Marder als ungebetene Gäste in Rudolstadt

Rudolstadt.  Marder sind derzeit im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt seht aktiv. Das sorgt für viel Unmut.

Erwischt: Um drei Uhr nachts treibt ein Steinmarder sein Unwesen auf einem Geräteschuppen in Rudolstadt. Das Ergebnis: Mit seinen scharfen Zähnen hat er das Blechdach aufgerissen.

Erwischt: Um drei Uhr nachts treibt ein Steinmarder sein Unwesen auf einem Geräteschuppen in Rudolstadt. Das Ergebnis: Mit seinen scharfen Zähnen hat er das Blechdach aufgerissen.

Foto: Andreas Abendroth

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Ein kleines, hundeartiges Raubtier – der Steinmarder – wird gerade für viele Bürger des Landkreises zu einem unangenehmen Gast. Besonders aus Rudolstadt kommen viele Berichte, dass Marder wieder zugeschlagen haben. So wurde in der Weinbergstraße beispielsweise im Motorraum eines Fahrzeugs großer Schaden angerichtet. In der Kirchgasse konnten einige Einwohner nicht bei offenem Fenster schlafen, da zwei Marder mitten in der Nacht auf dem Dach ihre Revierkämpfe austrugen.

Man kann es kaum glauben, was die kleinen Tiere für einen Lärm verursachen. Also legte ich mich mit der Kamera auf die Lauer. Um drei Uhr war es so weit. Ich erwischte den Ruhestörer beim Aufreißen des Blechdaches eines Geräteschuppens auf dem Nachbargrundstück. Als ich am nächsten Tag der Nachbarschaft meine nächtlichen Schnappschüsse präsentierte, waren sie über die Kraft des kleinen Tieres sehr erstaunt – über den verursachten Schaden mehr als verärgert. „Den Krawall hören wir schon seit einigen Tagen. Nur zu Gesicht haben wir den Verursacher nie bekommen.“ Familie Roloff berichtet, dass das Tier erst vor wenigen Wochen im Auto der Tochter gewütet hat. Sie wollte früh zur Arbeit fahren, kam aber nicht weit. Der Abschleppdienst musste das Fahrzeug zur Werkstatt bringen.

Bürger sind erfinderisch bei der Gegenwehr

In einer Online-Umfrage teilten über 50 Bürger des Landkreises mit, dass sie bereits Begegnungen mit Mardern hatten. Ein Herr K. aus Obernitz schreibt beispielsweise: „Bei uns laufen sie ganz ungeniert auf der Straße und in unserem Hühnerstall sind sie auch regelmäßig anzutreffen, aber der Schaden hält sich noch in Grenzen.“ Frau H. aus Uhlstädt schreibt: „Sie vertilgen massenhaft Ratten und Mäuse. Übergriffe auf Eier und kleine Nutztiere meistens nur, wenn sie ihre Kinder aufziehen. Ich beobachte nachts fünf Marder. Drei Kinder und zwei erwachsene Tiere. Bei uns haben sie noch nichts angestellt, außer schön wild gespielt.“

Auch in Cumbach sind sie lautstark unterwegs und beißen sich fleißig durch. Meldungen von Schäden am Auto kamen beispielsweise aus der Rudolstädter Otto-Nuschke-Straße, der Külzstraße, der Caspar-Schulte-Straße und aus Mörla.

Die Bürger sind erfinderisch, arrangieren sich mit den Tieren. In den Motorraum kommen Säckchen mit Hunde- oder Katzenhaaren, auf dem Dachboden werden WC-Steine aufgehängt. Kaninchenstalldraht kommt unter das Auto, ein Bürger setzt auf die Eigen-Urin-Methode zur Abwehr. Viele haben in ihren Autos aufgerüstet. So beispielsweise mit Ultraschallgeräten im Motorraum.

In Städten gibt es ein Jagdverbot

Doch was machen, wenn die Wildtiere im innerstädtischen Bereich ihr Unwesen treiben? So einig sind sich da die behördlichen Stellen nicht. Auskünfte wie: „Oh, da können wir auch nichts machen“ bis hin zu: „Seien Sie froh, dass es kein Waschbär ist“ bekommen die Bürger amtlicherseits serviert.

