Oberweißbacher Musikerin verlegt Tanzfläche ins Internet

Amsterdam/Oberweißbach.  Die Corona-Pandemie hat DJ und Model Kristin Schrot aus Oberweißbach die Arbeitsgrundlage genommen. Die Tanzfläche verlegt sie deshalb ins Internet.

Als Miss Nine legt Kristin Schrot auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol auf.

Als Miss Nine legt Kristin Schrot auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol auf.

Foto: Inhouse Events

Mit der Turbine einer Boeing 747 im Rücken steht Miss Nine an den Plattenspielern. Die Musik, die aus den Lautsprechern tönt, lässt die kalte Nachtluft auf dem Flughafen pulsieren. Hunderte sehen der DJane dabei zu, wie sie die Melodie abmixt – und zwar nicht dicht gedrängt im Zuschauerraum. Das Publikum sitzt überall auf der Welt vor Endgeräten.

Mit Online-Konzerten wie dem am Samstagabend hat Kristin Schrot, wie man Miss Nine in ihrer thüringischen Heimat Oberweißbach kennt, Erfahrung. Seit die Corona-Pandemie Konzerte beinahe unmöglich gemacht hat, strahlt sie ihre Auftritte im Internet aus. Der Schauplatz, der Amsterdamer Flughafen Schiphol, ist diesmal aber doch etwas Besonderes. Ursprünglich hatte sie die niederländische Burg Keukenhof als Kulisse ausgewählt, „um nah an der Natur zu sein“.

In Schiphol legt Miss Nine für „Inhouse Events“ auf, einen niederländischen Dienst, der Online-Festivals ermöglicht. Weitere Thüringer Künstler wie DJ Lennox und Patrick Boersch sowie internationale Musiker spielen an dem Abend. Zuschauer können dabei miteinander interagieren. Kristin Schrot nutzt diese Form der Verbreitung von Musik. Als das Corona-Virus in den USA angekommen war und nach und nach alles schließen musste, baute sie ihre Plattenspieler kurzum auf einem Hoteldach in Miami auf.

Tournee durch USA und Asien abgesagt

2020 sollte Miss Nine eigentlich durch Asien und die Vereinigten Staaten touren. Im März hatte sie gerade das Arbeitsvisum für die USA erhalten und arbeitete in Miami, als ihre Aufträge und schließlich auch die Tournee abgesagt wurden. Neben ihrer Musikkarriere arbeitet Kristin Schrot als Model. Sie beschloss, in Miami zu bleiben. „Ich habe fast drei Monate in den USA verbracht und wirklich jede Minute genossen“, sagt Schrot. Ihre Live­stream-Projekte, die sie bereits vor der Pandemie gestartet hatte, führte sie in Miami weiter. Als Kulisse dienten unter anderem das virusbedingt geschlossene Hotel ihrer Freunde. „Ich konnte die Dachterrasse für meine Livestreams nutzen, und Menschen aus aller Welt konnten dabei sein, während sie sich isolierten“, sagt Kristin Schrot.

„Die Pandemie hat mir einen tieferen Einblick in meine Arbeit gegeben“, sagt die DJane. „Natürlich ist die Situation beängstigend, doch wir sitzen alle im selben Boot, also hat es auch etwas Gutes, herunterzufahren, Zeit zum Nachdenken zu haben und die kleinen Dinge schätzen lernen zu können.“ Die Zeit habe sie zudem zum Schreiben von neuen Liedern und für die Planung der Zusammenarbeit mit weiteren Künstlern genutzt. Im Mai hat Miss Nine das Lied „Don’t let me go“ veröffentlicht und es in einige Playlists des Musikanbieters Spotify geschafft – ein Gradmesser für Erfolg im Zeitalter des Streamings.

Kreative Konzepte zwischen Mode und Musik entwickeln

Das Modelgeschäft läuft wieder an und beschäftigte Kristin Schrot zuletzt mehr als die Musik, berichtet sie. Einige Aufträge wurden verschoben und konnten schließlich mit ihr umgesetzt werden. Nach knapp drei Monaten in den USA ging es für sie zurück in ihre Wahlheimat, die Niederlande. Von dort aus reist sie deutlich weniger als zuvor. Statt in Flugzeugen ist sie in Zügen unterwegs in die Schweiz, nach England und Deutschland gewesen. Coronatests seien dabei zur Routine geworden, sagt Kristin Schrot.

„Im Entertainment-Geschäft passiert derzeit nicht viel“, sagt Kristin Schrot, „deshalb fokussiere ich mich auf das Entwickeln neuer kreativer Konzepte zwischen Mode und Musik. Das ist das, was mir Spaß macht – geschäftig bleiben.“