Im Hain bei Rudolstadt werden etwa 120 Buchen gefällt

Rudolstadt  Die Bäume wurden Opfer der anhaltenden Trockenheit.

Es dauert nur wenige Minuten, dann liegt die 80 bis 90 Jahre alte Buche im Wald oberhalb der Stadt am Boden.

Forstarbeiter Ralf Schultz wickelt ein starkes Seil um den Stamm. Dieses ist verbunden mit einem anderen Baum ein paar Meter weiter waldeinwärts und von dort mit einem Bagger, der auf der Straße steht. Erst dann setzt sein Kollege Johannes Kupfer die Säge an. Aber das Sägeblatt frisst sich nur zu einem Teil in das Holz. Den Rest übernimmt die Zugkraft des Fahrzeuges. Mit dem Fahrer ist er per Funk verbunden. Erst wenn das Okay kommt, setzt dieser die Seilwinde in Bewegung. „Auf diese Weise wird der Baum über eine Umlenkrolle beim Fällen in den Wald gezogen. Ohne diese Vorkehrung würde er hangabwärts Richtung Straße fallen. Das wäre gefährlich“, beschreiben die Männer ihr Tun.

Seit Montag dieser Woche ist in dem Waldstück oberhalb Rudolstadts im Gange, was lang angekündigt war: die Fällung von rund 120 Buchen. Sie haben die anhaltende Trockenheit nicht überlebt und drohen, eine Gefahr zu werden. Buchen reagieren auf die anhaltende Trockenheit mit Laubabfall, flächigen Rindenrissen und herabfallenden Ästen sowie Kronenteilen. Die Schäden haben in den letzten Wochen dramatisch zugenommen.

„Was wir hier tun, ist eine Sicherheitsmaßnahme“, informiert Matthias Schwimmer, der stellvertretende Leiter des zuständigen Forstamtes. „Das Forstamt Saalfeld-Rudolstadt ist als Grundeigentümer dafür verantwortlich, dass von dem jeweiligen Grundeigentum keine Gefahr ausgeht. So wie jeder Eigentümer. Derzeit geht von den festgestellten trockenen Buchen eine akute Gefahr für Leib und Leben aus. An Bebauungsgrenzen, öffentlichen Straßen, Waldparkplätzen und ausgewiesenen Wanderwegen ist daher ein schneller Einsatz und das Entfernen dringend geboten“, erläutert er und ergänzt: „In Vorbereitung dieser Verkehrssicherungsmaßnahme haben wir jeden Baum eingehend begutachtet. Zusätzlich fand ein Ortstermin mit Mitarbeitern des Umweltamtes des Landkreises statt. Sie waren auch bei der Einweisung der Waldarbeiter zugegen.“

Unter den Rudolstädtern und im Netz werden die Baumfällungen diskutiert. „Zum Heulen“, schreibt beispielsweise Linke-Stadtrat Götz Kölbl bei Facebook. „Es geht uns auch an die Nieren, wenn wir hier starke alte Buchen umlegen müssen. Aber es geht nicht anders. Wir sind hier getrieben von der Verkehrssicherungspflicht“, so die Reaktion der Forstfachleute.

Die gefällten Bäume bleiben im Wald liegen. Es würde mit einem riesigen Aufwand verbunden sein, die Stämme zu entsorgen. Außerdem hat die Umwelt etwas davon. „An diesen Anblick werden wir uns gewöhnen. Wir werden es bewusst so belassen. An den Stamm- und Kronenteilen werden sich Insekten und Pilze ansiedeln, die für ein natürliches Recyceln sorgen“, erläutert Matthias Schwimmer. Eine Bepflanzung wird nicht erfolgen. „Wir warten eine natürliche Verjüngung ab. Im Schutz der hohen Kronen werden neue Bäume wachsen, Buchen Eichen, Ahorn. Das wird man schon bald wahrnehmen können, schon ab dem nächsten Frühjahr“, sagt er. Beräumt werden Straße und Wanderwege.

Die Arbeiten im Hain werden in den nächsten Tagen im Bereich Richtung Mörla fortgesetzt. Voraussichtlich Ende nächster Woche werden sie abgeschlossen sein.

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