Aktualisiert: Saalfeld-Rudolstadts Ex-Landrat Hartmut Holzhey in Berlin festgenommen

Berlin/Saalfeld.  Der 62-jährige Saalfelder Hartmut Holzhey reist mit einer Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot nach Hause.

Hartmut Holzhey bei der Anti-Corona-Demonstration am Sonnabend in Berlin mit Mantel, Sturmhaube und Hut. Im Anschluss wurde der frühere Landrat wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot festgenommen.

Hartmut Holzhey bei der Anti-Corona-Demonstration am Sonnabend in Berlin mit Mantel, Sturmhaube und Hut. Im Anschluss wurde der frühere Landrat wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot festgenommen.

Foto: Privat

Es war kalt am Sonnabend in Berlin. Bilder auf seiner Facebookseite zeigen Ex-Landrat Hartmut Holzhey (parteilos) bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung hochgeschlossen mit Mantel, Schlupfmütze und Hut. Nur die Augen sind noch zu erkennen. Der Aufzug, gefilmt von der Polizei, wurde dem 62-Jährigen jetzt zum Verhängnis. Mit einer Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot während Versammlungen verließ er die Hauptstadt.

Mit vier weiteren Saalfeldern gehörte Holzhey zu den Teilnehmern eines „Schweigemarsches“, der am Sonnabend vom Adenauerplatz in Charlottenburg über den Kurfürstendamm zum Großen Stern führte. Man sei ein bunter Mix von Menschen, die „mit der Politisierung des Coronavirus und der daraus erfolgten Einschränkung unserer Menschenrechte nicht einverstanden sind“, hieß es im Aufruf. Über die Teilnehmerzahl gibt es unterschiedliche Angaben. Die Polizei sprach von „mehreren tausend“. Bereits im Sommer war Holzhey bei zwei Anti-Corona-Demos in Berlin unter den Demonstranten.

Zum Vernehmungsplatz an der Siegessäule geführt

„Eine halbe Stunde nach Beendigung der Veranstaltung und bereits längere Zeit auf dem Heimweg umzingelten mich plötzlich sechs Polizisten und nahmen mich mit der Begründung meines Verstoßes gegen das Vermummungsverbot fest“, beschreibt der ehemalige Logistik-Unternehmer den Vorfall.

Er habe in ein Polizeifahrzeug einsteigen müssen und wurde zu einem provisorischen Vernehmungsplatz kurz vor der Siegessäule gebracht. Bei einer folgenden Ganzkörperuntersuchung sei er sich vorgekommen „wie ein Schwerstkrimineller“.

Nach einer Stunde habe er einen Zettel zur Unterschrift bekommen, ohne Vernehmung. Die Anzeige werde zugesandt. Auch seine Begleiter seien teilweise drangsaliert worden, als sie seinen Aufenthaltsort ausfindig gemacht hatten. Holzheys Resümee: „Bis gestern habe ich die Polizei meistens verteidigt. Nun musste ich selbst erleben, wie gewaltbereit einige dieser Staatsdiener tatsächlich sind.“

Das Vermummungsverbot untersagt den Teilnehmern von Demonstrationen, ihr Gesicht zu verdecken oder Gegenstände mitzuführen, die dazu bestimmt sind, das Gesicht zu verdecken und damit die Feststellung der Identität zu verhindern, beispielsweise Sturmhauben. Ein Verstoß dagegen gilt im Sinne des Versammlungsgesetzes als Straftat und ist unter Strafe gestellt mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.

Unter den Festgenommenen ist auch Attila Hildmann

Unter den Festgenommenen am Sonnabend war auch der Antisemit und Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann. Ihm wurde von einem Ordner des „Schweigemarsches“ ein Verweis angedroht, weil er über Megafon politische Parolen rief. Wenig später war nach Medienberichten zu beobachten, wie die Polizei den Vegankoch abführte.

Der gelernte Zootechniker und studierte Agraringenieur Hartmut Holzhey war von 2012 bis 2014 Landrat des Kreises Saalfeld-Rudolstadt. Bei der Wahl setzte er sich mit 59 Prozent der Wählerstimmen gegen Marion Philipp (SPD) durch. Gut zwei Jahre später legte er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder und arbeitete wieder als Unternehmer.

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