Mit dem Förster Gutes tun

Saalfeld.  Kinder und Jugendliche aus dem Saalfelder Freizeitzentrum „Chrisse“ haben in ihren Ferien Nistkästen gebaut und im Stadtwald aufgehängt.

Schüler Justin Wiczorek zeigte handwerkliches Geschick beim Annageln der Nistkästen.

Schüler Justin Wiczorek zeigte handwerkliches Geschick beim Annageln der Nistkästen.

Foto: Robin Kraska

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Die Halbzeit ihrer einwöchigen Winterferien beginnt für die 15 Jungen und Mädchen an diesem kalten Mittwochvormittag mit einem freiwilligen Fußmarsch von der Bushaltestelle zum Kreller. Hier, am Schießplatz des Schützenvereins Beulwitz 1991, treffen die Ferienschüler auf Revierförster Andre Kaul. Tags zuvor haben sie im Jugend- und Freizeitzentrum Chrisse Nistkästen gebaut im Rahmen der Winterferien-Aktionstage „Ein Zuhause für unsere Vögel“. Nun wollen sie sie mit Andre Kaul in diesem Teil des Stadtforstes verteilen. „Außerdem haben wir selbst Vogelfutterkugeln hergestellt“, sagt Chrisse-Betreuerin Kathrin Zander, als sich der Tross unter Führung des Waldexperten in Bewegung setzt. Als heimlicher Star entpuppt sich schnell Kauls Stockhaardackeldame „Jana“, gerade ein Jahr alt, der die Schar unbekannter Kinder nichts ausmacht. Bald steht für Jana die Jagdhundprüfung an.

Kaum drei Minuten unterwegs, hat Kaul schon einen passenden Baum entdeckt. „Wir hängen sie besser an nicht ganz perfekten Exemplaren auf“, erklärt er der Gruppe; schließlich müssen sie angenagelt werden. Das Ferienangebot ist eine Kooperation mit der Stadtverwaltung. Sally Rentsch vom Kinder- und Jugendausschuss hat die Bausätze zuvor im Internet bestellt, zehn Exemplare sind entstanden. Chrisse und Stadt sowie die anderen Freizeiteinrichtungen arbeiten untereinander häufig zusammen, gerade in den Ferien.

Vogelkunde versus Videospiele

Als Hobbyornithologe hat Andre Kaul immer sein Bestimmungsbuch dabei. Das sichtlich zerschlissene Werk begleitet den 40-Jährigen seit seiner Jugend. Nun dient es dem Naturfreund dabei, den Teilnehmer einige heimische Arten und ihre Rufe näherzubringen. Ihr Vorwissen ist erwartbar unterschiedlich. Dass elektronische Medien in diesem Alter naturgemäß mehr reizen, als Naturerlebnisse, mag einleuchten. Trotzdem entwickelt sich schnell ein gewisser Eifer über die Fragen, welcher Baum geeignet sein könnte, wie das Holzhäuschen anzubringen ist, was es zu beachten gilt. Nägel und Hämmer haben sie mitgebracht. „Richtet ihn besser Richtung Wald aus“, empfiehlt Kaul, der oft waldpädagogische Angebote wie diese durchführt.

Als besonders talentiert erweist sich Justin Wiczorek. Der 15-Jährige besucht das Heinrich-Böll-Gymnasium und ist Mitbegründer der „Wald AG“ von Sally Rentsch. Seine handwerkliche Begabung wird nur torpediert durch die offenbar ausbaufähige Verarbeitung der Bausätze: Die Rückenplatte mag nicht am Boden halten, ein Nistkasten dekompensiert gänzlich. „Stellt sie einfach auf den Waldboden, ich fahre später nochmal durch und befestige sie richtig“, ruft Andre Kaul den Hang hoch. Justins Kasten würde vielleicht sogar halbwegs halten, aber: „Es wäre ja sehr schlecht, wenn der Kasten später abfällt, wenn vielleicht schon Vögel darin brüten“, sagt Kaul. Früher war Justin noch öfter in der Chrisse, als heute, aber die beiden Aktionstage wollte er unbedingt mitmachen.

Welcher Nadelbaum verliert seine Nadeln?

Der Weg führt weiter bergauf, zunächst Richtung Wittmannsgereuth, dann Richtung Bad Blankenburg. An einem Baum zeigt Andre Kaul die Auswirkungen des Borkenkäfers. Kathrin Zander spielt Baumbestimmung mit ihren Schützlingen, die freilich noch nicht ganz sattelfest sind. „Welcher Nadelbaum verliert als einziger im Winter seine Nadeln?“, will sie wissen. Die Birke ist kein Nadelbaum, Fichte und Kiefer behalten ihre… letztlich führt der Tipp mit dem (fast) gleichnamigen Vogel zur richtigen Lösung „Lärche“. Nach und nach sind alle heil gebliebenen Kästen angenagelt, was zu zweit besser geht, als allein. Die Gruppe beweist gute Teamfähigkeiten. Auf dem Rückweg Richtung Kreller lässt sich Jana dann auch von einem Jungen an der Leine führen.

Wieder am Ausgangspunkt entfacht Andre Kaul ein Lagerfeuer am Wegesrand. Die Truppe sammelt dünne Ästchen und zerbricht sie zu kleinen Reisigportionen. Ein paar Holzscheite hat der Förster mitgebracht, die er mit dem Beil spaltet. Nach getaner Arbeit hängen nun Semmeln und an den Enden aufgeschlitzte Würstchen an angespitzten Holzstöcken über dem Feuer, Apfelstücke und Süßigkeiten werden herumgereicht.

Der Donnerstag in der Chrisse geriet mit einem gemeinsamen Waffelbacken dann betont besinnlich, während es am Freitag sportlich zuging: Ein Turnier war angesetzt, zur Auswahl stand Billard oder Tischtennis. „Billard hat gewonnen“, sagt Kathrin Zander.

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