Wo wohnen junge Familien?

Planer warnen vor Zersiedelung Saalfelds

Saalfeld.  Stadtentwicklungskonzept „Saalfeld 2035“ im Bauausschuss vorgestellt: Debatte um Einfamilienhaus-Bau versus Brachen-Reaktivierung.

Wohnungsleerstand in Saalfeld: Zahlreiche Häuser in der Saalfelder Innenstadt stehen leer. Oft sind die Eigentumsverhältnisse unübersichtlich, die Aktivierung dieses Wohnraums gilt als schwer.

Wohnungsleerstand in Saalfeld: Zahlreiche Häuser in der Saalfelder Innenstadt stehen leer. Oft sind die Eigentumsverhältnisse unübersichtlich, die Aktivierung dieses Wohnraums gilt als schwer.

Foto: Guido Berg / OTZ

Die Vorstellung des neuen Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (Insek) „Saalfeld 2035“ hat zu Nachfragen von Stadträten geführt. Die Planer Uwe Wilke und Cornelia Sell vom Stadtplanungsbüro Wilke aus Erfurt haben das neue Insek in dieser Woche dem Bau- und Wirtschaftsausschuss vorgestellt. Insbesondere für den Einfamilienhaus-Bau sehen die Planer in der Feengrottenstadt nicht mehr die Potenziale, wie sie sie einige Stadträte mit Blick auf die ihnen kundgebrachte Nachfrage von Bürgern gern hätten. Wilke und Sell haben mit ihren Darlegungen nicht nur die potenziellen Bauflächen im Blick, sondern auch die Gefahren einer Zersiedelung der Thüringer Landschaft: „Bauen Sie mit Augenmaß ins Umland“, mahnte Wilke im Bauausschuss. Angesichts der Möglichkeit neuer Wohnformen im vorhandenen Stadtgebiet, den dortigen Brachen und Leerständen, setzte er fort: „Es muss nicht immer nur das neue Einfamilienhaus auf der grünen Wiese sein.“

14 Hektar werden gebraucht, neun sind vorhanden

Wilke und Sell konnten angesichts detaillierter demografischer Analysen den in Saalfeld anfallenden Einfamilienhaus-Neubau-Bedarf bis ins Jahr 2035 deutlich berechnen: Demnach bestehe ein Bedarf von 268 neuen Einfamilienhaus-Bauflächen, zu realisieren auf Bauarealen von insgesamt 14 Hektar Größe. Die derzeit ersichtliche objektive Bauflächen-Reserve im Einfamilienhaus-Bau betrage in Saalfeld jedoch nur neun Hektar. Einige Ausschuss-Mitglieder reagierten unwillig auf dieses Szenario mit Blick auf ausgewiesene Bauflächen außerhalb von Saalfeld, etwa in Rudolstadt. Das Horror-Szenario Abwanderung junger Familien stand im Raum.

Wilke und Sell versuchten zu beruhigen: Wie sie nachweisen konnten, ist der Bevölkerungsanteil in Stadtteilen mit älterem Einfamilienhaus-Bestand stark rückläufig. So ging die Einwohnerzahl etwa in der Oberen Stadt West zwischen den Jahren 2000 und 2016 um 18,30 Prozent zurück. Beim Areal am Krankenhaus sind es sogar 25,63 Prozent. Wilke nannte explizit auch den Frankenweg, wo ein Einwohner-Rückgang von 14,16 Prozent im genannten Zeitraum zu verzeichnen ist. Der Rückgang in dieses Quartieren bedeute nicht, dass dort Häuser leerstehen. „Doch wo früher eine ganze Familie drin wohnte, wohnt heute manchmal nur noch eine alte Frau.“ Kurzum: In absehbarer Zeit „werden dort Einfamilienhäuser auf den Markt kommen und Käufer suchen“, sagte Wilke.

Arnsgereuth ist „kein gutes Beispiel“

Einige Stadträte stellten diese Aussichten nicht zufrieden. Martin Roschka (CDU) verwies auf die große Neubau-Nachfrage. Daraufhin zog Planer Wilke noch ein Ass aus dem Ärmel. Fast ein wenig unwillig räumte er ein, dass es „unterhalb von Köditz“ noch ein elf Hektar großes Gebiet gibt, auf dem Einfamilienhaus-Bau unter Umständen möglich sei. Allerdings bestünden dort „hohe ökologische Anforderungen“, die bei der Inanspruchnahme dieses Gebietes zu berücksichtigen seien. Aus seiner Sicht „brauchen wir die Transformation“ - Brachen und Altbau-Bestände müssten wieder auf den Markt gebracht werden. Auch bei einer Neuausweisung von Einfamilienhaushaus-Flächen auf der Saalfelder Höhe müsse unbedingt darauf geachtet werden, dass die Thüringer-Wald-Region nicht Schaden nimmt. Als „kein gutes Beispiel“ nannte Cornelia Sell die Zersiedelung von Arnsgereuth. Der Ortskern sei „kaum noch vorhanden“, die dortigen Häuser zerfielen, „aber ringsherum wird gebaut“.

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