Rudolstädter AfD-Kandidat: Gute Geschäfte mit Flüchtlingen

Rudolstadt  AfD-Kandidat Karlheinz Frosch möchte „aus persönlichen Gründen“ nicht auf Zeitungsfragen antworten – aber warum?

Karlheinz Frosch, Direktkandidat der AfD für den Thüringer Landtag, vor einem Werbeplakat seiner Partei: „Damit ist alles gesagt“.

Karlheinz Frosch, Direktkandidat der AfD für den Thüringer Landtag, vor einem Werbeplakat seiner Partei: „Damit ist alles gesagt“.

Foto: AfD

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23 Direktkandidaten in drei Saalfeld-Rudolstadt berührenden Wahlkreisen treten Sonntag in einer Woche zur Landtagswahl in Thüringen an. Die OTZ hat alle 23 vor den Herbstferien angeschrieben und ihnen fünf Fragen gestellt. Warum sie gewählt werden wollen, wo sie Handlungsbedarf sehen, was sie für die Menschen vor Ort tun wollen. So etwas. 22 von ihnen haben die Fragen inzwischen beantwortet, einer nicht.

Karlheinz Frosch, Kandidat der AfD im Wahlkreis 28 (Saalfeld-Rudolstadt I), möchte „aus persönlichen Gründen“ nicht daran teilnehmen, wie er die Zeitung auf Nachfrage wissen ließ. Gerne könne man sich bei passender Gelegenheit darüber unterhalten, nach der Wahl. „Zu meiner Person mache ich grundsätzlich keinerlei Angaben. Ich stehe für eine politische Überzeugung, die ich auch öffentliche vertrete. Jeder kann danach entscheiden, ob er mich wählen will oder nicht“, so der Rudolstädter. Er sehe keinen Sinn darin, Privates öffentlich zu machen. „Damit ist alles gesagt.“

Selbstständiger Unternehmensberater

Erfahrene Politiker wissen, dass ein solches „Basta!“ normalerweise den Ehrgeiz von Journalisten anstachelt. Zumal Karlheinz Frosch nicht immer so zugeknöpft reagiert, wie zehn Tage vor dem Urnengang. Man weiß über den Mann, der im nächsten Jahr 70 wird, sogar eine ganze Menge. Er fährt leidenschaftlich gern Fahrrad, liest gern und wandert oft, ist verheiratet, hat weder Kinder noch Konfession, dafür zu Hause drei junge Kater und eine Katze. Er isst gerne Pasta mit reichlich weißen Trüffeln und trinkt dazu einen guten Barolo. Ein Mann mit Geschmack also, möchte man meinen, der „viele Jahre in leitenden Positionen mittelständischer Unternehmen tätig“ war und jetzt als selbstständiger Unternehmensberater wirkt.

Er lebe in geordneten Verhältnissen, in die Politik müsse er nicht, ließ er die Zuhörer Ende September bei einer Wahlkampfveranstaltung der AfD in Saalfeld-Wöhlsdorf wissen. „Mich treibt der Patriotismus und die Liebe zu Deutschland“, rief er den 300 Leuten zu, die in der „Hacienda Mexicana“ auf Alice Weidel warteten. Der Bundestag sei „ein Versorgungsinstitut für alle Arbeitsunwilligen“, jede Stimme für die CDU sei eine für Ramelow. So etwas kommt an bei AfD-Sympathisanten.

Was Karlheinz Frosch vor seinem Eintritt in die AfD beruflich genau gemacht hat, findet man mit zwei Klicks im Internet heraus. Von 2007 bis 2017 war er für die ProContain GmbH in Coswig bei Dresden als Geschäftsführer tätig. „Als Spezialist innerhalb der ALHO Gruppe konzentrieren wir uns auf die Herstellung hochwertiger Raumlösungen – von einfachen Standard-Containern bis zu komplexen Containergebäuden“, erfährt man auf der Homepage des Unternehmens mit über 200 Mitarbeitern. Die Ausführung „Made in Germany“ sei selbstverständlich.

