Restlos ausverkauft: Clownsduo Wenzel & Mensching in Rudolstadt

Rudolstadt  In der Heimat ist es schön, in Heidelberg und auch in der Heidi: Das Clownsduo Wenzel & Mensching füllte in Rudolstadt den Saal bis auf den letzten Platz und unterhielt mit politisch-philosophischer Komik.

Auf den Arm genommen: Das Clownsduo Wenzel & Mensching hatte in Rudolstadt vor vollem Hause einen umjubelten Auftritt.

Auf den Arm genommen: Das Clownsduo Wenzel & Mensching hatte in Rudolstadt vor vollem Hause einen umjubelten Auftritt.

Foto: Guido Berg

Die Stones hätten im alten Rudolstädter Rathaus keinen Stuhl mehr besetzen können: Vor ausverkauftem Haus legte das Clownsduo Wenzel & Mensching am Sonntag einen umjubelten Auftritt auf die Bretter, die die neue schöne Welt bedeuten. Nicht jeder, der wollte, kam rein. Etliche Fans bettelten mit Pappschildern vergeblich um Karten, was beweist, dass Publikum zieht, was wirklich gut ist. Auch in Rudolstadt.

Steffen Mensching und Hans-Eckardt Wenzel lieferten Neues aber auch Bekanntes, was der Stimmung im Saal nicht schadete, im Gegenteil: Als aus dem Off eine Kehrschaufel auf die Bühne flog, nahm ein Teil des Publikums das folgende Wenzelsche „Mutter?“ lachend vorweg. Natürlich, das ist auch beim zweiten Hören gut: Wenzel, mittlerweile „Bundespräsident“, muss bei seinen unter Brücken hausenden Eltern antreten, die sich fragen, warum aus dem Jungen nichts Anständiges wurde: „Da zahlt man nun jahrelang keine Steuern und dann das!“

Der überraschende Perspektivwechsel, das Gegen-den-Strich-bürsten, die Doppelbödigkeit – das sind die Stilmittel, die diese beiden dialektisch Geschulten beherrschen wie nur wenige. Auch das gegenseitige Orden-an-die-Brust-heften bis es schmerzt, dürfte schon zu DaDaeR-Zeiten große Komik gewesen sein, hat aber – eigenartiger Weise – nichts an Frische eingebüßt. Aber auch Neues kam zum Vortrage: Wenzel & Mensching nehmen die Konjunktur des Heimat-Begriffes aufs Korn. So eröffneten sie ihr Spiel mit „In der Heimat ist es schön“. Gesanglich honigsüß stellen sie aber auch fest, dass mit „Hei“ noch mehr geht – in der Heilsarmee ist es schön, in Heidelberg, in Heimen und „in der Heidi“... Überhaupt: Wortwitz können sie, der Liedermacher und der Theater-Intendant. Da nimmt Mensching Wenzel in die „Epidemie der Künste“ auf, da „zieht ein Strumpf am Gebirge hin“.

Wer‘s verpasst hat, kann sich auf den nächsten Auftritt im Oktober in Dresden freuen – allerdings nur, wer schon Karten hat. Der Abend ist ausverkauft.

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