Meine Meinung: Immerhin wieder Musik

Robin Kraska über den Wert von Sehnsucht in der Krise.

Robin Kraska

Robin Kraska

Foto: Peter Michaelis

Es ist aber auch zum Mäuse melken! Kaum ein Lebensbereich, der vom Virus nicht tangiert wird. Dieses muss ausfallen, jenes verschoben werden. Was stattfinden kann, ist ohne die längst sattsam vertrauten Maßnahmen nicht denkbar. Zwar können die Saalfelder Jazztage stattfinden, doch nur mit ausgedünnter Platzzahl, ohne den beliebten Frühschoppen, und ein älterer Künstler hat auch noch abgesagt. Verübeln kann man es ihm nicht, im Gegenteil zeugt dieser Schritt von Weitsicht. Sicher macht ihn sich niemand leicht, dessen Beruf fast immer auch Leidenschaft und Berufung sein dürfte.

Nun gilt es, aus der Situation das Beste zu machen, so wie es uns die Musik vorlebt. Kaum einer, der sich dem Sog aus großen Gefühlen und leiser Nachdenklichkeit von „Chazzon“ am Freitag entziehen konnte. Ihre Mischung aus Latin, Jazz, Tango und Chanson ist aber auch einfach treibend. Und gerade der Tango lehrt, trotz aller Widrigkeiten und Traurigkeit die Sehnsucht nach Leben nicht zu verlieren, immer nach vorn zu schauen.

Träumen kann durch schwierige Zeiten helfen, auch als Erwachsener. Gleichzeitig braucht es engagierte Macher und disziplinierte Besucher zum Gelingen. Dass Saalfeld beides bietet, zeigt sich zu den Jazztagen aufs Neue. Und wenn einer, der schon Hamburgs Mega-Konzerthaus mitgerissen hat, zu uns kommt, spricht das auch für den Leumund der Veranstaltung.

Saalfelder Jazztage starten hochklassig