Hohe Dürreeinbußen bei Agrargenossenschaft Königsee

Königsee  Agrargenossenschaft Königsee muss mit höheren Dürreeinbußen zurecht kommen als noch 2018

Die Kühe der Agrargenossenschaft Königsee sind nicht nur Milchlieferanten, sondern sorgen über die mit Gülle betriebene Biogasanlage auch für die Heizung und Warmwasserversorgung von Schule und Sporthalle (Hintergrund) in Königsee.

Die Kühe der Agrargenossenschaft Königsee sind nicht nur Milchlieferanten, sondern sorgen über die mit Gülle betriebene Biogasanlage auch für die Heizung und Warmwasserversorgung von Schule und Sporthalle (Hintergrund) in Königsee.

Foto: Ragnar Hercher

Wo der Wald in den letzten Jahren von zu wenig Niederschlag betroffen war, geht es anderen Naturbestandteilen in Thüringen nicht anders: Auch die Bauern müssen sich mit den Widrigkeiten herumschlagen.

Zwar wird auf den Feldern der Agrargenossenschaft Königsee zum großen Teil Futter für die Kühe angebaut, so dass sich die Verluste weniger in exakten Mindererträgen pro Hektar ausdrücken lassen. Vorstandsvorsitzender Ragnar Hercher hat aber trotzdem ein plastisches Beispiel für Verluste durch die Trockenheit: „In normalen Jahren können wir drei-, in guten Jahren auch viermal Gras mähen, das als sogenannte Anwelk-Silage ein wichtiger Futterlieferant ist. In diesem Jahr fehlt der gesamte dritte Schnitt.“

Das einzig Gute an solchen Phasen der Trockenheit, so Ragnar Hercher, der nicht negieren will, dass es auch früher schon heiße und trockene Sommer gab, ist, dass man die Ernte etwas besser planen kann. Der Regen der letzen Jahre war nicht nur seltener, sondern meist auch entweder zu schwach, zu stark, zur falschen Zeit oder zu wenig flächendeckend.

Dabei war 2018 über alles gesehen, noch ein zwar unterdurchschnittliches Jahr, konnte man kurzfristig sogar Kühen aus Sachsen, wo gar nichts mehr wuchs, Weideland anbieten. Und 2019 habe vergleichsweise gut begonnen, bevor die große Trockenheit kam.

Nicht nur das Gras wuchs schlecht, auch der Mais, dessen Ernte in diesen Tagen abgeschlossen wird, blieb etwa ein Drittel unter den Erwartungen. Doch das Vieh hat unverändert seine Bedürfnisse. Und der Bauer muss eine Antwort finden. „Wir haben Zwischenfrüchte, etwa Senf und Roggen angebaut, lassen die Kühe auch schon mal ein bereits abgeerntetes Maisfeld noch einmal abweiden“, berichtete der Chef.

Immerhin tragen die Königseer nicht nur für ihre eigenen derzeit 850 Kühe die Verantwortung, sondern steuern auch die Pflanzenproduktion für die Partner, also die Agrargesellschaft Großbreitenbach, die Landwirtschaftliche Erzeugergenossenschaft Dittrichshütte und die Landwirtschaft Wümbach GmbH.

Gülle als wichtiger Energielieferant

Doch auf die Milchkühe allein setzen die Königseer schon längst nicht mehr. Das liegt nicht etwa daran, dass die Massentierhaltung einen schlechten Ruf hat: „Wir gehören nicht dazu“, argumentiert Ragnar Hercher, denn zur Anzahl der Kühe müsse man die Weidefläche ins Verhältnis setzen. Tut man dies. dann hat rechnerisch eine Kuh den Platz von zwei Fußballfeldern. „Auch Umweltministerin Anja Siegesmund bestätigt uns immer wieder, dass sie uns nicht meint, wenn sie Massentierhaltung sagt.“

Ohnehin sehen sich die Bauern – übrigens ebenso wie ihre Oberweißbacher Kollegen – zu einem nicht unerheblichen teil als Gärtner einer gewachsenen Kulturlandschaft. Kulap ist die Abkürzung für eine Reihe von Programmen, an denen sich die Königseer beteiligen, etwa wenn es um Artenreichtum in der Fruchtfolge oder auf den Wiesen geht.

Aber auch hier gibt es keine Reichtümer anzuhäufen. Ragnar Hercher: „Die 280 Euro je Hektar, die wir für solche Sachen als Zuschuss erhalten, decken kaum die Mehrkosten.“

Trotzdem hat man auf immerhin 60 Hektar Fläche Landschaftselemente wie Hecken und Büsche, die gepflegt werden wollen, etwa in Mörla und in Wümbach, besondere Blühstreifen als Bienenweiden angelegt.

Dort, aber auch in Königsee, Gillersdorf und Groschwitz betreuen Imker ihre Bienenvölker und haben bisher keinen Grund zur Klage bei den Bauern gehabt.

Und auch die Stadt Königsee ist Nutznießer des Tuns der Bauern und das über die Steuereinnahmen hinaus. Der Schulstandort samt Sporthalle am Schiefer wird mit Fernwärme aus der Biosgasanlage versorgt, die außerdem in einem Jahr 4000 Megawattstunden Ökostrom eingespeist hat.

Neueste Idee, nachdem die Schwarzatalbahn von Rottenbach dereinst mit Wasserstoffantrieb nach Katzhütte fahren soll: Eine solche Erzeugungsanlage, die aus Gülle Treibstoff macht.

Trotz aller unternehmerischen Flexibilität aber bleibt es eine Binsenweisheit: Ohne genug Regen wächst nicht genug.

„Noch so ein Jahr, und es wird ziemlich bedrohlich“, warnt Ragnar Hercher und überlegt sogleich, ob man nicht demnächst auch nahegelegene Wohngebiete in Königsee mit preiswerter Biogas-Wärme und Strom versorgen könnte.

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