Rudolstadt: Theaterbau fast zwei Jahre im Verzug

Rudolstadt.  Wechsel des Generalplaners und Wasser in der Baugrube sorgen für Pausen - Kosten mit 14 Millionen Euro noch im gesetzten Rahmen.

Der Keller des Erweiterungsbaus am Theater Rudolstadt hat inzwischen eine Decke aus Beton. Die Spundwände links im Bild sollen am Freitag gezogen werden. Zwei Jahre ist man mit dem Bau im Verzug.

Der Keller des Erweiterungsbaus am Theater Rudolstadt hat inzwischen eine Decke aus Beton. Die Spundwände links im Bild sollen am Freitag gezogen werden. Zwei Jahre ist man mit dem Bau im Verzug.

Foto: Thomas Spanier

Wie die Zeit vergeht! Seit Januar 2017 schon ist das Große Haus des Theaters Rudolstadt geschlossen. Für Renovierungsarbeiten und einen besseren Hochwasserschutz, wie es hieß. Seitdem wird im Ausweichquartier „Deutscher Krug“ gespielt. Wenn überhaupt gespielt wird, denn ein Teil der vergangenen Spielzeit fiel den Coronabestimmungen zum Opfer. Eigentlich sollten die Aufführungen – so die ursprünglichen Pläne – ab diesem Herbst wieder an der gewohnten Spielstätte erfolgen. Doch daraus wird nichts. Fast zwei Jahre ist der Umbau im Verzug.

Löwenanteil der Haustechnik findet im neuen Keller Platz

Inzwischen geht es auf der Großbaustelle auf dem Anger wieder einigermaßen geordnet zu, wie Mathias Moersch versichert, Verwaltungsdirektor am Theater und aktuell mit einem Drittel seiner Arbeitszeit so etwas wie Baukoordinator. Der neue Generalplaner aus Weimar habe im August damit begonnen, sich in das Projekt einzuarbeiten. Ein Bauleiter ist vor Ort, es gibt wöchentliche Beratungen mit den beteiligten Firmen, bei denen die nächsten Schritte abgestimmt werden.

Der Wechsel des Planers auf halber Wegstrecke hat das Vorhaben wichtige Monate gekostet, hinzu kam, dass im Frühjahr das Wasser meterhoch in der Baugrube der „Weißen Wanne“ stand, die als Umfassungsbau das altehrwürdige Haus vor neuen Hochwassern schützen soll. Inzwischen hat man dieses Problem im Griff, auch wenn die Saale nach dem Ablassen an der Hohenwarte-Talsperre in den vergangenen Tagen schon mal wieder an die Tür klopfte. Im südlichen Teil des Anbaus ist der Rohbau fertig und die Decke dicht. Im neu entstandenen Keller darunter, auf einer 50 Zentimeter mächtigen Bodenplatte unterhalb der Wasserlinie, wird der Löwenanteil der Haustechnik Platz finden: Lüftung, Heizung, Feuerlöschtechnik. Unter der Garderobe entsteht ein theaterinterner Multifunktionsraum. Rund um die Wanne aus Beton wurde verdichtungsfähiges Material eingebracht. Die Beweissicherung läuft, dass die daneben verlaufende Bundesstraße keinen Schaden genommen hat. Am Freitag dieser Woche will die Firma queller Bau aus Niederkrossen die Spundwände ziehen, die die Baugrube geschützt hatten. Dann wird die Einschränkung des Straßenraums der B 88 nicht mehr notwendig sein, der Verkehr kann wieder zweispurig über den Saaldamm rollen.

Theatervorplatz und Busbahnhof sollen architektonische Einheit bilden

Demnächst soll entschieden werden, ob man zusätzlich zu den bisherigen Plänen noch eine Verbindung schafft zwischen Großem Haus und Funktionsanbau, damit Mitarbeiter trockenen Fußes von einem Haus ins andere kommen. Der Funktionsanbau wird gerade Schritt für Schritt wieder bezogen, derzeit zieht die Maske ein. Jetzt geht es an die verfeinerte Planung für das größer gewordene Erdgeschoss mit Foyer, das auf dem Umfassungsbau hochgezogen wird. Die Besuchertoiletten entstehen dort an der Seite zur Albert-Lindner-Straße, ins Bühnenhaus muss eine Sprinkleranlage, das Beleuchtungskonzept im Zuschauerraum wird so geändert, dass die Kronleuchter an der Decke verschwinden.

Abgestimmt werden mit der Stadtverwaltung muss das Gestaltungskonzept für den Theatervorplatz, der mit dem ebenfalls gerade neu entstehenden Busbahnhof daneben „eine architektonische Einheit“ bilden soll, wie Moersch erklärt. Da geht es um Blick- und Wegebeziehungen, Formen und Farben.

Bezüglich des Zeitplans bleibt der Verwaltungsdirektor nach den Erfahrungen der vergangenen dreieinhalb Jahre vorsichtig. „Ich hoffe, dass wir Ende 2021 so weit sind, dass wir einräumen können.“ Ein Satz mit vielen Konjunktiven. Bei den Kosten sehe es so aus, dass man den bewilligten Rahmen von 14 Millionen Euro einhält. Das Geld kommt zu 100 Prozent vom Land.