flammkuchen und Pizzen bis hin zum spritzigen Apfel-Cidre. Dazu gab es für Groß und Klein verschiedene Möglichkeiten, die eigene Kreativität auszuleben, zum Beispiel beim Holzschindeln schnitzen, Äpfel filzen, Kinderschminken oder Basteln mit Naturmaterialien. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Swing Band aus Saalfeld.

Am Stand des Kultur-Natur-Hofes Bechstedt war der Glühwein gefragt. Eigentlich mindestens vier Wochen zu früh, aber bei den kühlen Temperaturen schmeckte er schon. Burkhardt Kolbmüller beobachtet die Entwicklung in der Natur genau. „Wir machen uns große Sorgen um die Obstbäume, es ist ein schlechtes Obstjahr“, so seine Bilanz. Grund sei die lange Dürreperiode im Frühsommer. „Im vergangenen Jahr konnten die Bäume die Trockenheit noch kompensieren, dieses Jahr sieht man es ihnen an: Die Bäume haben Stress“, sagt er und zieht den Vergleich: „Was die Förster von den Bäumen im Wald sagen, sehen wir auch an den Obstwiesen“. Nur etwa zehn bis 15 Prozent der Menge des Vorjahres wird er dieses Jahr in der Hofmosterei verarbeiten. „Da stellt sich Frage, wie man mit dieser Situation umgeht und welche Sorten man überhaupt noch anpflanzt“, meint er.

Die Veranstalter indes freuen sich über einen bis weit in den Nachmittag hinein nicht abreißenden Besucherstrom. Schon zur Halbzeit war die 500er-Marke bei der Gästezahl geknackt. Insgesamt werden auch 2019 in den Bauernhäusern wieder rund 7000 Besucher gezählt.

Nicht zuletzt Dank einer groß angelegten Spendenaktion konnten in diesem Jahr die Bauarbeiten am Unterhaseler Haus abgeschlossen werden. Aber die Arbeiten zur Verschönerung gehen weiter. „Wir wollen in diesem Jahr noch die Rasenfläche im Hof erneuern“, informiert Petra Rottschalk, Fachdienstleiterin Kultur im Rudolstädter Rathaus. Und noch eine Neuigkeit gibt es: In der kommenden Woche soll die neue Internetseite für die Thüringer Bauernhäuser freigeschaltet werden.

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