Kleists „Zerbrochener Krug“ im Theater Rudolstadt

| Lesedauer: 3 Minuten
Der Weimarer Regisseur Markus Fennert und die Bühnen- und Kostümbildnerin Teresa Monfared freuen sich, dass das Stück „Der zerbrochne Krug“ nun aufgeführt werden kann.

Der Weimarer Regisseur Markus Fennert und die Bühnen- und Kostümbildnerin Teresa Monfared freuen sich, dass das Stück „Der zerbrochne Krug“ nun aufgeführt werden kann.

Foto: Friederike Lüdde

Rudolstadt/Saalfeld.  Bereits vor der Pandemie hatten die Vorbereitungen für die Inszenierung begonnen, nun kann die turbulente Gerichtskomödie mit ebenso viel Tragik endlich aufgeführt werden:

In einer Gerichtsverhandlung liegt die Wahrheit auf der Hand, doch niemand will sie sehen. Ein Krug geht zu Bruch, die Ehre einer jungen Frau auch. Aber wer ist der Schuldige? Am Samstag, dem 14. Mai, um 19.30 Uhr feiert das wendungsreiche Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist am Theater Rudolstadt nun endlich seine Premiere.

Im Zentrum der vielleicht turbulentesten Gerichtskomödie deutscher Sprache steht ein ganzes Dorf. Marthe Rull klagt vor Richter Adam den jungen Ruprecht Tümpel an, von dem sie nicht nur vermutet, dass er ihren wertvollen Krug zerschlagen, sondern obendrein auch die Ehre ihrer Tochter Eve beschmutzt hat. Jeder vorgeladene Zeuge pocht in der Verhandlung auf die eigene Wahrheit. Das Durcheinander wird nicht besser, als zur Unzeit auch noch der hohe Gerichtsrat Walter auf den Plan tritt und Richter Adam zunehmend selbst ins Visier der Verhandlung gerät.

Kleist lässt in seinem „Zerbrochnen Krug“, der 1808 am Weimarer Hoftheater uraufgeführt wurde, nicht nur ein Liebespaar eine harte Prüfung überstehen, sondern legt mit Sprachwitz und überraschenden Wendungen korrupte Machtstrukturen und Abhängigkeiten offen.

Der Weimarer Regisseur Markus Fennert und die Bühnen- und Kostümbildnerin Teresa Monfared hatten mit den Vorbereitungen bereits vor der Pandemie begonnen, als dann eine Krise nach der anderen über die Welt hereinbrach und das Stück verschoben werden musste. „Natürlich frage ich mich, wie ich vor diesem Hintergrund ein Lustspiel machen kann“, so Fennert. „Zum Glück ist es bei Kleist aber so, dass hinter jedem Witz immer auch eine kleine, manchmal eine große Katastrophe steckt.“ Es stehe immerhin ein realer Missbrauch im Zentrum des Stücks, was häufig bei Inszenierungen übergangen werde. „Wir hoffen also sehr, dass wir diese Mischung aus Komik und Tragik sehr gut hinbekommen werden“, so der Regisseur.

Schwarze Elemente als Insignien der Macht

Als Schauplatz für den Gerichtsprozess hat Teresa Monfared ein abstraktes orange-rotes Bühnenbild entworfen, die „Essenz“ der langjährigen Vorbereitungen, wie sie selbst sagt. Bei den komplett weißen Kostümen mischt sie Heutiges mit historischen Versatzstücken, zu denen lediglich noch schwarze Elemente als sichtbare Insignien der Macht hinzukommen. „Jeder von uns kann den Richtermantel an- oder auch ausziehen und ist dann Richter oder nicht“, will sie damit erzählen. Dass die oberste Autorität in dieser Inszenierung nicht wie üblich von einem Mann, sondern von der Schauspielerin Ute Schmidt gespielt wird, war zunächst eine reine Bauch-Entscheidung, die für Fennert und Monfared auch die heutige Zeit widerspiegelt.

Im zweiten Moment ergaben sich für das Stück dadurch jedoch ganz neue Perspektiven und spannende Bezüge unter den Figuren. In diesen Rollen sind ferner zu erleben: Ulrike Gronow als Marthe Rull, Kathrin Horodynski als ihre Tochter Eve sowie in weiteren Rollen Jochen Ganser, Franz Gnauck, Marcus Ostberg und Ute Schmidt.

Nach der Premiere am 14. Mai, um 19.30 Uhr im Theater im Stadthaus ist „Der zerbrochne Krug“ noch am 16. und 19. Mai, jeweils 11 Uhr, am 22. Mai, um 18 Uhr sowie am 6. Juni, ebenfalls um 18 Uhr zu erleben. Karten sind an den üblichen Vorverkaufsstellen, in der Theaterkasse und telefonisch unter: 03672/422 766 sowie online auf der Website des Theaters erhältlich.