Gesundheitsamt Saalfeld-Rudolstadt selbst unter Quarantäne - Mitarbeiter am Limit

Saalfeld/Rudolstadt.  Wegen zweier positiver Fälle muss die Einrichtung selbst in Quarantäne. Viele Coronafälle sind noch nicht aufgearbeitet. Situation ist aus Sicht des Landratsamtes „sehr besorgniserregend“.

Schild mit Hinweisen zum Infektionsschutz am Zaun zum Kindergarten der Thüringen-Kliniken in Saalfeld. Alle Bildungseinrichtungen im Landkreis sollen ab Dienstag in die Stufe Gelb versetzt werden.

Schild mit Hinweisen zum Infektionsschutz am Zaun zum Kindergarten der Thüringen-Kliniken in Saalfeld. Alle Bildungseinrichtungen im Landkreis sollen ab Dienstag in die Stufe Gelb versetzt werden.

Foto: Thomas Spanier

Noch ist es nicht die weiße Flagge, aber viel dürfte nicht mehr fehlen. Das Gesundheitsamt des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt, lokaler Dreh- und Angelpunkt bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, arbeitet derzeit am Limit. Nach zwei positiven Fällen in den eigenen Reihen und der damit verbundenen zweiwöchigen Quarantäne sei das Amt zurzeit „an der absoluten Belastungsgrenze“, so Peter Lahann, Sprecher des Landkreises, am Montag. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Durch die Quarantäne fast aller Mitarbeiter des Gesundheitsamtes wurden nicht nur die Arbeitsabläufe eingeschränkt, es habe sich auch die geplante Personalzuführung und aufwendige Einarbeitung der zugewiesenen Mitarbeiter um zwei Wochen verzögert. Die Kollegen kämpften deshalb immer noch mit der schwer zu bewältigenden Herausforderung, diesen Arbeitsrückstand aufzuholen.

„Insbesondere aus diesem Grund, aber auch durch die täglich sehr große Menge von positiven Meldungen ist das Gesundheitsamt derzeit nicht in der Lage, alle eingehenden Fälle ausreichend schnell zu bearbeiten und alle Kontaktpersonen in ausreichender Zahl direkt zu kontaktieren“, so der Leiter des Presse- und Kulturamtes. Seit dem Beginn der vergangenen Woche träfen täglich zwischen 30 und 50 Mitteilungen über positive Testungen von Bürgern des Landkreises ein.

Oft Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Heime betroffen

Bei der Fallermittlung stelle sich regelmäßig heraus, dass es sich um eine Gemeinschaftseinrichtung, wie eine Schule, einen Kindergarten, ein Seniorenheim, ein Heim für Menschen mit Behinderung, oder auch eine Tagespflege handele. Diese müssten vertieft und mit erhöhtem Personalaufwand weiterbearbeitet werden, um die Auswirkungen auf eine Vielzahl von Betroffenen oder vulnerable Gruppen zu ermitteln und einzudämmen. Dadurch blieben die weiter eintreffenden positiven Testergebnisse unbearbeitet und könnten erst nach Abschluss weiterbearbeitet werden. Aus diesem Grund lägen auch die dem Robert-Koch-Institut gemeldeten Fälle und damit die veröffentlichte Sieben-Tages-Inzidenzen deutlich unter den tatsächlichen Fallzahlen.

Um den derzeitigen Rückstand in der Meldung und Kontaktermittlung von über 100 positiven Fällen aufzuarbeiten, seien die Bundeswehr und weiteres Personal aus anderen Bereichen der Verwaltung zu Unterstützung angefordert und in die Fallermittlung eingearbeitet worden. In dieser Woche werde die Personalzuführung in die Hotline des Landratsamtes, die Fallermittlung, die Bescheid-Erstellung und den Vollzugsdienst fortgesetzt. bis eine geregelte Einzelfallbearbeitung wieder gewährleistet werden könne. Auch werde jede dem Gesundheitsamt mitgeteilte Kontaktperson einen entsprechenden Bescheid erhalten. „Dennoch bitten wir um Verständnis, dass die Bearbeitung der bereits bekannten und weiterhin eintreffenden Fälle noch Zeit in Anspruch nehmen wird und der Versand der Quarantänebescheide sich entsprechend verzögert“, so der Sprecher.

Situation ist aus Sicht des Landratsamtes „besorgniserregend“

Die Situation sei aus Sicht des Landratsamtes „sehr besorgniserregend“. Dies belegten nicht nur die Zahl der Infizierten, sondern deren zum Teil bedrohlicher Gesundheitszustand und die Zahl der Verstorbenen. Auch die weiterhin hohe Zahl von Neuinfektionen und der andauernd hohe Ermittlungsaufwand durch die Mitarbeiter weise nicht auf eine zeitnahe Besserung der Situation hin.

Vor diesem Hintergrund habe der Landkreis in der vergangenen Woche eine neue Allgemeinverfügung erlassen, um bereits vor Inkrafttreten der zu erwartenden neuen Landesregeln die Zahl der Kontakte in der Bevölkerung durch die Versagung von Veranstaltungen zu reduzieren und die zu bildenden Kohorten in Schulen und Kindergärten am Nachmittag nicht durch Freizeit-und Vereinssportangebote zu durchbrechen. Entsprechend der Entwicklung der Lage und nach Veröffentlichung der Landesregelungen würden die Maßnahmen des Landkreises überprüft und zum Ende der Woche gegebenenfalls verschärft oder aufgehoben, heißt es abschließend.