Kleiner Pfarrer mit großem Herz: Bruno Wagner ist am Sonntag von der „Corpus-Christi“-Gemeinde in Saalfeld herzlich verabschiedet worden

Saalfeld  Bei einem Dankgottesdienst am Sonntag in der katholische „Corpus-Christi“-Kirche ist Pfarrer Bruno Wagner nach 18-jährigen Tätigkeit aus seinem Amt verabschiedet worden. Es sind allerdings mehr als 18 Jahre, die er in Saalfeld gewirkt hat. Seine Ausbildungszeit als Kaplan, das heißt als frisch geweihter Priester, hatte Wagner von 1984 bis 1987 in der Feengrottenstadt verbracht. Und schon damals bleibenden Eindruck hinterlassen.

Pfarrer Bruno Wagner wird nach der Bereitung des Abendmahls am Sonntag Nachmittag in Saalfeld von seiner Gemeinde verabschiedet.

Pfarrer Bruno Wagner wird nach der Bereitung des Abendmahls am Sonntag Nachmittag in Saalfeld von seiner Gemeinde verabschiedet.

Foto: Ulf Rathgeber

Eine dank der Eltern und der Großmutter behütete Kindheit in Breitenworbis im Eichsfeld legte die Grundlage für das spätere berufliche Leben. „Die Feier des Kirchenjahres, die feierliche Liturgie und mein Dienst als Messdiener und Lektor haben mich in meinem Glauben sehr geprägt“, sagte Wagner. Die Besonderheit im Eichsfeld war in der damals noch stark katholisch geprägten Gegend das intensive Leben in der und für die Pfarrgemeinde. Neben Vater und Mutter nennt Bruno Wagner noch den Erfurter Bischof Hugo Aufderbeck, der für die Entwicklung seiner Persönlichkeit besonders wichtig war.

Es geht der Kirche um die Menschen

In Erfurt begann Wagner 1977 dann auch sein Studium der Theologie am Philosophisch-Theologischen Seminar. Und war damit, wie seine anderen Mitkommilitonen, ein „Paradiesvogel“. „In der DDR passte es nicht, dass junge Menschen Priester werden wollten. Wir waren eine exklusive Gemeinschaft.“ Dies auch insofern, weil der Kontakt zu staatlichen Stellen auf das Wesentliche reduziert war. „Es ging der Kirche um den Menschen und nicht um die Ideologie.“

Die Priesterweihe nach dem siebenjährigen Studium ist für Bruno Wagner heute noch eines der wichtigsten Ereignisse seines Lebens. „Bischof Joachim Wanke hat mich am 30. Juni 1984 im Erfurter Dom geweiht.“ Für die Frage, priesterliche Berufung oder eine mögliche Familiengründung, findet der Pfarrer klare Worte: „Die Entscheidung ist in den langen Jahren der Ausbildung gereift. Ich habe sie bis heute nicht bereut.“

Im August 1984 – Pfarrer Norbert Winter führte damals die Gemeinde – begann der Einsatz als Kaplan in Saalfeld. „Die Gemeinde hat mich sehr herzlich aufgenommen“, erinnert sich der 63-Jährige. „Er hatte ein bisschen Respekt“, sagte Evamaria Reichel vom Pfarrgemeinderat im Rückblick auf die Zeit vor 35 Jahren. „In der Gemeinde und im Pfarrhaus ist er gut aufgenommen worden.“ Betraut wurde Wagner vor allem mit der Jugendarbeit. „Es entstand ein sehr persönliches Verhältnis zur Jugend der Gemeinde. Wir haben uns damals oft getroffen und über den Glauben und das Leben gesprochen. Besonders wichtig waren die Jugendfahrten.“ Etwa ins Eichsfeld oder nach Ungarn, um den deutsch-deutsch-katholischen Jugendaustausch pflegen zu können.

Von besonderer Bedeutung war die Fahrt im Mai 1985 nach Berlin. Der erste und einzige Kongress der katholischen Jugend der DDR hatte damals eine hohe politische Brisanz. Ein Anzeichen einer leichten Entspannung und ein wichtiges Zeichen des Heraufziehens einer anderen Zeit.

In einer gänzlich anderen Zeit, nach der Jahrtausendwende, im Jahr 2001, kehrte Wagner als Pfarrer nach Saalfeld zurück. „Er hatte sich bei uns wohlgefühlt, sonst hätte er sich nicht auf die Pfarrstelle beworben“, sagte Evamaria Reichel. „Ich habe mich persönlich sehr gefreut, dass er zu uns zurückgekommen ist. Und viele haben sich mit mir gefreut.“ Dabei waren die Zeiten nicht einfach. Finanzielle Zwänge und personelle Mängel sorgten dafür, dass nicht nur das Pfarrbüro geschlossen werden musste. Auch gab es zwischen der Funktion als Kaplan und dem Amt als Pfarrer markante Unterschiede, die die Gemeindeglieder erst akzeptieren mussten.