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Fristgerechte Fertigstellung als wesentlicher Punkt

Vom Bürogebäude über Interimslösungen für Schulen bis zu Bauarbeiterunterkünften – wo Raumbedarf ist, ist ProContain zur Stelle. Als vor vier Jahren innerhalb weniger Monate rund eine Million Flüchtlinge nach Deutschland kamen, war das Unternehmen für viele Kommunen, die händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten für die Zugewanderten suchten, die Rettung.

Nach nicht mal zwei Monaten Bauzeit lieferte ProContain beispielsweise ein dreigeschossiges Flüchtlingsheim nach Berlin-Zehlendorf, in dem 340 Asylbewerber hinter farbenfroher Optik ein neues Zuhause fanden. „Gerade bei solchen Wohnunterkünften ist eine fristgerechte Fertigstellung wesentlich, schließlich wollen zum Termin dort Menschen einziehen, die anderswo keine Bleibe haben,“ so die Firma, für die das, was die AfD illegale Masseneinwanderung in die Sozialsysteme nennt, so etwas wie eine Konjunkturspritze war.

Im Dezember 2016 interviewte die in Dresden erscheinende „Sächsische Zeitung“ den damaligen Geschäftsführer Karlheinz Frosch. Auf die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens angesprochen, konnte er bestätigen: „2015 war ein Rekordjahr.“

Wie gut sich das Geschäft in Zeiten der „Flüchtlingskrise“ tatsächlich entwickelte, zeigt ein Blick in die Jahresabschlüsse 2015 und 2016 der Firma ProContain GmbH Coswig, also jene Jahre, in denen Karlheinz Frosch noch an der Spitze stand. Weil wir in einer Demokratie leben, wo Transparenz auch von Unternehmen verlangt wird, kann man die Jahresabschlüsse für kleines Geld im Netz kaufen.

Umsatz- und Gewinnsteigerung

Nach dem Studium der Zahlen möchte man dem Rudolstädter AfD-Kandidaten noch im Nachhinein zu seinen Erfolgen gratulieren. Die Umsatz- und Gewinnsteigerung ist beeindruckend. Betrug das Rohergebnis im Jahr 2014 noch knapp 15,5 Millionen Euro, so sind es im Folgejahr mit 20,359 Millionen Euro schon knapp fünf Millionen Euro mehr. Im Jahr 2016 steigert man sich dann auf 21,6 Millionen Euro. Die Firma fährt in beiden Jahren insgesamt 4,3 Millionen Euro Gewinn ein. Man darf hoffen, dass bei einem derart üppigen Kuchen auch die Geschäftsführung einen gewissen Anteil gutgeschrieben bekam. Stichwort: Boni.

Im Sachbericht des Wirtschaftsjahres 2015 heißt es optimistisch: „Wir betrachten die Entwicklung des Unternehmens für 2016 insbesondere auf Grund der aktuellen Flüchtlingsthematik als positiv.“ Unterschrieben hat diesen Bericht neben zwei anderen Mitgliedern der Firmenleitung der Geschäftsführer Karlheinz Frosch. Im Januar 2017 scheidet er aus der GmbH aus.

Warum er heute nicht mehr darüber reden will, wissen wir nicht. Man kann vermuten, es ist ihm ein bisschen unangenehm, von jener Flüchtlingspolitik der Bundesregierung profitiert zu haben, die seine Partei heute so gern als nationale Katastrophe hinstellt. Aber Privates muss natürlich privat bleiben.

Von einem lokalen Netzportal um eine Lebensweisheit gebeten, nannte Karlheinz Frosch übrigens ein Zitat von Wilhelm Busch:

„Wenn einer, der mit Mühe kaum, geklettert ist auf einen Baum, schon meint, dass er ein Vogel wär, so irrt sich der.“

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