"Keine Verballermanisierung": Schaustellerbund-Präsident lobt Rudolstädter Vogelschießen

Der Bierverbrauch ist nicht das Maß aller Dinge und kein Indikator für ein gelungens Volksfest. Das meint Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes. Er besuchte am Wochenende das Rudolstädter Vogelschießen und sparte nicht mit Lob für alle Beteiligten.

Rudolstädter Vogelschießen: viel Spaß haben die Festbesucher auf den rasanten Fahrgeschäften wie hier im "Magic". Foto: Peter Scholz

Rudolstädter Vogelschießen: viel Spaß haben die Festbesucher auf den rasanten Fahrgeschäften wie hier im "Magic". Foto: Peter Scholz

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Der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes und Präsident der Europäischen Schaustellerunion Albert Ritter besuchte am Wochenende das Rudolstädter Vogelschießen. Dabei stellte er sich auch den Fragen dieser Zeitung.

Herr Ritter, Sie vertreten 101 regionale Schaustellerverbände und kennen sich aus auf den Festplätzen landauf, landab. Was macht das Rudolstädter Vogelschießen so besonders?

Hier spürt man diesen Aha-Effekt. Es ist Vogelschießen und aus allen Ecken und Enden kommen die Leute geströmt. Man spürt, dass es hier einen Schulterschluss gibt zwischen Politik, Verwaltung und Schaustellern. Man ist sich in der Stadt auch der unternehmerischen Leistung der Schausteller bewusst. Das Vogelschießen ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt.

Was machen die Rudolstädter besser als andere Veranstalter?

Rudolstadt ist unter den Kollegen ein Begriff. Die emotionale Mitnahme des Publikums wird hier sehr ernst genommen. Hier ist nicht das Maß aller Dinge der Hektoliterverbrauch an Bier oder die Höhe des Riesenrades. Es gibt keine Verballermannisierung. Es ist wirklich für jeden etwas dabei. Wer heute eine Kirmes veranstaltet, die nicht Ü 50 tauglich ist, ist schlecht beraten.

Aber ein Volksfest wie dieses muss sich auch rechnen.

Das ist richtig. Deshalb finde ich es auch gut, dass die Zahl der Schausteller hier begrenzt ist. Damit haben die Kollegen die Chance, ihr Geld zu verdienen. Das Angebot ist der Kaufkraft der Region angepasst. Ein Volksfest ist immer auch Zeitgeist, Kultur und Kunst. In Rudolstadt kann man das sehr schön sehen wenn man einen Blick auf die Details, zum Beispiel auf die Blumendekoration, wirft.

Wie beobachten Sie den Trend zu immer höheren, schnelleren Fahrgeschäften?

Ich persönlich achte mehr auf die Qualität des Bieres. Das Über-Kopf-Fahren überlasse ich anderen. Aber grundsätzlich ist zu sagen, dass wir in Deutschland die sichersten Fahrgeschäfte mit dem höchsten Standard weltweit haben. Die Gefahr spielt sich nur im Kopf ab, die Geräte sind heute so, dass keiner herausfallen kann. Allerdings bringt es keinem was, wenn künftig nur noch ausgebildete Düsenflieger mitfahren können.

Auch wenn man die Weltstadt München mit dem Oktoberfest nicht mit dem beschaulichen Rudolstadt vergleichen kann, gibt es Parallelen zwischen beiden Festen finden?

Hier treffen sich Menschen aus der Region, die im Wir-Gefühl miteinander feiern ohne jeden Standesdünkel. Das finde ich besser, als wenn Menschen aus der Ferne einfallen und literweise Bier trinken. Mancher Oktoberfestbesucher weiß gar nicht, dass sich hinter den Bierzelten auch Fahrgeschäfte befinden.

290. Rudolstädter Vogelschießen eröffnet
290. Rudolstädter Vogelschießen eröffnet
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