Hotelschließung in Sitzendorf und die Folgen

Als beängstigend für die gesamte Tourismusregion weit über die Ortsgrenzen Sitzendorfs hinaus bezeichnet Uwe Hermann die Folgen der Schließung des Vital-Hotels Thüringer Wald nach dem Brand vom 4. Juli vergangenen Jahres.

Das Vital-Hotel Am Thüringer Wald in Sitzendorf.

Das Vital-Hotel Am Thüringer Wald in Sitzendorf.

Foto: zgt

Sitzendorf/Oberweißbach. Der Geschäftsführer der Sitzendorfer Porzellanmanufaktur ist auch Touristiker, das Konzept seines Unternehmens mit Vorführstraße, Gastronomie und Regionalmuseum stark touristisch ausgerichtet.

"Ein Nicht-Wiederaufbau des Hotels würde unsere Region kaputt machen", formuliert Hermann zugespitzt nach seinen Erfahrungen aus dem zweiten Halbjahr 2010. Den Besucherrückgang im Vergleich zu den ersten sechs Monaten schätzt er auf weit mehr als 20 Prozent. Im Dezember sei dies ganz besonders auffällig gewesen: "Ich habe Sitzendorf seit vielen Jahren nicht so leer gesehen." Gerade in der Weihnachtszeit herrsche sonst Hochkonjunktur. Mit dem Hotel habe die Manufaktur sehr gut zusammengearbeitet. So erhielten dessen Gäste Gutscheine für einen Besuch der Vorführstraße, sagt Uwe Hermann.

Wie er, so macht auch Peter Möller, Chef der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatal (OBS), den Ausfall dieser potenziellen Besuchergruppe freilich nicht allein als Ursache für einen generellen Gästeschwund aus. Sowohl das Wetter im Sommer als auch und gerade im Dezember, als die Steilstrecke so sehr zugeweht wurde, dass die Bahn über Weihnachten gar nicht fahren konnte, trage eine gehörige "Mitschuld" daran. Möller befürchtet die niedrigsten Fahrgastzahlen seit 2003, dem Jahr nach Wiedereröffnung der Schwarzatalstrecke. Gegenüber 2009 erwartet er ein Minus von zirka 20 000 Gästen. Den Anteil deren, die sonst aus dem Sitzendorfer Hotel "Am Thüringer Wald" kamen, beziffert er auf immerhin zwischen 100 und 200 im Monat.

"Wir können nicht von Tourismus-Entwicklung reden und solch ein großes Haus, das auch viele Busreisegruppen anlockte, links liegen lassen", meint der OBS-Chef. Gern hätte er beispielsweise eine starke Gruppe aus Bayern, die sich zu einer Bahn-Sonderfahrt in diesem Jahr angesagt hat, gemeinsam in einem Hotel untergebracht, müsse sie aber auf drei Häuser verteilen.

Während die OBS an der genauen Bilanz 2010 noch arbeitet, kann Gerd Eberhardt, Geschäftsführer der Fröbelstadt Marketing GmbH, schon mit konkreten Zahlen dienen. Demnach verzeichnete das Oberweißbacher Fröbelmuseum im Vorjahr 6893 Besucher, 1376 weniger als 2009. Dies sei natürlich mit witterungsbedingt gewesen, räumt Eberhardt ein. Doch das Fröbelhaus sei auch Bestandteil eines Pauschalangebots des Sitzendorfer Hotels gewesen, "und diese Gäste blieben nach dem Brand aus".

Noch für den Monat Januar hat Landrätin Marion Philipp (SPD) Gespräche mit dem Thüringer Wirtschaftsministerium und der Landesentwicklungsgesellschaft über einen eventuellen Wiederaufbau des Hotels angekündigt. Das der Sparkasse vorliegende Gutachten zu dessen Zustand und Perspektive ist dabei eine schwere Hypothek.