Wie „König Peter I.“ Querdenken-Vertreter in Saalfeld trifft

Saalfeld.  „Arbeitstreffen“ im „Hacienda Mexicana“ im Saalfelder Ortsteil: „König von Deutschland“ trifft Stuttgarter Querdenken-Initiator Michael Ballweg.

Das Restaurant „Hacienda Mexicana“ in Wöhlsdorf empfängt seine Gäste mit einem Schildchen, auf dem steht: „Kein öffentlicher Gastronomiebetrieb. Zutritt nur für Staatsangehörige und Zugehörige des Königreiches Deutschland. Mit dem Betreten der Räumlichkeiten sind Sie temporär Staatszugehöriger des Königreiches Deutschland und damit einverstanden. Es entstehen keine weiteren Rechte und Pflichten."

Das Restaurant „Hacienda Mexicana“ in Wöhlsdorf empfängt seine Gäste mit einem Schildchen, auf dem steht: „Kein öffentlicher Gastronomiebetrieb. Zutritt nur für Staatsangehörige und Zugehörige des Königreiches Deutschland. Mit dem Betreten der Räumlichkeiten sind Sie temporär Staatszugehöriger des Königreiches Deutschland und damit einverstanden. Es entstehen keine weiteren Rechte und Pflichten."

Foto: Guido Berg

Das Restaurant „Hacienda Mexicana“ in Saalfeld-Wöhlsdorf sorgt erneut für Schlagzeilen: Nach Recherchen dieser Redaktion haben sich dort am Sonntag Vertreter der „Querdenken“-Initiative und der Reichsbürger-Szene getroffen, um über ein gemeinsames Vorgehen zu beraten. Beide Strömungen leugnen die Gefahren der Corona-Pandemie und kritisieren entsprechende Infektionsschutzverordnungen. Bisher hatte die Initiative „Querdenken“ eine Verbindung zur Reichsbürger-Szene in der Bundesrepublik stets bestritten.

Polizei löste Veranstaltung in Wöhlsdorf auf

Die Polizei löste die Veranstaltung mit 80 Teilnehmern wegen Verstoßes gegen die Corona-Grundverordnung auf, wie Kriminalhauptkommissar Pierre Brückner, Sprecher der Landespolizeiinspektion (LPI) in Saalfeld am Montag mitteilte.

Nach Paragraf 7, Absatz 3 der 2. Thüringer Corona-Grundverordnung sind nicht-öffentliche Veranstaltungen mit mehr als 30 Teilnehmern in geschlossenen Räumen mindestens zwei Werktage vorher beim Gesundheitsamt anzuzeigen, teilte das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt am Montag auf Anfrage mit. Dies sei nicht erfolgt. „Vor Ort lag weder ein Infektionsschutzkonzept vor, noch waren andere Hygienemaßnahmen feststellbar. Deshalb wurde der Veranstalter aufgefordert, die Veranstaltung zu beenden. Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wurde eingeleitet“, so das Landratsamt.

Die Polizei führte „adäquate Kräfte heran“

Laut LPI-Sprecher Brückner erfolgte die erste Information an die Polizei am Sonntag gegen 13 Uhr. Die Polizei ging zunächst von 100 Teilnehmern aus und habe „adäquate Kräfte herangeführt“. Wegen Verstoßes gegen die Thüringer Infektionsschutzverordnung sei die Versammlung aufgelöst und die Identität der 80 Teilnehmer festgestellt worden. Es habe keine Widerstandshandlungen gegeben. Der Polizeieinsatz wurde gegen 18 Uhr beendet, erklärte der Polizeisprecher.

Peter Fitzek trifft sich mit Querdenken-Protagonistem Michael Ballweg

Peter Fitzek, ein gelernter Koch aus Halle (Saale), der vor Jahren in Wittenberg den Fantasiestaat „Königreich Deutschland“ gründete und der vielschichtigen Reichsbürger-Szene zugerechnet wird, bestätigte am Montag gegenüber dieser Redaktion, dass er sich im „Hacienda Mexicana“ mit Querdenken-Protagonist Michael Ballweg getroffen habe. Allerdings bestand Peter Fitzek im Telefonat mit großem Ernst darauf, dass er nicht als Peter Fitzek in Saalfeld-Wöhlsdorf war, sondern als „Peter der Erste, König von Deutschland“.

Es habe sich um „ein Arbeitstreffen mit Querdenken“ gehandelt. Es sei darum gegangen, „nächste Arbeitsschritte zu organisieren“. Es sei diskutiert worden, wie es „zur Organisation einer neuen menschlichen Form des Zusammenleben“ kommen könne.

„König“ Peter Fitzek spricht von „Arbeitstreffen“ und will Amtsarzt verklagen

Allerdings, so Fitzek, seien „Ergebnisse“ durch den Polizeieinsatz verhindert worden. Daher werde er den Amtsarzt des Gesundheitsamtes auf Schadensersatz verklagen. Ein Verstoß gegen die Corona-Verordnung des Freistaates Thüringen liege seiner Meinung nach nicht vor, da es sich um „den Ausnahmetatbestand eines Arbeitstreffens“ gehandelt habe.

Fitzek leugnete im Gespräch mit dieser Redaktion in ausführlicher Weise die Gefährlichkeit des SARS-CoV-2-Virus und betonte die Eigenverantwortlichkeit: „Jeder ist für sein Körper-Milieu selbst verantwortlich.“ Das Argument einer Verantwortung für seinen Nächsten ließ Fitzek nicht gelten.

Peter Fitzek wird vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt beobachtet. Er saß unter anderem wegen unzulässiger Versicherungsgeschäfte in Haft. Sein Wöhlsdorfer Gesprächspartner Michael Ballweg ist Organisator der bundesweit aktiven Initiative „Querdenken“. Als Kandidat der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart am 8. November erhielt er 2,6 Prozent. Eine Anfrage dieser Redaktion am Montag ließ Ballweg unbeantwortet.

„Zutritt nur für Staatsangehörige des Königreiches Deutschland“

Im Wöhlsdorfer Restaurant „Hacienda Mexicana“, in dem bereits AfD-Politiker wie Björn Höcke und Alice Weidel redeten, hatte bereits im Mai dieses Jahres eine Veranstaltung von Peter Fitzek alias „Peter der Erste“ stattgefunden, bei der es keine Corona-Schutzmaßnahmen gab, wie Fitzek in einem Youtube-Video erklärte. Der Wirt des „Hacienda Mexicana“ verweigerte am Montag ein Telefongespräch mit dieser Redaktion.

Im November 2019 hatte der Thüringer Verfassungsschutz bei einem Vortrag in Saalfeld mitgeteilt, das Wöhlsdorfer Restaurant werde von ihm beobachtet. „Wir haben den Ort schon seit einigen Jahren im Auge“ , erklärte ein Verfassungsschutz-Mitarbeiter. Das „Hacienda Mexicana“ informiert seine Gäste mit dem Hinweis: „Zutritt nur für Staatsangehörige und Zugehörige des Königreiches Deutschland“.

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