Im Gerichtsgebäude in Rudolstadt zieht nach der Sanierung der Alltag wieder ein

Rudolstadt  In das historische Gebäude aus dem Jahr 1905 wurden für fast 14 Millionen Euro investiert. Die technische Ausstattung ist auf dem allerneuesten Stand.

Die Möbel im großen Gerichtssaal sind neu und mit allen notwendigen technischen Anschlüssen ausgestattet. In das historische Gebäude aus dem Jahr 1995 wurden für fast 14 Millionen Euro investiert.

Die Möbel im großen Gerichtssaal sind neu und mit allen notwendigen technischen Anschlüssen ausgestattet. In das historische Gebäude aus dem Jahr 1995 wurden für fast 14 Millionen Euro investiert.

Foto: Heike Enzian

Es gehört, von der Heidecksburg mal abgesehen, zu den markantesten und unter dem Gesichtspunkt des Denkmalschutzes bedeutendsten Gebäuden der Stadt: Das Amtsgericht am Güntherbrunnen. Mit einer aufwendigen Sanierung wurde aus dem fast 115 Jahre ­alten Haus ein hochmoderner, allen Anforderungen der Gegenwart entsprechender Justizkomplex. Hier zieht nun der Alltag wieder rein. Knapp 14 Millionen Euro sind investiert worden. Ein nicht unerheblicher Teil floss in die Erhaltung der zahlreichen künstlerischen Elemente im Inneren und Äußeren, entworfen und gestaltet von dem aus ­Rudolstadt stammenden Maler Albert Maennchen.

Davon kann man sich gleich beim Eintritt in das Gebäude überzeugen. Ein Highlight ist die Deckenmalerei. An den Wänden befindet sich original erhaltener und aufgearbeiteter Schiefer aus Lehesten. Allerdings geht der Besucher nicht mehr durch die historische doppelflügelige Tür. Er muss eine neu geschaffene Sicherheitsschleuse in einem extra Raum passieren. Das ist Vorschrift.

Im Foyer wurden die vermutlich massivsten Veränderungen vorgenommen. „Das war früher ein düsterer, Ehrfurcht einflößender Ort. Jetzt befindet sich hier eine großzügige Justizwache mit einer großen gläsernen Front. Alles wirkt größer, da Tageslicht durch die Fenster zur Hofseite für Helligkeit sorgt“, sagt Direktor Volker Kurze. Über einen Fahrstuhl ist jede Etage behindertengerecht erschlossen.

Im Erdgeschoss befinden sich die Büros für die Abteilungen Nachlass, Grundbuch, Betreuung, „also alles Bereiche mit viel Publikumsverkehr“, so Volker Kurze. Ein Blickfang hier sind die bleiverglasten Jugendstilfenster, die erhalten und aufgearbeitet wurden. Genauso wie das Schwarzburg-Rudolstädtische Wappen in der Wand, das Jugendstilgeländer oder die ­Ornamente in der Holzdecke. „Bei der Farbgestaltung wurde sich an den historischen Vorlagen aus dem Jahr 1905 orientiert“, so der Direktor.

Im großen Schwurgerichtssaal in der ersten Etage treffen alt und neu direkt aufeinander. Wände, Böden und Fenster wurden aufgearbeitet, man findet auch vier historische Zuschauerbänke. Die Möbel allerdings sind nagelneu. „Wir standen hier vor einer besonderen Herausforderung. Die Gerichte in Thüringen sollen bis 2026 die elektronische Akte einführen. Dafür braucht es die technischen Voraussetzungen. Die sind geschaffen, in dem sämtliche Anschlüsse in den Möbeln Platz gefunden haben. Wir haben im Haus mehr als fünf Kilometer Kabel verlegt“, erläutert Bodo Rott, der für die Zeit der Bauphase vom Landgericht Gera nach Rudolstadt abgeordnet war. Auch die neue Lampen in Radform erinnern an ihre Vorgänger, bringen aber viel besseres Licht.

Der Saal verfügt, ebenso wie die anderen kleineren Verhandlungsräume auch, über ein modernes Belüftungssystem. Insgesamt gibt es 28 technische Anlagen im Haus, einschließlich eines eigenen Blockheizkraftwerkes. „Der Technisierungsgrad ist enorm gestiegen, wir haben hier wahrscheinlich das am modernsten ausgestattete Gerichtsgebäude in Thüringen“, so Volker Kurze. Es ist der Arbeitsort für etwa 90 Bedienstete.

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