Kunstfertig in den Herbstferien

Saalfeld.  Saalfelder Kinder und Jugendliche bastelten in der „Chrisse“ ein Mobile aus Zweigen und ökologischen Fischplastiken.

Die Teilnehmer Leon, Benjamin und seine kleine Schwester Miriam sowie Johanna (v.l.) zeigen ihre Fischkreationen. Benjamin entschied sich für einen Hai.

Die Teilnehmer Leon, Benjamin und seine kleine Schwester Miriam sowie Johanna (v.l.) zeigen ihre Fischkreationen. Benjamin entschied sich für einen Hai.

Foto: Robin Kraska

Aus zwei Joghurtbechern und zerknülltem Papier kann durchaus ein Weißer Hai werden. Zumindest beim Ferienprogramm des Christlichen Jugendzentrums Chrisse in der Kelzstraße. Künstler Rico Hentschel aus Cunewalde in der sächsischen Lausitz arbeitete am Donnerstag und Freitag mit 16 Ferienkindern und -jugendlichen an einem Kunstprojekt.

Unter Anleitung des 37-Jährigen bastelten sie Fischfiguren aus alten Verpackungsmaterialien und scheinbar wertlosem Abfall. Milchkartons, Flaschen, Folien, Eierschachteln, Kartoffelnetze, Pappmaché, Zeitungsfetzen und Altpapier sowie aufgeblasene Luftballons wurden zu fantasievollen Plastiken von klein bis groß. Der Kreativität waren kaum Grenzen gesetzt; bunt bemalte Fantasiefische gesellten sich da zu realen Tieren, ganz kleine, nur handgroße Exemplare zu stattlichen Modellen.

Kompetenzen mit Kunst stärken

Hentschel verfolgt damit mehrere Intentionen. Neben dem Vermitteln des Themas Nachhaltigkeit sieht er auch einen sozialen Aspekt: „Die Kinder sollen wissen, dass auch sie in einer Gruppe und unserer Gesellschaft, eben einem großen Schwarm, ihren eigenen Platz haben.“ Zusätzlich entdeckten sie beim Bastelspiel ihre oft verborgene kreative Seite, wachsen über sich hinaus, und entwickelten Selbstvertrauen.

Hentschel, der hauptberuflich Musik, Kunst und Werken an einer Grundschule in seiner Heimat unterrichtet, nimmt sich weitgehend zurück, hilft bei Bedarf und bringt einige Ideen zu den Projekten mit. „Den Rest entwickeln die Kinder selbst und miteinander“. Auf Teamgeist komme es dabei ebenso an.

Und sie müssen lernen, sich zu entscheiden, denn jeder Teilnehmer bastelt zwei Fische. Einen dürfen sie mit nach Hause nehmen, der andere wird Teil eines großen Mobiles aus Lerchen- und Fichtenästen. Rico Hentschel hat sie mit seiner Familie gesammelt und weiß getüncht. „Die Fische werden dann mit Fäden daran befestigt“, erklärt er. Nach einer Präsentation für die Eltern am Freitagnachmittag ziert es nun den großen Aufenthaltsbereich der Chrisse mit Bar und Bühne. Eine bunte, aber dezente Lichterkette beleuchtet das Mobile.

Einst Luftballon, jetzt Kugelfisch

Rico Hentschel wurde nach eigener Aussage durch persönliche Erlebnisse im Kunstunterricht als Schüler inspiriert, Kindern und Jugendlichen selbst Kunst zu vermitteln. „Wichtig ist immer: Es muss nichts ganz bestimmtes entstehen, es dürfen Fehler passieren, man darf experimentieren“, sagt der Pädagoge, der mit Frau und Kindern für einige Tage in Saalfeld weilt. Bereits seit 2004 bietet der Lausitzer Kreativworkshops und Malkurse an.

In der Chrisse sind seine Teilnehmer zwischen fünf und 21 Jahren alt. Älteste Fischbastlerin ist Sammy, die nach eigener Aussage „in der Chrisse aufgewachsen ist“. Ihre Mutter wirkt hier seit Jahren als ehrenamtliche Betreuerin und gute Seele. Sammy hat sich für die Teilnahme extra von der Arbeit freigenommen. Ihr kugelförmiger Fisch hat einen aufgeblasenen Luftballon als Körper, zerplatzungsgeschützt verkleidet mit Pappmaché. Sein Name: „Bubbles!“.