Ramelow besucht Ankerstein GmbH in Rudolstadt

Rudolstadt  Seine fünftägige Sommertour führte den Thüringer Ministerpräsident auch in die Rudolstädter Manufaktur.

Betriebsleiterin Ines Schroth erklärt Ramelow die Station in der Produktion, an der die Steine aus dem Granulat (Sand, Schlämmkreide, Leinöl) gepresst und später gebrannt werden. Aktuell arbeiten sechs Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung in der Produktion.

Betriebsleiterin Ines Schroth erklärt Ramelow die Station in der Produktion, an der die Steine aus dem Granulat (Sand, Schlämmkreide, Leinöl) gepresst und später gebrannt werden. Aktuell arbeiten sechs Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung in der Produktion.

Foto: Kraska

Ex-US-Präsident Bill Clinton befand ihn in einem Schreiben an die Rudolstädter als „einfach wundervoll“, bei Bauhauspionier Walter Gropius und Albert Einstein soll er gar das Interesse an Architektur beziehungsweise Wissenschaft mitentfacht haben – der Anker-Steinbaukasten.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) machte die Ankerstein GmbH mit Sitz in Schwarza zu einer Station seiner einwöchigen Sommertour durch den Freistaat.

Bereits auf der Industriekulturausstellung 2018 in Pößneck und im Januar auf der Grünen Woche probierte er sich an den Steinchen. „Er bevorzugte die roten“, erinnert sich Betriebsleiterin Ines Schroth. In einer Präsentation gab sie Ramelow und Gefolge, der von Rudolstadts Bürgermeister Jörg Reichl (BfR) und CDU-Landtagsabgeordneten Maik Kowalleck begleitet wurde, einen Überblick über Geschichte und Portfolio des Unternehmens, das seit 1882 und bis 1963 in Rudolstadt produzierte und 1995 neugegründet wurde.

Vor zwei Jahren übernahm die Awo Rudolstadt die Ankerstein GmbH. Schroth hob einen didaktischen Mehrwert gegenüber den Produkten eines dänischen Branchenkollegen hervor. „Bei Lego-Steinchen lernen die Kinder, dass aufeinanderstecken in jedem Fall hält.“ Bei den Ankersteinen, die nur durch Statik gehalten werden, sei mehr Um-die-Ecke-denken erforderlich, um Erfolgserlebnisse zu erzielen. „Das ist schon anspruchsvoller!“, so Schroth. Gerade vor dem Hintergrund immer stärkerer Digitalisierung in den Kinderzimmern sehe sie das als ein Pro-Argument.

„Auf Ankersteinen kann man natürlich schlecht weiter scrollen“, scherzte Ramelow und empfahl Awo-Geschäftsführer Hans-Heinrich Tschoepke, mit der Internationalen Fröbelakademie in Bad Blankenburg zu kooperieren. Dort waren Anfang 2018 erstmals Kindergärtnerinnen und Studenten aus China zu Gast, um die auch in Fernost populäre Lehre Fröbels an ihrem Ursprungsort kennenzulernen. „Das würde genau zu Euch passen“, befand Ramelow. Man werde Kontakte knüpfen, bestätigte Schroth.

Erst vor wenigen Tagen war eine Delegation aus Japan zu Gast, um sich im „analogen Spiel“ mit den Steinchen zu probieren. Workshops wie diese seien auch mit den chinesischen Gästen denkbar. Ramelow: „Gleichwertige Lebensverhältnisse können auch heißen, dass in jedem Kinderzimmer ein Anker-Steinbaukasten steht.“

Erfolgserlebnisse, nicht im Spiel, sondern im Beruf, sollen auch die aktuell sechs in der Produktion Beschäftigten mit geistigem und/oder körperlichem Handicap erleben, die Ramelow beim Rundgang ihren jeweiligen Verantwortungsbereich und Produktionsablauf zeigten.

Dass ein ungebrannter Ankerstein ohne viel Kraftaufwand in der Hand zerbröselt und ein fertiger selbst unter größter Anstrengung nicht zu zerstören ist, vollzog Ramelow ebenso nach, wie den physisch fordernden Pressvorgang an einer alten Presse.

„Steinreich, die Awo“, kommentierte er die Lagerräumlichkeiten. „Alle Farbvariationen mitgezählt, stellen wir momentan rund 1600 verschiedene Einzelelemente in ungefähr 400 Formen her“, sagte Tschoepke. Dazu kämen thematische Sondereditionen, etwa zum Bauhausjahr oder anlässlich der Thüringer Schlössertage anfang Juni von der Veste Heldburg.

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