Die Sonntagspredigt steht im Zentrum

Aber: „Saalfeld hat eine sehr gute Gemeinde“, so Wagner. „Viele Menschen unterstützen die Arbeit des Pfarrers. Dadurch ist die Gemeinde sehr lebendig.“

Ein Höhepunkt war 2006 aus Anlass der Kirchweihe am 17. April 1906 das Jubiläum 100 Jahre „Corpus-Christi“-Gemeinde. Eine Drei-Tage-Feierlichkeit mit Festabend und Bühnenprogramm samt Chor und Laienschauspielern im „Meininger Hof“. „Hinterher hat er uns gefragt, ob wir ein solches Programm noch einmal organisieren könnten“, sagte Evamaria Reichel. „Das zeigt, wie sehr ihm die Feier gefallen hat.“ Besondere Anlässe waren auch die Seniorenfahrten nach Österreich, in die Schweiz oder nach Israel.

Im Zentrum der priesterlichen Tätigkeit stand und steht die Predigt am Sonntag. In Saalfeld, Unterwellenborn, Leutenberg, Probstzella oder Lehesten. „Von der Art und vom Inhalt her war die Gemeinde gleich angetan. Geistvoll, inhaltsreich und nah am Leben“, schätzt Evamaria Reichel die Predigten. „Ruhig, gelassen und verständlich“, ergänzte Organistin Rita Schwarz. „Das Predigen hat mir immer viel Freude bereitet, es ging ja um das Wort Gottes“, sagte der 63-Jährige. Schön fand er, dass es so viele lebendige Reaktionen gab. Schön wiederum fanden die Gemeinden in Bad Blankenburg und Rudolstadt, wenn der Pfarrer aus Saalfeld beim Priestertausch in der Fastenzeit dort den Gottesdienst gehalten hat. „Besonders mag ich das Markusevangelium und den Römerbrief 8, 31-39.“

In den vielen Jahren als Pfarrer traute Bruno Wagner Eheleute, er feierte die Erstkommunion und Firmungen, silberne und goldene Hochzeiten mit, trug Menschen mit zu Grabe und in den Himmel. „Ich konnte im Gebet alle Menschen mit zu Gott nehmen und sie so geborgen wissen.“ Als Pfarrer taufte er viele Kinder und Erwachsene. „Besonders waren immer die Taufen von Kindern.“

Der Titel von Bruno Wagners Diplomarbeit 1984 in Erfurt lautete: „Trauer im menschlichen Leben“ „Dieses Thema begleitet mich bis heute.“ Evamaria Reichel ist eine Geschichte noch in guter Erinnerung. „Bei einer Beerdigung wurde ein Sarg beigesetzt. Da hat er die beiden Enkelkinder an die Hand genommen und mit ihnen Blumen auf den Sarg fallen lassen. Das war ergreifend.“

Unheilbare Krankheit ist Grund für Rückzug

Ergriffen war die Gemeinde, als vor Jahren klar wurde, dass 63-Jährige unheilbar erkrankt war. Dies ist auch der Grund für seinen vorzeitigen Rückzug. „Ich habe versucht, meine Krankheit anzunehmen. In der Gemeinde gab es daraufhin noch mehr Unterstützung als in den Jahren zuvor.“

Wertvolle Unterstützung erhielt er in den vergangenen Jahren gerade durch Gemeindereferent Mathias Kugler. „An Pfarrer Wagner schätze ich sehr, dass er von Anfang an viel Vertrauen in mich gesetzt hat“, sagte der im Mai im Erfurter Dom geweihte Diakon. „Er hat mir viele Freiheiten gelassen und stand dennoch als väterlicher Ratgeber zur Verfügung.“

Pfarrer Wagner bleibt in Saalfeld. Darüber freut sich die Gemeinde. „Ich möchte, wenn ich darf, nach meinen Möglichkeiten in den kommenden Jahren noch in der Seelsorge helfen. Besonders berühren mich unsere Kranken und Sterbenden. Ich habe oft für sie gebetet.“ Seit vielen Jahren schon begleitet Bruno Wagner Menschen in der letzten Phase ihres irdischen Lebens. „Er hat meine Mutter wunderbar betreut“, sagt Evamaria Reichel. „Wir haben gemeinsam gebetet und gesungen. Meine Mutter fühlte sich in guten Händen. Seine liebevolle Art ist sehr wohltuend für die Kranken gewesen.“

Eines vor allem begleitet den Pfarrer dabei nicht erst von diesem Sonntag an. Die guten Wünsche für Gesundheit. „Er soll seinen Ruhestand genießen. Gottes Segen für die kommenden Jahre“, wünscht Evamaria Reichel. Nach dem Gottesdienst am Sonntag war im Pfarreigarten gefeiert worden.

„Der Sonntagsgottesdienst ist besonders wichtig“, sagt der scheidende Pfarrer. „Der Glaube muss das tägliche Leben prägen. Gebet ist immer gut: Beistand in Freude und Not. Das lässt nicht verzweifeln. Ich werde der Gemeinde im Herzen und in Gedanken verbunden bleiben.“

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.