Nichts geht ohne den Vorturner

Magdala  Fußball: Rainer Buschmann trainiert die Damen des TSV Magdala im siebten Jahr. Schuld ist die eigene Tochter Lisa

Rainer Buschmann ist Magdalas Erfolgstrainer.

Rainer Buschmann ist Magdalas Erfolgstrainer.

Ja, ja, die Zeiten ändern sich. Weiland, als er ein Bub war, habe man sich in der Schule verabredet, „um dann hinterher gleich auf den Sportplatz zu rammeln und zu zocken“, sagt Rainer Buschmann. Und abends habe man sich dann den Schulaufgaben gewidmet. Der Sportplatz, wie der 57-Jährige es sagt, war Lebensmittelpunkt. Als Stürmer hat er früher die Strafräume der Region unsicher gemacht. „Und je älter man wurde, desto mehr rückt man nach hinten. Am Ende spielte ich Libero“, erinnert er sich. Was ihm damals imponierte, war der Zusammenhalt, auch neben dem Platz. Eine Tugend, die ihm bis heute wichtig ist – und die er auch in der modernen Welt der Mobiltelefone einfordert. Als Trainer der Fußballerinnen des TSV Magdala nämlich. Man fröne jedem Geburtstag, sitze noch lange nach dem Training oder dem Spiel zusammen, organisiere Wanderausflüge und andere Fahrten zu Basketballspielen in Jena und Elxleben oder zu Länderspielen. Dieser Stil, so sagt er es, habe sich herumgesprochen. Und deswegen spielen seine Damen allesamt gern beim TSV.

Auch am vergangenen Wochenende. Die neue Spielgemeinschaft aus Arnstadt und Kirchheim war zu Gast auf der Anlage. Gleich hinter den Trainerbänken steht der Zaun zur Kleingartenanlage. Dieses Idyll stört Buschmann nicht mit lautstarkem Gezeter an der Seitenlinie. „Nicht meine Art“, sagt er. Nur einmal habe er sich vergessen, vergangene Saison sei das gewesen. „Da stand ich auf dem Feld und hab dem Schiedsrichter mal gesagt, was ich von seinen Entscheidungen halte. Am Abend saß ich dann in meinem Wintergarten und war kurz über mich selbst erschrocken. Nochmal passiert mir das also nicht“, erklärt er und lacht. Man fiebere eben mit, leide – und freue sich auch. Der Erfolg sei nur möglich, wenn man Ambitionen hat. Und die unterstreicht er mit seinem Engagement. „Ich weiß, dass ich der Vorturner bin. Und ohne den geht nun mal nichts“, sagt Buschmann.

Einmal pro Woche lädt er zum Training, dazu noch das Spiel. Das mag wenig klingen, führt er aus, und doch zehre es an den Nerven. „Weil man auch an den Tagen dazwischen nicht abschalten kann. Ich bin im Außendienst tätig, fahre lange Strecken. Da ist genug Zeit, um nachzudenken“, sagt er. Darüber, was man anders machen könne, was gut, was schlecht lief. Zumal die Wortwahl eines Trainers im Frauenfußball entscheidend sein kann. „Nach einer Ansprache kommt die eine und sagt, sie sei nicht motiviert genug, und die andere hat schon Tränen in den Augen, weil es zu viel war.“ Daran habe auch er sich erst gewöhnen müssen, als er vor über sechs Jahren das Amt übernahm. Töchterchen Lisa ist schuld. „Sie war früher erfolgreiche Turnerin. Mit 14 Jahren kam sie zu mir und erklärte: Papa, ich will Fußball spielen. Da musste ich schon stutzen. Danach blieb sie am Ball und irgendwann fehlte ein Trainer. Wieder stand sie da, kam zu mir – und ich habe zugesagt“, erzählt Buschmann.

Bereut habe er es nie, die Erfolge auf dem Platz sind da. Serienkreispokalsieger, konstant in der Spitze der Kreisliga – und eine dankbare Truppe, wie Buschmann sagt. „Die kommen nämlich alle regelmäßig zum Training und lassen einen nie im Stich“, sagt er. Gegen Arnstadt/Kirchheim gab‘s am Wochenende ein wichtiges 2:0. „Wir hatten in der Vorwoche Punkte liegen lassen und waren auf Wiedergutmachung aus“, erzählt der Trainer. Elisa Richter, Medizinstudentin aus Jena, brachte Magdala 1:0 in Front, später legte Stefanie Kreißl das 2:0 nach. Man dominierte die Gäste zwar, ließ aber doch die eine oder andere Torchance zu. Das wiederum ärgerte den Mann an der Seitenlinie. Da sind sie wieder, die Ansprüche, die Buschmann stellt. Gern möchte er auch den Sprung in die Landesklasse wagen, gern auf Großfeld spielen, statt Neun gegen Neun im Kreismaßstab. Doch er ist auch Realist. „Wir haben schon einige Muttis im Team, dazu fehlen immer mal ein paar wichtige Spielerinnen. Es ist nicht garantiert, dass wir das eine Saison durchhalten würden. Und halbe Sachen mache ich nicht“, sagt Buschmann.

Diese Einstellung habe er schon sein Leben lang. Eben seit er als Bub tagtäglich auf den Sportplatz rannte, um mit seinen Freunden gegen das Leder zu treten. Etwas, was er heutzutage bei den Jugendlichen vermisse. Die Zeiten, so sagt Buschmann, die haben sich eben geändert.

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.