Ex-Landrat Holzhey im Interview: „Ich demonstriere für Vernunft statt Hysterie“

Ex-Landrat Hartmut Holzhey äußert sich im Interview zu Corona, dem Umgang mit der Pandemie und seiner Festnahme am Wochenende in Berlin.

Ex-Landrat Hartmut Holzhey (Zweiter von links) im Februar 2020 bei einem Gespräch in Altenroth.

Ex-Landrat Hartmut Holzhey (Zweiter von links) im Februar 2020 bei einem Gespräch in Altenroth.

Foto: Jens Voigt

Herr Holzhey, in Deutschland steigen die Corona-Infektionszahlen und Sie fahren zu einer Demo nach Berlin. Musste das sein?

Zunächst ein großes Dankeschön für die Gelegenheit einer Erklärung. Bisher herrschte ja eher gesellschaftlicher Konsens, dass mit angeblichen Covidioten nicht zu reden ist und man es auch nicht braucht.

Unter den Eindruck der jüngsten Maßnahmen wie innerdeutsches Beherbergungsverbot etc. kamen letzte Woche auch auf ARD und ZDF erste kritische Beiträge zum Thema zur besten Sendezeit. Und ich meine, dass es höchste Zeit dafür ist. Mir bereitet nämlich die immer tiefere Spaltung der Gesellschaft quer durch Familien, Freundeskreise, Vereine und Unternehmen große Sorgen und ich möchte meinen Beitrag zur Schließung dieser Gräben leisten. Im vollen Bewusstsein, dass ich damit viele Menschen nur nerve.

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Also: Wer wirklich verstehen möchte, weshalb ich zu diesen Demos fahre, sollte sich bitte zunächst die im Internet zu findende Arte-Doku „Profiteure der Angst – Das Geschäft mit der Schweinegrippe“ von 2009 ansehen. Ich verspreche jeden Betrachter einige spannende Déjà-vu. Nur soviel: Auch Dank eines Dr. Wordags (SPD) konnte damals die Schweinegrippenfarce zum Zweck der Gewinnmaximierung der globalen Pharmaindustrie noch rechtzeitig als solche entlarvt werden.

Die gleichen und zusätzliche Akteure haben bei Corona einiges besser gemacht. Dr. Wordag wurde gleich zu Beginn der Kampagne als Verschwörungstheoretiker ins mediale Abseits gestellt, auch so gut wie jeder andere kritische Virologe, Arzt und Bundesinnenministeriumsabteilungsleiter. Seit dem finden nur noch Drosten, Lauterbach, Söder und einige andere Angst- und Panikschieber öffentlich-medial statt. Und wer in den letzten Monaten nur öffentliche Medien konsumierte, wurde erfolgreich in der Angstspirale gefangen gehalten.

Ich demonstrierte deshalb insgesamt drei Mal in Berlin für eine gleichberechtigte Diskussion sämtlicher, tatsächlicher Fachleute – für Vernunft statt Hysterie. Die von ARD und ZDF vorige Woche veröffentlichten Erkrankungs- und Sterbezahlen in Deutschland seit März 2020 lassen keine größeren Abweichungen zu den Vorjahren erkennen und somit auch keine weiteren Verschärfungen der Coronamaßnahmen notwendig erscheinen. Dennoch verunsichern besonders Söder und Lauterbach einschließlich Robert-Koch-Institut die Menschen mit angeblich stark gestiegenen Infizierten-Fallzahlen. Dabei handelt es sich lediglich durch die massive Ausweitung der PCR-Tests um einen Anstieg von positiv auf Coronavirus-DNA/RNA-„Schnipsel“ getesteten Menschen. Die wenigsten davon sind oder werden wirklich krank.

Natürlich bleibt ein Restrisiko – wie bei jeder anderen Grippe oder Krankheit. Dieses Risiko rechtfertigt aber ganz sicher nicht, dass wir in gesundheitsamtliche Kleinstaaterei zurückfallen, unsere Kinder im kommenden Winter mit Jacken, Schals, Decken und Masken bei geöffneten Fenstern in den Klassenzimmern sitzen lassen und wir unsere komplette Tourismus- und Veranstaltungswirtschaft und die davon abhängige Gewerbebetriebe vor die Wand fahren lassen. Auch dafür war ich in Berlin.

Letzten Samstag waren wir tatsächlich maximal 10.000 Menschen. Bei den Veranstaltungen am 1. August und 30. August waren aber mindestens 200.000 Menschen (nicht 20.000, wie von allen Medien berichtet) und wir waren ohne Masken und mit wenig Abstand unterwegs – und es gab daraufhin keinerlei nachweisliche Krankheitsausbrüche. Warum sollte ich dann nicht auch zur dritten Demo gehen – zumal da Maskenpflicht bestand!?

Was würden Sie ändern, könnten Sie den Umgang mit der Pandemie beeinflussen?

Wäre ich zum Beispiel noch Landrat, würde ich jetzt den sehr vernünftigen Kurs von Bodo Ramelow öffentlich massiv unterstützen. Er bekam ja schon bei seinem ersten Vorstoß mächtig Gegenwind besonders aus Bayern – er braucht deshalb parteiübergreifend breite Unterstützung von der kommunalen Familie. Und ich würde dafür kämpfen, dass sämtliche Maßnahmen mit/gegen Kindern unverzüglich beendet werden.

Laut weltweiten Studien sind Kinder durch Corona weder gefährdet und noch gelten sie als Überträger. Und dann würde ich beim Freistaat und unseren Mitbürgern dafür werben, dass wir Stück für Stück zur Normalität, auch gegen bundespolitischen Widerstand, zurückkehren. Und dafür, dass die Mitarbeiter unseres Gesundheitsamtes wieder ganz normal ihre Aufgaben erledigen können, statt einem an die Wand gemalten Teufel bis zum St. Nimmerleinstag oder Massenimpfung zu jagen.

Und gern dürfte man mich dafür auch weiter als ahnungslosen Idiot schimpfen – mit der Gewissheit, dass sich Jene damit oftmals selbst als die größten entlarven.

Was haben Sie bei der Festnahme gedacht und wie wollen Sie mit der Strafanzeige umgehen?

Ich war zunächst schon sehr überrascht, dass sich die Berliner Polizei tatsächlich nicht entblödet, in einer allgemeinen Maskentragepflichtzeit das Tragen einer Helmmütze zur Strafanzeige zu bringen. Und ja – ich fühlte mich während der etwa einstündigen Festnahme irgendwie im falschen Film. Er war teilweise verstörend, aber auch richtig lustig. Ich warte jetzt erst mal das amtliche Schreiben ab.

Es fragte: Thomas Spanier