Erstes Gräfenthaler Bier seit 1947 rückt näher

Gräfenthal.  Bürgermeister Wolfgang Wehr hat sich eine Kleinbrauanlage gekauft und lädt zum Bierseminar auf Schloss Wespenstein.

Wolfgang Wehr mit seiner 30-Liter-Heimbrauanlage in einem Gewölbe von Schloss Wespenstein. Hier wird auch das Brauseminar im April stattfinden.

Wolfgang Wehr mit seiner 30-Liter-Heimbrauanlage in einem Gewölbe von Schloss Wespenstein. Hier wird auch das Brauseminar im April stattfinden.

Foto: Robin Kraska

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es fasst 30 Liter, ist aus glänzendem Edelstahl, überraschend leicht und kostet nicht mehr als ein einfacher Heimcomputer: Die Kleinbrauanlage von Wolfgang Wehr auf Schloss Wespenstein in Gräfenthal. Der Bürgermeister der Schieferstadt hat sie kürzlich im Internet bestellt und will bald den ersten Sud zu Testzwecken ansetzen. „Es könnte jetzt jederzeit losgehen“, sagt der 55-Jährige.

Der Bierfreund und Braufan plant, die 1947 ausgestorbene Gräfenthaler Biertradition wiederzubeleben. Schon Ende 2018 berichteten wir über diese Pläne. Eigentlich hatte Wehr vor, den alten Felsenkeller der früheren Pappenheimer-Brauerei und zwei alte Lagerhallen herzurichten, um dort mit einem großem Zwei-Hektoliter-Kessel zu brauen. Das Objekt hat er der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, einem Unternehmen des Bundes, zum symbolischen Preis von einem Euro abgekauft. Ein erfahrener Gutachter habe ermittelt, dass die Liegenschaften quasi keinen Restwert mehr hätten, so Wehr.

Jetzt Klage gegen Finanzamt

Dann habe sich das Finanzamt Pößneck mit der Forderung gemeldet, einmalig eine Grunderwerbssteuer in Höhe von 3.000 Euro zu zahlen. „Die behaupten vom Schreibtisch aus und ohne überhaupt nur Bilder vorliegen zu haben, es wäre genau 43.599 Euro wert - was völlig unrealistisch ist“, ärgert sich Wehr und wundert sich auch, wie ein „kleines Finanzamt in Pößneck“ eine professionelle Einschätzung des Bundes einfach so umwerfen könne. Das Angebot der Pößnecker, ein eigenes Gutachten erstellen zu lassen, nahm er an, bestellte einen bekannten Gutachter. Ergebnis: Höchstens 3.900 Euro, also etwas mehr als die Grunderwerbssteuer. Die könnte Wehr einfach zahlen, um Ruhe zu haben, er will aber gegen die Behörde klagen, nachdem sie das Gutachten nicht akzeptiert und auch seinen Einspruch abgelehnt habe. „Mit so einem Gebaren, Knüppel zwischen die Beine zu werfen, vergraulen die noch den letzten Investor“, findet Wehr. „Das habe ich ihnen auch so geschrieben“.

Ein Doppelbock zum Brauseminar

Doch zurück zum Gerstensaft. Bereits im Herbst hatte es ein erstes, eher internes Brauseminar nur mit Wehr und CDU-Stadtrat Thomas Wegschö in dem mittelalterlichen Gewölbe auf Wespenstein gegeben, das der in Gräfenthal lebende Brauer Stefan Greiner leitete. Er arbeitet in der Rosenbrauerei Pößneck, sein Vater besitzt laut Wehr eine Brauerei in Steinach. „Ohne ihn wäre das alles nichts geworden!“, sagt Wehr anerkennend. Angesetzt wurde damals ein Doppelbock, „weil es meine persönliche Lieblingssorte ist“.

Nachdem es unbeabsichtigt etwas zu lange und heftig kühlte, hatte man gar einen Eisbock, der noch stärker ist. Die entstandenen 30 Liter sind inzwischen aufgebraucht, doch die zweite Auflage steht bereits in den Startlöchern: „Am 25. April, einem Samstag, findet das nächste Seminar statt, dann mit einem Braufachmann vom Bürgerlichen Brauhaus in Saalfeld, mit dem ich kooperiere“, sagt Wehr. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten in dem Gewölbe ist die Teilnehmerzahl auf rund zehn begrenzt, zwei Anmeldungen liegen schon vor.

Dann und solange der Finanzamt-Zwist nicht entschieden ist, wird auch die Kleinbrauanlage ihren Auftritt haben. Sie arbeitet vollautomatisch. „Bier brauen ist eigentlich kein Hexenwerk. Man muss aber trotzdem sehr genau wissen, was man macht und den Prozess permanent beaufsichtigen, etwa die Temperatur im Blick behalten, damit es nicht überkocht“, weiß Wehr. Zirka vier Stunden dauere es, bis der Sud fertig ist. Der Rest ist nur für Geduldige: „Anschließend muss das Gebräu mindestens sieben Wochen lang kühlen und lagern“. Und erst dann zeige sich ja, ob der Versuch geglückt ist. Wehr: „Ein kleiner Fehler, und das Bier ist ungenießbar“.

Besonders freut den Hobbybrauer, dass der Eigentümer der nahen Steinbachsmühle am Gebersbach angeboten hat, die Brauzutaten auf Wunsch bei sich zu mahlen. „Das wäre natürlich ideal. Lokaler geht’s nicht!“

Buchung zum Brauseminar via Tel. (0176) 96532338, E-Mail webmaster@schloss-wespenstein.de

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren