Für das Klima ins Zentrum der Macht

Bad Blankenburg / New York  Pia Jorks aus Bad Blankenburg gehört zur deutschen Delegation beim UN Klima-Gipfel in New York

Pia Jorks aus Bad Blankenburg als Teinehmerin der UN Klimakonferenz 2017 in Bonn. 

Pia Jorks aus Bad Blankenburg als Teinehmerin der UN Klimakonferenz 2017 in Bonn. 

Nein, segeln so wie Greta Thunberg wird Pia Jorks nicht. Sie nimmt den Flieger nach New York. „In diesem Fall geht es leider nicht anders. Es ist immer eine schwere Entscheidung zwischen Emissionen und ob die Jugend eine Stimme in den Prozessen hat oder nicht“, sagt die 22-Jährige. Ob sie die schwedische Umweltaktivistin persönlich treffen wird? „Gut möglich“, meint die Studentin, die in Bad Blankenburg aufgewachsen ist. Auf jeden Fall haben beide einen gemeinsamen Termin: Den UN-Klimagipfel vom 21. bis 23. September. Und den Jugend-Klimagipfel, der am heutigen Sonnabend dort stattfindet. Pia Jorks vertritt gemeinsam mit anderen Jugendlichen Deutschland bei diesem Treffen.

Wie wird man Teil dieser Delegation? „Das hat eine längere Vorgeschichte“, holt die junge Frau aus. Schon in der Schulzeit ist Politik für sie ein Thema. Am Böll-Gymnasium in Saalfeld, an dem sie 2015 Abitur macht, belegt sie den Leistungskurs Sozialkunde/Politik. Mehr als andere in ihrem Alter interessiert sie sich für internationale Zusammenhänge. Sie beginnt ein Studium der Politikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität in Halle mit den Nebenfach Wirtschaftswissenschaft. „Ich habe großes Interesse an der Analyse politischer und gesellschaftlicher Prozesse“, begründet sie die Entscheidung. „Aber ich war nicht sehr viel in Halle“, gibt sie zu. Sie entscheidet sich für zwei Auslandssemester in Frankreich. An der Uni dort belegt sie Module in Nachhaltigkeit und Klimapolitik.

Und sie liest eine Ausschreibung: Gesucht werden freiwillige junge Leute für die Organisation einer Jugend-Klima-Konferenz im Zuge der UN-Klimakonferenz in Bonn 2017. Pia bewirbt sich und wird Teil des Teams. „Ich war erschlagen von den vielen Eindrücken dort. Wir haben gemeinsam mit Jugendlichen aus aller Welt als Beobachter an den Verhandlungen teilgenommen, diese auch beurteilt und selbst Vorschläge erarbeitet. Wir trafen die Delegationen der Länder, leisteten Öffentlichkeitsarbeit und organisierten eigene Veranstaltungen“, beschreibt sie die Tätigkeiten.

Die jungen Leute, die sich dort engagieren, finden sich zusammen zur „Klimadelegation“, einem politisch unabhängigen Zusammenschluss junger Menschen in einer so genannten Nichtregierungsorganisation (NGO). Ein Verein wird gegründet. Mitmachen kann jeder zwischen 16 und 30. „Wir arbeiten viel digital zusammen, treffen uns nur selten. Aber wir wollen möglichst vielen jungen Menschen die Chance geben, dabei mitzumachen“, erklärt die Studentin. Seit diesem Jahr ist Pia die Vorstandsvorsitzende.

Dem Verein geht es vor allem darum, mit möglichst vielen jungen Menschen in Kontakt zu kommen. Sie zu fragen: Welche Botschaft habt ihr? Außerdem wurde in diesem Jahr eine Online-Petition #AllinforClimateAktion gestartet. Dort richten Jugendliche aus aller Welt 17 Forderungen zum Thema Nachhaltigkeit an die Staats- und Regierungschefs. Diesen Donnerstag wurde die Millionen-Grenze bei den Unterstützern geknackt.

Das Engagement bleibt nicht ungehört. Mitglieder der deutschen Delegation zum UN Klima-Gipfel dieses Jahr in New York beschließen, jungen Personen die Chance zu geben, dabei zu sein. Eine von ihnen ist Pia. „Man hat bei uns angefragt, weil wir viel Erfahrung haben und über die politischen Prozesse Bescheid wissen“, berichtet sie.

Die Reise nach New York will sie nutzen, um gezielt für ein Jugend-Beteiligungsprogramm zu werben. Und vor allem, „um mit möglichst vielen Leuten zu reden. Ich sehe es als großes Privileg an, dort dabei zu sein. Und strenge mich natürlich besonders an, um unsere Botschaften zu vermitteln“, meint sie und ergänzt: „Es ist wichtig abzuwägen, ob man eine so weite Reisen macht oder nicht. Wenn ja, dann will ich auch alles geben. Die Staats- und Regierungschefs werden ihre Maßnahmen vorstellen - hier werde ich genau hinsehen und kritisch bewerten, ob diese mit der Zielsetzung der Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad vereinbar sind. Alles andere ist aus Jugendsicht für eine lebenswerte Zukunft inakzeptabel“ so ihr Ziel. Die Kosten für die Reise trägt Pia übrigens selbst.

„Weite Flüge sind immer ein Thema“, nimmt sie Bezug zur aktuellen Debatte. Die nächste UN Klimakonferenz beispielsweise findet im Dezember in Chile statt. „Es können und wollen viele junge Menschen aus Europa dort nicht selbst teilnehmen. Deshalb werden wir als Verein eine Alternativveranstaltung in Europa organisieren“, sagt sie, die auch selbst in Sachen Klimaschutz ein Vorbild sein will. Sie ist Vegetarierin und hat kein Auto. „Aber es geht gar nicht nur um Verbote oder Verzicht, sondern einfach um eine bewusstere Lebensweise“, so ihr Credo.

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