Planer-Empfehlung: Kein Parken auf dem Saalfelder Kirchplatz

Saalfeld.  Historisches Ereignis: Die erste Online-Debatte in Saalfeld. Ein Planungsbüro stellte Varianten für die Blankenburger Straße und den Kirchplatz vor.

In einer Online-Debatte diskutierten die Saalfelder am Donnerstagabend über die künftige Gestalt von Kirchplatz und Blankenburger Straße. So sieht „Planorama“ den Spielplatz auf dem Kirchplatz.

In einer Online-Debatte diskutierten die Saalfelder am Donnerstagabend über die künftige Gestalt von Kirchplatz und Blankenburger Straße. So sieht „Planorama“ den Spielplatz auf dem Kirchplatz.

Foto: Screenshot: Guido Berg

Es war eine Premiere mit Erfolg: Erstmals diskutierten die Saalfelder in einer Online-Debatte über ein wichtiges Thema ihrer Stadt. Konkret ging es am Donnerstagabend um die geplante Umgestaltung von Kirchplatz und Blankenburger Straße. Das Berliner Planungsbüro „Planorama“ hat die Vorschläge der Saalfelder aus der ersten Runde der Bürgerbeteiligung aufgenommen und in drei grundlegende Ausbau-Varianten einfließen lassen.

Von Berlin aus referierte Architekt Ulf Schrader via Internet; in Saalfeld nahmen Bürgermeister Steffen Kania (CDU) und seine Verwaltungsspitzen an der Online-Debatte teil. Die Moderation hatte David Theobald, an ihren Computern zu Hause konnten bis zu 100 Saalfelder und Interessierte an dem Chat teilnehmen, der per Video aufgenommen wurde und auch auf der Internetseite der Stadt abrufbar sein soll.

Drei Varianten für die Blankenburger Straße

Schrader von „Panorama“ legte jeweils drei Grundvarianten für die Blankenburger Straße und den Kirchplatz vor, die jeweils auch miteinander kombinierbar sind. Als erste Variante für den Boulevard sieht Schrader einen starken Straßencharakter mit einer freien, breiten Straßenmitte und einer guten Sichtbeziehung vom Markt zum Blankenburger Tor. Rechts und links der Straße zieht sich jeweils ein Band „mit mehr Vegetation“ entlang.

Die zweite Variante sieht „eine Mischung zwischen Platz- und Straßencharakter vor; die Gestaltung ist etwas spielerischer“. Die dritte Variante gibt den Straßencharakter fast völlig auf, die „grünen Inseln“ „mäandern“ jeweils spielerisch auf die linke und rechte Boulevard-Seite. Diese dritte Variante betont die Fußgängerzone, es passe das Schlagwort „Shared Space“ – „gemeinsamer Raum“.

„Wie hart ist die Treppen-Kante zum Platz?“

Beim Kirchplatz gebe es zwei zentrale Fragen: „Wie stark ist die Öffnung zur Blankenburger Straße?“ Und: „Wie hart ist die Treppen-Kante zum Platz?“ In der ersten Planorama-Variante schiebt sich die Treppe etwas näher in die Blankenburger Straße. Der Kirchplatz ist etwas größer, der Treppenübergang ist relativ weich und flach. Eine zweite Variante sieht eine relativ harte Treppenkante vor. Die dritte Variante zieht die Treppe etwas in Richtung Kirche, die Treppe wird Teil des Kirchplatzes.

Heiß diskutiert werden dürfte die Frage nach der genauen Gestaltung des Kirchplatzes – insbesondere in der Frage der öffentlichen Parkplätze. Die drei Varianten: Erstens, Parken ist möglich sowohl auf der Nord- und Südseite, aber auf jeden Fall nicht unmittelbar an der Kirche, sondern an den Häuserfronten. Zweitens, Parken ist nur auf der Nordseite möglich, auf der Südseite entsteht eine Spielfläche und eine Gastronomiefläche. Drittens, Parken ist weder auf der Nord- noch auf der Südseite möglich. Der Süden ist geprägt durch Spiel- und Gastronomiefläche, auf der Nordseite entsteht „eine Art Garten, ein Ort zum Zurückziehen mit viel Schatten durch einen hohen Grünanteil“.

Schrader: „Ich weiß, das wird Diskussionen auslösen“

Die Empfehlung von Planorama lautet so: Variante 1 - starke Straßenbetonung – bei der Blankenburger Straße. Beim Übergang zum Kirchplatz favorisiert Planer Schrader ebenfalls die Variante 1, also der weiche Übergang mit flacher Treppe. Beim Kirchplatz – Schrader: „Ich weiß, das wird Diskussionen auslösen“ – empfiehlt Planorama Variante 3, also keine Parkplätze auf dem Kirchplatz.

In der anschließenden Online-Debatte lautete die erste Frage: „Bleibt die Linde?“ Die Antwort, ausgesprochen von Theobald: „Niemand hat die Absicht, die Linde zu fällen.“ Auch Planer Ulf Schrader in Berlin nickt deutlich in Richtung seiner PC-Kamera.

Baubeginn in der zweiten Jahreshälfte 2022

Die Saalfelder haben noch mindesten bis zum 30. November Zeit, ihre Vorstellungen bei der Stadtverwaltung schriftlich einzureichen. Zum weiteren Zeithorizont: Der Stadtrat könnte im Frühjahr 2021 eine Grundsatzentscheidung zu einer Ausbauvariante fällen, so Tiefbauamtschef Uwe Neumann. Im Frühsommer 2021 fiele dann im Stadtrat der Ausbaubeschluss. Baubeginn am Kirchplatz könnte im zweiten Halbjahr 2022 sein.