Rassismus-Vorwurf

Künstler in Bad Blankenburg beschimpft: Das sagt das Unternehmen

Bad Blankenburg.  Die Comedy-Künstler Nizar und Amjad veröffentlichen ein Video im Netz. Das Unternehmen räumt den Vorfall ein und bittet um Entschuldigung und schildert seine Sicht.

Firmensitz des Unternehmens APD Pannenhilfe Bad Blankenburg. Hier hat es einen Vorfall mit rassistischen Beleidigungen gegeben. 

Firmensitz des Unternehmens APD Pannenhilfe Bad Blankenburg. Hier hat es einen Vorfall mit rassistischen Beleidigungen gegeben. 

Foto: Foto Roberto Burian

Die Comedy-Künstler Nizar und Amjad waren in der Nacht vom 1. zum 2. November von einem Aufritt in Sonneberg kommend unterwegs in Thüringen. Nach einer Panne sollten sie in Bad Blankenburg einen Leihwagen in Empfang nehmen. Dabei kam es auf dem Gelände einer Abschlepp- und Pannenhilfe-Firma zu einer Auseinandersetzung. Ein Mitarbeiter der Firma hat die beiden Männer mit rassistischen Äußerungen beleidigt. Die Polizei war vor Ort.

Amjad hat das Geschehen auf Video aufgenommen und im Internet veröffentlicht. Daraufhin haben mehrere Medien, darunter neben dem MDR auch der Deutschlandfunk und Merkur.de, darüber berichtet. Am Dienstag hat sich Comedian Nizar per Facebook-Video mit einer „offiziellen Stellungnahme zu den Ereignissen“ gemeldet. Er bedankt sich bei allen, die Mitgefühl gezeigt haben, „bei jedem Einzelnen, der es geteilt hat, der nette Nachrichten geschrieben, das kommentiert hat, bei allen, die Welle gemacht haben im Netz. Das war eine sehr sehr gute Sache, es war richtig, was wir gemacht haben. Der Herr hat nun die Konsequenzen zu spüren. Wenn sich jemand so verhält, dann verdient er das. So ein Verhalten wird nicht geduldet“, sagt er dort. Man habe erreicht, dass die betroffene Firma „virtuell ermordet wurde, so habe ich das Gefühl“, erklärt er seinen Fans. Es gebe keine Facebook-Seite mehr, man finde sie nicht mehr im Netz, könne sie nicht mehr bewerten. „Das ist schon mal sehr sehr gut“, heißt es.

Leihwagenfirma kündigt Zusammenarbeit

Das Leihwagen-Unternehmen Sixt hat nach dem Vorfall umgehend die Zusammenarbeit mit der Bad Blankenburger Firma gekündigt. Der Kontakt mit dem Unternehmen, mit dem man erst seit wenigen Monaten zusammenarbeitet, sei bisher unauffällig gewesen. „Wir haben uns unmittelbar, nachdem wir Kenntnis von den Geschehnissen erlangt haben, mit dem Subunternehmer in Verbindung gesetzt. Die Zusammenarbeit haben wir aufgrund der im Video getätigten Äußerungen umgehend beendet. Sixt distanziert sich in aller Schärfe von jeglichem rassistischen Verhalten“, so eine Sprecherin.

Gestern hat die Inhaberin des Bad Blankenburger Betriebes auf OTZ-Anfrage reagiert. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: „Während des Vorfalls kam es zu einem Wortgefecht zwischen einem meiner Mitarbeiter und den Künstlern Nizar und Amjad. Auf dem in den Medien präsenten Video ist dabei zu hören, wie der Mitarbeiter gegenüber den Künstlern äußert ‚du Affe‘, ‚Geh doch dahin, wo du herkommst‘.

Diese Äußerungen werden durch den Mitarbeiter eingeräumt. Die letztlich vermeintlich zu hörende Äußerung ‚Türkennase‘ streitet er ab und behauptet stattdessen, die Künstler als ‚Gurkennase‘ bezeichnet zu haben. Wir können derartige Vorfälle nicht akzeptieren oder tolerieren. Wir distanzieren uns ausdrücklich von den Äußerungen des Mitarbeiters und jeglichem rassistischem, rechtem oder sonst menschenverachtenden Gedankengut.“

Unternehmen bedauert den Vorfall zutiefst

Dem Mitarbeiter gegenüber wurde eine Abmahnung ausgesprochen. Im Rahmen der weiteren juristischen Aufarbeitung seien weiterführende Schritte nicht ausgeschlossen. „Eine persönliche Entschuldigung an die Künstler wird heute erfolgen“, so Sandra Daumann, Inhaberin der Firma APD Pannen- & Unfallhilfe. Nicht unbetont lassen möchte sie, dass die bisherige Berichterstattung und Betrachtungsweise sehr einseitig erfolgt sei. „Im Vorfeld der präsentierten Videos befuhren die Künstler Nizar und Amjad unser Grundstück in Bad Blankenburg, um dort einen, bei dem Autovermieter Sixt angemieteten, Wagen abzuholen.

Bereits beim Auffahren auf das Grundstück hupten die beiden Künstler dauerhaft, so dass umliegende Nachbarn geweckt wurden. Hierauf wurden die beiden Herren von meinem Mitarbeiter angesprochen, daraufhin beleidigten die beiden Künstler meinen Mitarbeiter und drohten diesem nach seiner Aussage sogar körperliche Gewalt an. Die Situation schaukelte sich offenbar von beiden Seiten hoch und eskalierte schlussendlich in der in dem Video ersichtlichen Situation“, teilt sie schriftlich mit. Einem ausgesprochenen Platzverweis seien beide nicht gefolgt.

Die wirtschaftlichen Folgen für das Unternehmen sind gravierend. „Im weiteren Verlauf wurde durch den Künstler Nizar ein Video veröffentlicht, auf dem er zur Abgabe von Bewertungen unseres Unternehmens aufruft. Dies ist ganz klar, auch wenn so nicht ausgedrückt, ein so genannter Boykottaufruf mit dem Ziel, unserem Unternehmen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen.

Sowohl die Veröffentlichung des eigentlichen Videomitschnitts, als auch die Veröffentlichung des Boykottaufrufs sind aus unserer Sicht medienrechtlich bedenklich“, teilt sie mit. Abschließend heißt es: „Insgesamt bedauern wir diesen Vorfall in Gänze zutiefst“.

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