Katzhüttes Bürgermeister Machold: Kein Geld mehr ohne Saldo

Katzhütte.  Gemeinde storniert sämtliche kommunale Umlagen, weil keiner Auskunft gibt, wieviel Geld in der Kasse ist

Sind alle Züge für Katzhütte abgefahren, was finanzielle Klarheit angeht? Ein Triebwagen der Schwarzatalbahn am Endpunkt der Strecke in Katzhütte.

Sind alle Züge für Katzhütte abgefahren, was finanzielle Klarheit angeht? Ein Triebwagen der Schwarzatalbahn am Endpunkt der Strecke in Katzhütte.

Foto: Henry Trefz

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Die Gemeinde Katzhütte hat die Zahlungen ihrer Umlagen, darunter die Verwaltungsumlage und die Schulumlage an den Landkreis sowie die Umlage für die Verwaltungsgemeinschaft Schwarzatal bis auf weiteres eingestellt. Er habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen, erklärte Bürgermeister Wilfried Machold (parteilos) in der Gemeinderatssitzung.

Er will damit zunächst nichts weiter erreichen, als das die Verwaltungsgemeinschaft der Gemeinde, als Bürgermeister und Gemeinderat Klarheit darüber verschafft, wie die Kassenlage aussieht „Bis ich nicht weiß, welches Geld ich deswegen anweisen kann, weil es auch auf dem Gemeindekonto vorhanden ist, werde ich sicherheitshalber die größten Brocken aussetzen, damit Geld für die kleinen unabweisbaren Dinge in der Kasse bleibt.

Hintergrund für diesen dramatischen Schritt ist die schwierige Haushaltslage, die Katzhütte seit Jahr und Tag dazu zwingt, Bedarfszuweisungen zu beantragen. Die bekommt eine Gemeinde wiederum nur, wenn es ein Haushaltssicherungskonzept aufstellt und sich genehmigen lässt. „Wir müssen bei allen Ausgaben ab 200 Euro um gesonderte Erlaubnis nachsuchen”, schildert der Bürgermeister die oft nervenaufreibende Verfahrensweise. Zum inzwischen sechsten Mal sollte das Konzept jahresweise fortgeschrieben werden. Und niemand kannte sich mit den Zwängen der Katzhütter besser aus als Andrea Brückner, bis zum Jahresende 2018 Kämmerin in der Verwaltungsgemeinschaft Bergbahnregion. Sie war es auch, die bis zum Frühling 2019 die wesentlichen Eckdaten für die Fortschreibung mit dem Bürgermeister zusammen erarbeitet hatte. Seit sie allerdings in der neuen Verwaltungsstruktur mit dem Aufgaben des Ordnungsamtes betraut wurde, hänge die Gemeinde komplett in der Luft, kritisiert Wilfried Machold, der zugleich betont, dass man zwischendurch regelmäßig schriftlich Warnsignale übersandt habe. „An uns als notleidende Gemeinde werden harte Anforderungen gestellt. Wir müssen genau begründen, welche Investition weswegen unabweisbar ist, damit Geld von außen fließt. Das können wir ohne Unterstützung der Verwaltung nicht leisten. Wenn uns das Wasser bis zum hals und noch höher steht, können wir nicht mehr anders, als mit der Einstellung unserer Zahlungen die nötige Aufmerksamkeit zu erzwingen.

Ausbleibende Überweisungen blieben bisher ohne Reaktion

„Auf die konsternierte Nachfrage einiger Gemeinderäte, ob es daraufhin eine Reaktion aus der Verwaltung gegeben habe, schüttelte Machold entnervt den Kopf: „Nein, niemals hat das jemanden wachgerüttelt!” Welche konkreten Auswirkungen diese Hängepartie hat, sollte sich nach drei Stunden Sitzungsdauer in der Bürgerfragestunde ergeben. Eine Katzhütterin, deren Haus nur über eine marode Brücke zu erreichen ist und die deswegen seit einem Jahr verzweifelt um Hilfe kämpft und beim Einwohnerforum vor dem Bürgerentscheid auch vom Landrat solche zugesichert bekommen hat, wird wegen einer Investitionssumme von 4000 Euro, die ihre Zufahrtsbrücke wieder für 16 Tonnen freigeben würde, gerade von Verwaltung zum Bürgermeister und wieder zurück geschickt. „Bitte sagen Sie mir, was ich als nächstes tun soll”, forderte sie im Rat. Ob sie das etwas ratlose Angebot, mit zur Bürgermeisterberatung am kommenden Montag um 18 Uhr nach Sitzendorf zu kommen, wo die neue Verwaltungsbeauftragte offiziell vorgestellt werden soll, annehmen kann, blieb an diesem Abend allerdings offen.

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