Reichsbürger in Saalfeld? Restaurant will nur Zugehörige des „Königreich Deutschland“ bedienen

Saalfeld.  Reichsbürger in Saalfeld: Das Restaurant „Hacienda Mexicana“ in Wöhlsdorf warnt am Eingang: „Zutritt nur für Staatsangehörige“.

Das Restaurant "Hacienda Mexicana" in Wöhlsdorf (Saalfeld) empfängt seine Gäste neuerdings mit einem Schild. Darauf steht: „Kein öffentlicher Gastronomiebetrieb. Zutritt nur für Staatsangehörige und Zugehörige des Königreiches Deutschland. Mit dem Betreten der Räumlichkeiten sind Sie temporär Staatszugehöriger des Königreiches Deutschland und damit einverstanden. Es entstehen keine weiteren Rechte und Pflichten.“

Das Restaurant "Hacienda Mexicana" in Wöhlsdorf (Saalfeld) empfängt seine Gäste neuerdings mit einem Schild. Darauf steht: „Kein öffentlicher Gastronomiebetrieb. Zutritt nur für Staatsangehörige und Zugehörige des Königreiches Deutschland. Mit dem Betreten der Räumlichkeiten sind Sie temporär Staatszugehöriger des Königreiches Deutschland und damit einverstanden. Es entstehen keine weiteren Rechte und Pflichten.“

Foto: Guido Berg / OTZ

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Beipackzettel mit Hinweisen zur besonderen Beachtung kennen die Verbraucher bisher vor allem aus Medikamenten-Verpackungen. Leser haben nun darauf aufmerksam gemacht, dass auch Besucher des Restaurants „Hacienda Mexicana“ im Saalfelder Ortsteil Wöhlsdorf seit neuestem einen kleinen Zettel zur Kenntnis nehmen sollen, der direkt vor dem Eingangstor zum Restaurant-Areal angepinnt ist, mit Reißzwecken.

Darauf stehen die Öffnungszeiten und folgender Text: „Kein öffentlicher Gastronomiebetrieb. Zutritt nur für Staatsangehörige und Zugehörige des Königreiches Deutschland. Mit dem Betreten der Räumlichkeiten sind Sie temporär Staatszugehöriger des Königreiches Deutschland und damit einverstanden. Es entstehen keine weiteren Rechte und Pflichten.“

Ein Vor-Ort-Termin mit Maik Triemer

Ein Leser erklärt dazu: „Da dieses Schild aber bei geöffnetem Tor für viele Gäste nicht zu lesen sein wird, hoffe ich auf ihre Veröffentlichung. Ich finde es unglaublich wichtig, das die Gäste darüber informiert werden.“ Diese Zeitung ist dieser Bitte nachgegangen. Am Telefon war Maik Triemer, der Wirt des „Hacienda Mexicana“, noch recht aufgeschlossen. Einer Verabredung am nächsten Tag vor Ort in Wöhlsdorf stimmte er zu. Bei dem Treffen dann reagierte er jedoch abweisend und lehnte ein Gespräch ab. Alles, was es zu sagen gebe, stehe auf dem Schild an der Eingangstür.

Am Telefon am Abend zuvor hatte Maik Triemer erklärt: „Wir gehören jetzt zum Königreich Deutschland.“ Er verwies auf die Internetseite koenigreichdeutschland.org, wo jeder nachlesen könne, worum es geht. Es gebe eine eigene Verfassung und ein eigenes Geldsystem. Zahlungsmittel sei die D-Mark, freilich könne im „Hacienda Mexicana“ weiter mit Euro bezahlt werden. „Es gefällt mir gut, es gibt keinen Hass, sondern Nächstenliebe, Füreinander und kein Gegeneinander“, erklärte Maik Triemer.

Das „Königreich“ hat eine Adresse in Lutherstadt Wittenberg

Auf der von Triemer genannten Internetseite steht u.a.: „Gemeinsam mit Peter, dem Schöpfer und Staatsoberhaupt dieses neuen deutschen Staates, bauen die Staatsangehörigen und Staatszugehörigen diese Verfassungsordnung weiter aus, bis sie sich deutschlandweit durchgesetzt hat.“ Als Anschrift gibt die „Königreich Deutschland Stiftung“ eine Adresse in Lutherstadt Wittenberg an. Mit Peter ist der 1965 in Halle/Saale geborene Peter Fitzek gemeint, den seine Wikipedia-Seite als „Reichsideologen und Esoteriker“ beschreibt. Wikipedia zufolge ist Fitzek mehrfach vorbestraft, zudem werde er vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt beobachtet. Wikipedia listet zahlreiche Unternehmen auf, an denen „der oberste Souverän“ beteiligt sein soll.

„Hacienda-Mexicana“-Wirt Triemer sagt, viele Gäste glaubten zunächst an „einen Witz“. Wenn er es dann erkläre, fänden sie es „interessant“. Rechtlich gibt aus Sicht Triemers keine Einwände; er verweist auf ein Verfassungsgerichtsurteil: „Das Grundgesetz gibt das her.“ Ein Leser schrieb dieser Zeitung: „Gerade in der dunklen Weihnachtszeit sollte man schon vor Betreten des Grundstücks wissen, wen man da unterstützt.“ Bereits zwei Mal in diesem Jahr fanden im „Hacienda Mexicana“ Veranstaltungen der AfD statt. Das Landratsamt von Saalfeld-Rudolstadt erklärte auf Anfrage: „Eine genaue Zahl der Reichsbürger ist im Landratsamt nicht bekannt. Diese werden nicht registriert, zumal die Zugehörigkeit zur diffusen Gruppe der Reichsbürger nicht strafbar ist.“

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