Landwirte sichern Standort Catharinau

Catharinau.  Die Agrargenossenschaft investiert rund 1,25 Millionen Euro in die Milchproduktion und hat Glück mit der Getreideernte.

Geschäftsführer Heiko Dudda an einem der vier neu angeschafften Melkroboter in Catharinau. Die Agrargenossenschaft hat in diesem Jahr rund 1,25 Millionen Euro investiert, um die Milchproduktion am Standort zu sichern.

Geschäftsführer Heiko Dudda an einem der vier neu angeschafften Melkroboter in Catharinau. Die Agrargenossenschaft hat in diesem Jahr rund 1,25 Millionen Euro investiert, um die Milchproduktion am Standort zu sichern.

Foto: Thomas Spanier

Seit 1969 wird in Untercatharinau Milch produziert. Das 50-jährige Jubiläum im vergangenen Jahr ging ein bisschen unter, weil zu der Zeit viel Bewegung in der Agrargenossenschaft eG Catharinau war. Dieter Pabst, der das Unternehmen nach der Wende zu dem machte, was es heute ist, gab den Staffelstab weiter. Außerdem wurden gerade 1,25 Millionen Euro investiert, um die Milchproduktion vor Ort und damit den gesamten Standort zu sichern.

Heike Dudda ist seit Beginn des vorigen Jahres alleiniger Geschäftsführer der Agrar eG Catharinau. Der 51-Jährige ist im Hexengrund groß geworden, „mit 120 Kälbern auf dem Hof“. Nach Schulabschluss und der Ausbildung in der LPG Neusitz arbeitete er dort, machte 2002 an der Fachhochschule Stadtroda den Abschluss als Staatlich geprüfter Betriebswirt Agrarwirtschaft und ließ sich privat in Kirchhasel nieder.

Als Dieter Pabst für Catharinau einen Nachfolger suchte, war Heiko Dudda zur Stelle. Gut anderthalb Jahre dauerte der Übergang, inzwischen genießt Pabst seinen Ruhestand in Großkochberg. Als zweiter Vorstand steht der Saalfelder Matthias Rauch in den Büchern, der derzeit in Elternzeit ist.

Melkroboter sorgen für deutlich bessere Tiergesundheit

In der Milchviehanlage stehen seit diesem Jahr vier nagelneue Melkroboter, die den Großteil der Investition ausmachen. Damit ist die Zukunft des zurzeit einzigen Lieferanten der Premium-Milch von Herzgut gesichert. Für diese Milch bekommen die Kühe neben hofeigenem Grünfutter, Getreide, Mais und Futtererbsen täglich eine Extraportion Raps. Dieser ist reich an ungesättigten Fettsäuren, die so auf natürliche Weise in die Milch gelangen.

„Seit wir die Melkroboter in Betrieb genommen haben, ist viel mehr Ruhe im Stall und die Tiergesundheit geht deutlich nach oben“, sagt Dudda. Freiwillig stellen sich die gut 350 Milchkühe zwei- bis dreimal am Tag zum Melken an, auch deshalb, weil der Roboter Kraftfutter spendiert. In einem der Ställe säubert sogar ein Automat den Boden, der Mensch hat nur noch eine Kontrollfunktion.

Was sich allerdings auch auf die Zahl der Arbeitsplätze auswirkt. Statt zehn Mitarbeitern braucht man am Milchstand jetzt nur noch sechs. 22 sind es aktuell in der gesamten Agrar eG Catharinau, auf Lehrlinge hofft man vergeblich.

Entwicklung von Kosten und Erlösen passt nicht zusammen

Die Milchrinderproduktion macht knapp die Hälfte des Jahresumsatzes aus, auf den Pflanzenbau entfallen etwa 30, auf erneuerbare Energie aus der Biogasanlage 25 Prozent. „Es bedingt sich alles gegenseitig“, sagt der Geschäftsführer. Das Gros der Ernte wird als Futter verwendet, die Biogasanlage hat nur eine Zulassung mit Gülle, wofür man wiederum Rinder braucht.

80 Schafe dienen der Landschaftspflege. „Alibischafe“, sagt Dudda, denn alle Förderprogramme schreiben sie vor – und ohne Fördermittel geht in benachteiligten Gebieten wie dem Saaletal gar nichts.

Bewirtschaft werden von den Catharinauer Landwirten rund 1500 Hektar Fläche zwischen der Gondelstation in Rudolstadt-Volkstedt und der Gemarkungsgrenze zwischen Uhlstädt und Zeutsch sowie zwischen Teichweiden und Schlosskulm. Hinzu kommen ein paar Enklaven wie in Reichenbach.

Angebaut werden Marktfrüchte wie Weizen, Wintergerste, Winterroggen, Winterraps sowie Mais, Erbsen und Luzerne als Tierfutter. Ein Teil des Getreides landet in der Nestlermühle in Schwarza.

„Trotz der Trockenheit hatten wir in diesem Jahr zum Teil sehr gute Ernteergebnisse“, sagt Heiko Dudda. Es habe im Saaletal zur richtigen Zeit geregnet, die Wintergerste sei von Frostschäden verschont geblieben. Trotzdem bleiben die Sorgen um die Wirtschaftlichkeit. „Die Kosten, etwa für Energie und Reparaturen steigen im nächsten Jahr um rund zehn Prozent, aber die Erlöse bleiben gleich“, macht der Chef auf ein Problem aufmerksam, das die Catharinauer Landwirte nicht exklusiv haben dürften: „Wir können nicht entlohnen, was unsere Leute verdienen würden“.