Landrat Marko Wolfram besucht Agrarbetriebe in Dorfilm, Beulwitz und die Schäferei am Pochwerk in Kamsdorf

Dorfilm/Beulwitz  Die Idee war im vergangenen Jahr in Engerda geboren worden – eine Flurfahrt mit dem Landrat, um die Agrarbetriebe und ihre Sorgen besser kennen zu lernen und um die Wege zwischen Landwirtschaft und Landratsamt kürzer zu machen. Deshalb hatte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Saalfeld-Rudolstadt, Jürgen Uting, den Landrat dieser Tage zu den Agrarbetrieben nach Dorfilm und Beulwitz eingeladen. Außerdem wollte er auch die Situation eines bäuerlichen Privatbetriebes zeigen, deshalb ging es noch zur Schäferei Beier am Pochwerk in Kamsdorf.

Landrat Marko Wolfram (SPD, Zweiter von rechts) beim Rundgang im Milchviehstall der Agrar GmbH in Dorfilm. Eine Flurfahrt führte den Kommunalpolitiker gemeinsam mit Kreisbauernchef Jürgen Uting (Zweiter von links) Ende voriger Woche in verschiedene landwirtschaftliche Betriebe.

Landrat Marko Wolfram (SPD, Zweiter von rechts) beim Rundgang im Milchviehstall der Agrar GmbH in Dorfilm. Eine Flurfahrt führte den Kommunalpolitiker gemeinsam mit Kreisbauernchef Jürgen Uting (Zweiter von links) Ende voriger Woche in verschiedene landwirtschaftliche Betriebe.

Foto: Martin Modes

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Landrat Marko Wolfram (SPD), der selbst mit landwirtschaftlichen Erfahrungen aufgewachsen ist, war angetan von den gezeigten Betrieben und den engagierten Landwirten. „Mir ist es wichtig, dass ich die Situation und die Probleme aus erster Hand kenne. Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig im Landkreis und genießt leider oft nicht die gebührende Wertschätzung.“ Jürgen Uting nahm dann auch gleich in Aussicht, aus der Flurfahrt eine Tradition zu machen.

Uting wurde begleitet von Britta Ender, der Regionalgeschäftsführerin Ost des Thüringer Bauernverbandes. Sie betonte im Laufe der Flurfahrt zusammen mit den besuchten Landwirten: „Leider wird viel auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen. Dabei investieren die Betriebe längst viel in umweltgerechte Technik.“ Und Uting ergänzt: „Wir klappern viel zu wenig mit dem, was wir alles machen. Dabei gilt für jeden Landwirt: Wer mit seinen Tieren oder dem Boden schlecht umgeht, produziert weniger und erntet weniger.“

„Die Landwirte tun genau das Gegenteil – das hat mir der heutige Tag bestätigt“, stellte dann auch der Landrat fest. Dazu passend hatte Leutenbergs Bürgermeister Robert Geheeb (SPD) einen Wunsch der Politik an die Landwirte: „Es wäre schön, wenn wir mehr Landwirte in der Politik hätten, die in ihren Fraktionen die Belange der Landwirtschaft vertreten können.“

Bei der Agrar-GmbH in Dorfilm übernahm es Geschäftsführer Lothar Grossmann, den Gästen einen umfassenden Überblick zu geben. Seit 1976 arbeitet er schon in der früheren LPG, seit 1992 ist er Geschäftsführer und hinterlässt im Herbst seinem Nachfolger einen Musterbetrieb, in dem alle benötigte Technik selbst vorhanden ist – so wie die drei GPS-gesteuerten Traktoren.