Ausführlicher ist da die Auskunft der Unteren Jagdbehörde des Landratsamtes. Diese teilt auf eine Anfrage mit: „Betroffene Bürger sollten zunächst versuchen, mittels Vergrämungsmitteln ihr Eigentum vor dem Marder zu schützen beziehungsweise ihn zu vertreiben. Sollte dies nicht gelingen, können sich Betroffene bei der Unteren Jagdbehörde telefonische Auskünfte einholen. Anzumerken ist hier jedoch, dass ein Marder, entgegen verbreiteter Meinung der Bürger, nicht durch Jäger in befriedeten Bezirken bejagt werden kann. Als befriedete Bezirke zählen insbesondere Innenstädte. Aus diesem Grund ist eine Bejagung in Hausgärten oder Gartenanlagen nicht möglich. Das weitere Vorgehen sollte daher im Einzelfall mit der Unteren Jagdbehörde abgesprochen werden.“

Lebt der Steinmarder in einer Grauzone? Sind Interessenskonflikte durch den direkten Kontakt mit dem Menschen vorprogrammiert?Es hat den Anschein, dass die Tiere ihre Scheu vor dem Menschen teilweise verloren haben, sich auch aus geringer Distanz beobachten lassen. Besonders das Auto dient als sicherer Rastplatz oder Versteck für Nahrung.

Der „hauseigene Marder“ tut eigentlich nichts. So lange, bis ihn der Geruch eines Rivalen in die Nase steigt. Dann kommt es zum aggressiven Beißen. Das Opfer, Zündkabel und Kühlschläuche, Dämmungen im Fahrzeug. Das Revier muss unbedingt verteidigt werden.

Doch was kann der Mensch tun? Antwort erhalte ich von Sophia Niedermayer, welche sich von Berufswegen mit der Marderabwehr auskennt. „Im Schadensbereich sprechen wir immer vom Steinmarder. Er unterliegt nicht dem Artenschutz, dafür jedoch dem Jagdrecht. Für den Normalbürger bedeutet dies, dass beispielsweise der Marder aus dem Motorraum des Fahrzeuges vertrieben werden darf. Dabei darf der Nager nicht gefangen, verletzt oder gar getötet werden. Das Zerstören von Schläuchen oder Kabeln im Auto gilt nicht als Gefahr für den Menschen – auch wenn der Puls bei der Entdeckung eines Marderschadens leicht in unnatürliche Höhen schießen kann.“

Tiere sollen vergrämt werden

Was bleibt, sind die Möglichkeiten des Vergrämens. Im Hausbereich sollte man dem Marder ebenso Schlafprobleme bereiten, wie er dem Menschen. Gute Mittel sind Lampen mit Bewegungsmeldern, Ein Radio, das auf dem Dachboden eine Permanentbeschallung ermöglicht. Ist der Marder ausgesiedelt, sollten die Zugänge gut verschlossen werden.

Beim Auto gibt es auch verschieden Möglichkeiten. „Bei der Marderabwehr ist auf Methoden zurückzugreifen, die das Tier nicht gefährden. Dazu gehört übrigens auch die Abwehr nach dem Weidezaunprinzip. Die von Hochspannungsgeräten abgegebenen Stromstöße dienen hierbei lediglich der Abschreckung des Marders, sind jedoch keinesfalls verletzend oder gar tödlich für das Tier“, so Niedermayer.

Besonders pulsierende Ultraschallmethoden haben sich seit Jahren bewährt. Der Sinusultraschall entspricht den aggressiven Warntönen eines Marders, ist für den Menschen meist nicht hörbar. Oftmals macht es auch die Kombination von mehreren Abwehrmethoden aus. Ultraschall mit Hochspannung gepaart.

„Wir empfehlen diese Geräte besonders dann, wenn der Fahrzeughalter sich in einem Gebiet befindet, in dem sich aggressive Tiere gerade im Revierkampf befinden oder „Veteranen“ mit veränderter Hörschwelle unterwegs sind. Ganz nach dem Motto „Wer nicht hören will, muss fühlen!“ Als Metapher zum besseren Verständnis könnte man hier auch den Einbruchschutz des eigenen Hauses heranziehen. Befindet man sich in Gebieten in denen die Einbruchquote in den letzten Jahren eher gering war, reicht ein normales Haustürschloss. Bei hoher Einbruchquote ist es jedoch empfehlenswert, sich mit einer Alarmanlage zusätzlich abzusichern“, so die Expertin.

Letztlich müssen wir uns wohl mit unseren uneingeladenen, tierischen Mitbewohnern arrangieren. Vergrämungsmaßnahmen helfen nur punktuell, denn Marder sind sehr lernfähig. Und wir dürfen nicht vergessen: Wir selbst sind mit Schuld am Konflikt. In vielen Bereichen haben wir dem Marder ihre Quartiere genommen.

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