Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt dünnt ihr Filialnetz weiter aus

Saalfeld/Rudolstadt.  Das Kreditinstitut schließt zum Jahresende fünf Geschäftsstellen und wandelt zwei weitere in SB-Filialen um. Die Gründe sind immer die selben.

Die Hauptstelle der Kreissparkasse in Saalfeld. wird ab Januar die einzige bemannte Anlaufstelle für Sparkassenkunden in der Kreisstadt sein. Die Geschäftsstelle in Gorndorf wird in eine SB-Filiale umgewandelt und nimmt den telefonischen Kundenservice auf.

Die Hauptstelle der Kreissparkasse in Saalfeld. wird ab Januar die einzige bemannte Anlaufstelle für Sparkassenkunden in der Kreisstadt sein. Die Geschäftsstelle in Gorndorf wird in eine SB-Filiale umgewandelt und nimmt den telefonischen Kundenservice auf.

Foto: Thomas Spanier

Die Schrumpfkur geht weiter. Nach den Schließungen des Jahres 2017 in Saalfeld, Rudolstadt, Gräfenthal, Kamsdorf und Könitz wird das Filialnetz dreieinhalb Jahre später schon wieder ausgedünnt. Fünf bisherige Geschäftsstellen werden zum Jahresende komplett geschlossen, zwei in SB-Filialen umgewandelt. Das stößt erwartungsgemäß auf Widerstand, nicht nur bei den Kunden.

Komplett von der Landkarte gestrichen werden die Geschäftsstellen in Leutenberg, Lehesten, Rudolstadt-Volkstedt, Katzhütte und Remda, Automaten, aber keine Mitarbeiter verbleiben in Saalfeld-Gorndorf und Sitzendorf. Damit gibt es in Saalfeld und Rudolstadt nur noch jeweils eine mit Personen besetzte Geschäftsstelle. Insgesamt verbleiben ab Januar 2021 noch zehn Geschäftsstellen und sechs SB-Standorte. „Damit wird die Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt weiterhin ihrem Auftrag der flächendeckenden Versorgung mit Finanzdienstleistungen gerecht.“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Martin Bayer am Montag bei einem Pressegespräch.

Demografie, Digitalisierung und Zinsentwicklung sind hauptverantwortlich

Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Carsten Sprenger machte er den Strukturwandel im Bankwesen, Demografie, Digitalisierung und Zinsentwicklung für den neuerlichen Einschnitt verantwortlich. Auch das Kundenverhalten ändere sich. Immer öfter greifen die Kunden zu telefonischen oder digitalen Bankdiensten. „Knapp die Hälfte unserer Kunden führt ihre Konten mittlerweile online“, bilanziert Sprenger.

Er glaubt, dass durch die Lockdown-Erfahrung nun eine weitere Digitalisierungswelle einsetzt. Steigende Kartenzahlungen und Nachfragen nach Online-Angeboten bestätigen diesen Trend. Der Besuch beim Berater in der Geschäftsstelle beschränke sich auf wenige Male im Jahr. Die medialen Vertriebskanäle gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Betriebsbedingte Kündigungen seien mit der Schließung nicht verbunden. „Die Mitarbeiter der betroffenen Geschäftsstellen werden künftig die Teams in den aufnehmenden Geschäftsstellen verstärken“, betonte Bayer. Durch natürlich Fluktuation und sozialverträglichen Stellenabbau werde sich die Zahl der Beschäftigten bis Jahresende 2023 um 30 bis 40 verringern.

Einsparungen erhofft man sich auch bei den Betriebskosten. In Leutenberg, Remda und Katzhütte, wo die Sparkasse Mieter ist, werden die Verträge gekündigt, für die bankeigenen Immobilien in Lehesten und Sitzendorf werden Käufer gesucht. Das Objekt in der Gorndorfer Albert-Schweitzer-Straße soll künftig als Servicecenter für Telefonkunden genutzt werden.

Leutenbergs Bürgermeister reagiert mit scharfer Kritik

Die betroffenen Bürgermeister wurden durch die beiden Bankvorstände in der vorigen Woche in die vom Verwaltungsrat bereits am 10. September abgesegneten Pläne eingeweiht - und sollen nach OTZ-Informationen wenig amüsiert gewesen sein. Leutenbergs ehrenamtliches Stadtoberhaupt Robert Geheeb (SPD) sprach gegenüber dieser Zeitung von einer falschen Entscheidung zur falschen Zeit.

„Die Versorgung mit Geld ist Daseinsvorsorge und vor allem für unsere älteren Menschen unverzichtbar! Dass es jetzt sogar einem quasi-staatlichen Kreditinstitut zu viel wird, für seine Kunden vor Ort da zu sein ist verwerflich, falsch und inakzeptabel- Damit betreibt und unterstützt man letztlich das Geschäft derer, die unser politisches System und unsere Gesellschaft ablehnen oder überwinden wollen. Der ländliche Raum und seine Bevölkerung wird völlig im Stich gelassen, wenn man sogar die Geldautomaten abzieht. Mittlerweile sind wir ja einiges gewohnt im ländlichen Raum, aber das trifft uns bis ins Mark“, erklärte der Leutenberger.