870 ha bewirtschaftet der Betrieb. Futter und Getreide werden nur für den eigenen Bedarf und die eigenen Tiere angebaut. Derzeit sind das 950 Rinder, davon 250 Milchkühe, und 3.300 Schweine mit 200 Zuchtsauen. Seit 1997 gibt es eine Direktvermarktung – „und das ist gut so“, sagt Grossmann. Als Alleinstellungsmerkmal in der Region hat der Betrieb eine eigene Schlachterei, denn als einziger erfüllt er seit 2010 die neuen EU-Normen. Damit ist für die Tiere auch der kürzest mögliche Weg ohne Stress gesichert. „Der Betrieb unterscheidet sich durch seinen Kreislauf von vielen anderen“, schätzt Britta Ender ein. Und Uting unterstreicht das, „denn der Betrieb hat seit Jahren die besten Erträge im Landkreis.“ Die Dorfilmer hatten auch als erste im Landkreis eine Biogasanlage.

Eine durchwachsene Ernte steht in Aussicht

Der Landrat fragte angesichts der langen Trockenperiode nach der aktuellen Ernte. „Der erste Schnitt der Futterflächen war gut, beim zweiten Schnitt rechnen wir nur mit dem halben Ertrag“, machte Lothar Grossmann die Lage deutlich. Bei der Wintergerste zeichne sich ein unterdurchschnittlicher Ertrag ab, während besonders beim Weizen mit einem Einbruch der Erträge zu rechnen sei.

Ähnliche Erfahrungen wie in Dorfilm gibt es auch in der Agrarproduktion Beulwitz, einem Unternehmen, das Sascha Meinhardt seit 2012 leitet und das ebenfalls aus einer LPG hervorgegangen ist. Die damaligen drei Betriebssteile waren zunächst eigene Wege gegangen und sind heute wieder in der Agrar-GmbH „Saalfelder Höhe“ zusammen gefasst. Insgesamt bewirtschaftet die GmbH 3500 ha. Zum Betrieb gehören 2500 Rinder, davon 700 Mutterkühe. Angebaut werden die Feldfrüchte fast ausschließlich für den Eigenbedarf und die Versorgung der Tiere.

Am Milchviehstall in Beulwitz konnten sich die „Flurfahrer“ davon überzeugen, dass auch hier die Tiere gut untergebracht sind. Das Unternehmen hat sich als eines der wenigen im Landkreis der Initiative Tierwohl angeschlossen. „Unser Betrieb erreicht mit dem Tierwohl-Zertifikat eine Vorstufe von Bio“, so Meinhardt. Auch hier hat man in Technik und Automatisierung investiert, wie in Futterschieber oder Melkroboter. Die Tiere können selbstständig zum Melken gehen, wenn sie das Bedürfnis haben – wie für die Gäste eindrucksvoll zu sehen war. Problematisch sei leider nach wie vor der Milchpreis. Die Verbraucher seien oft nicht bereit, die höheren Kosten für zertifizierte Milch zu zahlen und greifen statt dessen zu den billigsten Angeboten.

In Kamsdorf begrüßte Cordula Beier die Gäste in ihrer Schäferei. Seit 1992 betreibt sie mit ihrem Mann die Schäferei am Pochwerk selbstständig, gesammelt hat sie ihre Berufserfahrungen dort schon seit 1978. Bis zu 1000 Schafe hatten die Beiers schon, heute sind es noch etwa 400. Bei 140 ha Fläche zwischen Goßwitz, Kaulsdorf, Fischersdorf, Gorndorf und sogar bis nach Zopten haben sie viele kleine Splitterflächen.

Was die Schäferei für den Naturschutz tut, zeigte Cordula Beier beim Ortstermin auf einer ihrer Flächen: Der Abhang war vom Landschaftspflegeverband entbuscht worden und wird jetzt von ihren Schafen gepflegt. „Wenn wir aufhören würden, würde auch die Artenvielfalt auf den Wiesen verloren gehen, die durch die Beweidung der Schafe gesichert ist.“

Dazu äußerte sich Jürgen Uting sehr bestimmt: „Wir haben nicht mehr so viele Schäfereien im Landkreis – deshalb wäre es umso wichtiger, dass ein Betrieb wie dieser erhalten bleibt und weiter machen kann.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren