Rudolstädter Theater: Kopf-an-Kopf-Rennen um die „Caroline“

Rudolstadt  Der Preis des Theater-Fördervereins geht in diesem Jahr an Schauspieler Johannes Geißer.

Caroline-Preisträger 2019: Schauspieler Johannes Geißer Foto: Friederike Lüdde

Caroline-Preisträger 2019: Schauspieler Johannes Geißer Foto: Friederike Lüdde

Foto: Friederike Lüdde

Leicht haben es sich die Mitglieder des TheaterFördervereins in diesem Jahr nicht gemacht. So war es am Ende ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die „Caroline“. Die Nase vorn im Fotofinish hatte Johannes Geißer. So darf sich der Schauspieler, den viele hier auch als Gitarrist und Sänger der Band „Sushi Massaker“ kennen, einreihen in den Reigen der Theater-Preisträger.

Vergeben wurde der Preis traditionell am Ende der Premiere des Sommertheaterstückes auf der Heidecksburg. Wie immer ließ es Laudator Steffen Mensching eingangs offen, ob es der, die oder das Caroline-Preisträger heißt. So wurde nur verraten, dass betreffende Person „eine Komödiantin/ein Komödiant ist, er/sie/es auch zu ernsteren Tönen neigt, ja sich, gewissermaßen, durchaus ernst nimmt; es/sie/er jung, aber nicht mehr blutjung ist, dafür erfahren, aber auch noch formbar, fleißig – aber wer ist das nicht im Rudolstädter Ensemble?“. Doch schon bald waren zumindest Insider eingeweiht. Denn: Es gibt zu Hause bereits eine Karoline, zu der sich nun eine Caroline aus Porzellan gesellt.

Die Lobrede ging weiter mit Adjektiven wie rührig, emsig, aufrichtig. „wobei noch vor einigen Jahren gar nicht klar war, wohin die Reise eigentlich gehen soll, ja, man könnte ihm eine gewisse Unentschiedenheit attestieren, derart, dass mehrere Seelen, ach, in seiner Brust wohnen würden und dass diese jene Unausgewogenheit manchmal durchaus strapaziert“, wie es hieß.

In der Sommertheater-Premiere glänzte er übrigens durch Abwesenheit. Womit der Kreis der Bewerber schon deutlich kleiner geworden war. „Ich denke, wir kürzen das verklausulierte Umkreisen des Subjektes ab, denn die einen wollen nach Haus und die anderen an die Theke, und gratulieren dem kraftvoll-vielseitigen Darsteller, dem couragiert politisch denkenden, engagierten Bürger, dem hochbegabten Musiker und Sänger, dem Ensemblesprecher Johannes Geißer zum Caroline-Preis des Theaterfördervereins“, lüftete der Intendant bald das Geheimnis.

Und lieferte sogleich die Begründung: „Johannes überzeugte in dieser Saison als nachdenklich-melancholisch bis aufmüpfig-frecher Alceste im „Menschenfeind“, als globalisierungskritischer, nah am Wasser gebauter Revoluzzer Jeannot, der auch gut in die Waschmaschine passt, in „Hase, Hase“, als handverletzter, karrieregebremster, sexuell zurückgesetzter, von drei Frauen missionierter Bastian in der „Dressierte Mann“ und als Brandkatastrophen und Ozeane besingender Seebär in „Die Welt auf der Welle“.

Etwas Privates über den Preisträger wurde auch preisgegeben. Dass er einen kleinen Sohn hat und dieser eine große Schwester. Und eine Frau, die zufälligerweise Karoline heißt. „Lieber Johannes, Dir, deiner Familie, deinen Träumen und Erwartungen, alles Gute. Bleibe, wie du bist, neugierig, nachdenklich, fordernd, anstrengend und teilhabend. Du hast, nicht zum ersten Mal, eine starke Spielzeit geschmissen. Tusch, Konfetti, hoch soll er leben, der Worte sind genug gewechselt, Beifallsstürme und Juchee! Sushi für alle“, so das Ende der Laudatio.

Biografie

  • Johannes Geißer wurde 1980 in Thüringen geboren. Er studierte von 2000 bis 2004 an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Nach seinem Abschluss gehörte er fest zum Ensemble des Magdeburger Theaters. Seit 2006 war er als Vereinsmitglied der Theaterscheune Teutleben und am Staatsschauspiel Dresden auf der Bühne zu erleben.
  • Seine freiberufliche Tätigkeit als Schauspieler und Musiker führte ihn außerdem zu Auftritten nach Finnland, Russland, an das Staatstheater Oldenburg, das Landestheater Altenburg sowie das Theaterhaus Jena.
  • Seit der Spielzeit 2014/15 ist Geißer festes Ensemblemitglied am Theater Rudolstadt. Zu seinen großen Rollen gehörten Korowjew in „Der Meister und Margarita“, Rodolphe in „Madame Bovary“ oder Michael Kohlhaas in „Staatsfeind Kohlhaas“.
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