Mit dem „Panzerblitzer“ gegen Raser in Saalfeld

Saalfeld.  Das Ordnungsamt der Feengrottenstadt setzt eine halb-stationäre Geschwindigkeitsmessanlage ein. Die Anwohner in Reichmannsdorf finden das gut.

Saalfelds Ordnungsamt hat neuerdings einen "Panzerblitzer" im Einsatz. Dabei handelt es sich um eine "semi-stationäre Blitzer-Anlage". Im Bild: Messbediensteter Jens Kersten in Reichmannsdorf.

Saalfelds Ordnungsamt hat neuerdings einen "Panzerblitzer" im Einsatz. Dabei handelt es sich um eine "semi-stationäre Blitzer-Anlage". Im Bild: Messbediensteter Jens Kersten in Reichmannsdorf.

Foto: Guido Berg / OTZ

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Saalfelds Ordnungsamt rüstet auf: Raser im Saalfelder Stadtgebiet müssen neuerdings damit rechnen, von einem so genannten „Panzerblitzer“ geblitzt zu werden. Dabei handelt es sich nach Auskunft von Ordnungsamtschef Kai-Uwe Koch und dem Messbediensteten Jens Kersten um eine „semi-stationäre Anlage“. Das ist eine Blitzeranlage, montiert auf einem robusten Anhänger, der im Gegensatz zu stationären Anlagen, so genannten „Starenkästen“, in ihrem Standort verändert werden können. Mobil ist die in einem Mercedes-Bus installierte Blitzer-Anlage, über die das Ordnungsamt ebenfalls verfügt, zwar auch. Doch den „Panzerblitzer“ können Messbediensteten allein lassen, er arbeitet autark und bezieht seine Energie aus Akkus, die für einen einwöchigen Betrieb reichen.

Via Mobilfunk Fernzugriff auf die „Raserporträts“

Der „Enforcement Trailer“ (Durchsetzungs-Anhänger) des Herstellers Vitronic ist gepanzert und durch ein Alarmsystem vor Vandalismus erwischter und erzürnter Schnellfahrer geschützt. Seine Räder sind absenkbar, so dass er durch Unbefugte nicht abtransportiert werden kann. Ein integriertes Modem ermöglicht via Mobilfunk den Fernzugriff auf die „Raserporträts“. Nicht zuletzt verfügt der „Panzerblitzer“ über eine integrierte Feuerlöschanlage. Dem Ordnungsamtschef zufolge sind für die Miete des „Panzers“ und des mobilen Blitzers zusammen 150.000 Euro im 2020er Haushalt der Stadt eingestellt.

Es sei der Saalfelder Polizeichef Holger Schulz gewesen, der die Saalfelder Ordnungsamtler fragte: „Könnte das nicht etwas für Euch sein?“ Da Saalfeld nach der Eingemeindung neuer Ortsteile über ein großes Territorium verfügt, findet es Amtschef Koch praktisch, in Reaktion auf Anwohner-Beschwerden eine Blitzer-Anlage in einem Ortsteil „abstellen“ zu können: „Wir reagieren auf Hilferufe der Bevölkerung.“

„Panzerblitzer“-Einsatz in der Goldgräberstraße in Reichmannsdorf

Die Anwohner nehmen laut Koch und Kersten den „Panzerblitzer“ recht positiv auf. Momentan steht er in der Goldgräberstraße in Reichmannsdorf auf einer Fläche, die einem Anwohner gehört. Dieser sagt, in der Nacht rasten Fahrer „mit über 100 Sachen“ durch den Ort, man könne kaum schlafen wegen der lauten Motorengeräusche. Dass der Blitzer für besonders fotogene PS-Junkies nun Konsequenzen bringen wird in Form von Bußgeldern und Punkten ist ihm nur recht: „Wer nur wenig schneller als 50 fährt, braucht doch keine Angst zu haben.“ Koch zufolge löst der Blitzer innerorts bei elf km/h über Normgeschwindigkeit aus, außerorts bei 14 km/h über erlaubter Geschwindigkeit. Wer also geblitzt werde, ist auch deutlich drüber.

Bereits im vergangenen Jahr wurde der „Enforcement Trailer“ an 119 Einsatztagen im gesamten Stadtgebiet und verstärkt in den Ortsteilen getestet. Fast 6000 Mal blitzte es aus dem Panzeranhänger. „Für uns ist er eine schöne Ergänzung“, bilanziert Koch die ersten Einsatzerfahrungen. Auch die Goldgräber Straße in Reichmannsdorf erweist sich als Goldgrube: Der Messbedienstete Kersten fand am Donnerstagmittag genau 178 Raserfotos des blitzenden Anhängers vor, geschossen seit Freitag vergangener Woche.

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